Alfred Flechtheim with Ralph Jentsch in Duesseldorf Kultur at Eiskellerberg

Über die Schwierigkeiten heute noch an verläßliche Informationen zu kommen, gar unbekannte Quellen zu erschließen und aus kleinsten biographischen Mosaiksteinchen das Bild dieses Rheinischen Expressionisten zu gewinnen, berichtet die Kölner Kunsthistorikerin Ina Ewers-Schultz. Wer sich mit Künstler und Kunsthändlern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, kommt an der Provenienzforschung nicht vorbei. Entartete Kunst, Raubkunst, Beutekunst sind dabei nur drei Schlagworte, hinter den sich die Schicksale der Kunstwerke, wie die ihrer wechselnden Besitzer und Eigentümer verbergen. Davon kann Ralph Jentsch ein Lied mit vielen Strophen singen. Als Nachlaßverwalter von George Grosz schrieb er die erste umfassende Biographie von dessen Freund und Kunsthändler Alfred Flechtheim (Weidle Verlag). Die erst kürzlich veröffentlichte Webseite zu Alfred Flechtheim erstellt von immerhin 15 Museen kritisiert er scharf als Alibiveranstaltung und wirft ihr weitere denunziatorische Tendenzen vor. Hildebrand Gurlitts Weg vom Museumsmann zum Kunsthändler der Nazis zum Leiter des Düsseldorfer Kunstvereins in der Nachkriegszeit ist erst in diesem Herbst durch die Beschlagnahmung von Teilen seiner Sammlung in der Münchner Wohnung seines Sohnes Cornelius bekannt geworden. Mittlerweile ist es der am besten recherchierte und international beachtete Fall. Das eklatante Versagen öffentlicher Stellen, die Versäumnisse staatlicher Stellen wie das Fehlen eines Raubkunstgesetzes kamen an diesem Abend ebenso zur Sprache wie die persönlichen Schicksale einzelner Entrechteter und Verfolgter. Drei Wege dreier Kunsthändler, wie sie unterschiedlicher nicht seien konnten, waren Anlaß zu einem sehr regen Rundgespräch in den Räumen von eiskellerberg.tv.
http://www.eiskellerberg.tv/artikeldetail-video/items/schraeggegenueber-629.html

Kunsthändler der Avantgarde 08.10.2013 – 12.01.2014
K20 GRABBEPLATZ

Der Galerist Alfred Flechtheim (1878–1937) gehört zu den bedeutenden Protagonisten der Kunstszene im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Sein Einsatz für den rheinischen Expressionismus, die französische Avantgarde und die deutsche Moderne, die Förderung von Künstlerpersönlichkeiten wie Max Beckmann, George Grosz und Paul Klee, haben ihn bereits zu Lebzeiten international bekannt gemacht. Doch die Herrschaft des Nationalsozialismus verändert sein Leben drastisch: Im Oktober 1933 muss Flechtheim Deutschland verlassen, als Kunsthändler jüdischer Herkunft wird er öffentlich diffamiert, seine Galerien in Düsseldorf und Berlin werden bis 1935 aufgelöst oder von früheren Partnern fortgeführt. Noch vorhandenen Kunstbesitz bringt er ins Ausland, vor allem nach London. Dort stirbt er 1937 im Alter von nur 59 Jahren. Seine in der Berliner Wohnung verbliebenen Kunstwerke werden beschlagnahmt und gelten als verschollen.
Seit den 1960er Jahren gelangten auch 18 Bilder der klassischen Avantgarde, die einst durch die Hände Flechtheims gegangen sind, in die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Neben 16 Arbeiten Paul Klees sind dies ein Stillleben von Juan Gris und das bedeutende Gemälde “Die Nacht” (1918/19) von Max Beckmann. Sie werden nun als Teil des Gemeinschaftsprojektes von 15 Museen In Deutschland und der Schweiz zur Würdigung Flechtheims in der Sammlung von K20 besonders hervorgehoben gezeigt.
Bis heute haben die Aktivitäten Flechtheims, der vor 100 Jahren in Düsseldorf seine erste Galerie eröffnet hat, in zahlreichen Museen Spuren in Form wichtiger Werke hinterlassen, die das jeweilige Museumsprofil entscheidend prägen. Nahezu alle großen Häuser haben Werke von Ernst Barlach, Max Beckmann, Heinrich Campendonk, Lovis Corinth, Paul Klee, George Grosz, Oskar Kokoschka, Paula Modersohn-Becker, Wilhelm Morgner, Heinrich Nauen, Max Pechstein, René Sintenis, Edgar Degas, André Derain, Juan Gris, Fernand Léger, Aristide Maillol, Henri Matisse, Edvard Munch, Pablo Picasso oder Paul Signac mit der Provenienz Flechtheim in ihren Beständen.
Es ist das Ziel dieses Gesamtprojektes, die Wege der Kunstwerke in die Museen, ihre Provenienz und Handelsgeschichte vom Künstler zum Händler und zum Sammler, zu verfolgen. Für eine Gesamtübersicht sind alle Werke, die einen Bezug zur Galerie Flechtheim aufweisen und sich heute in den 15 beteiligten Museen befinden, in der datenbankbasierten Website www.alfredflechtheim.com erfasst.
Seit vielen Jahren hat auch die Kunstsammlung NRW intensiv die Provenienz aller ihrer Sammlungsobjekte erforscht und so neue Aufschlüsse über das Schicksal dieser Werke und ihrer früheren Besitzer erhalten. Die allermeisten der Werke, die mit Flechtheim in Zusammengang stehen, waren einst bei diesem Kunsthändler in Kommission und gelangten auf unterschiedlichen Wegen in die Landessammlung.
Die Präsentation informiert über Leben und Leistung von Flechtheim sowie über die Themen Provenienzforschung und die Rückgabe von Kunstwerken, die frühere Eigentümer als NS-Verfolgte verloren haben. Außerdem können die Besucher vor Ort im K20 in die umfangreiche Website des Projektes Einblick nehmen.
http://www.kunstsammlung.de/entdecken/sammlung/aktuelle-projekte/alfred-flechtheimcom.html; http://www.alfredflechtheim.org/;http://alfredflechtheim.com/home/

Alfred Flechtheim mit Ralph Jentsch als Kunsthändler

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