Achenbach – Plädoyer der Verteidigung – Urteil – Landgericht Essen – TDWE – Kunstberater Achenbach

Im Fall Helge Achenbach kam es zum Plädoyer der Verteidigung (Urteil) im Landgericht Essen.
Thomas Elsner begann an der Seite seines Kollegen Dr. Adick (TDWE) als Verteidiger Herrn Achenbachs kaum 10 Minuten nach Sitzungsbeginn sein Plädoyer mit der Feststellung, dass im gesamten Verfahren “viele Fragen beantwortet wurden”, aber auch ebenso “viele Fragen noch unbeantwortet blieben”.
Es ginge “hier um die zentrale Person Herr Achenbach” und das “spezielle Umfeld, in dem Herr Achenbach mit Berthold Albrecht agierte”. “Herr Achenbach war ein guter Freund von Berthold Albrecht – es war eine harmonischen Beziehung”, in der “auch mal nicht alles gesagt und besprochen werden mußte, da sich vieles aus dem vertrauensvollen Verhältnis heraus ergab”.
Berthold Albrecht hatte also großes Vertrauen zu Herrn Achenbach. “Es war mehr als nur eine bekanntschaftliche – mehr eine freundschaftliche Beziehung” in der “z.B. zu Geburtstagsanlässen schon mal ein Auto im Werte von 150 TEuro verschenkt wurde (Alfa Romeo Baujahr 1968)” – oder dass “z.B. in der Küche [von Paul Schönewald] ein Bild von Kirchner im Werte von 7 Millionen Euro hing”, welches Berhold Albrecht gefiel, er Interesse zeigte und sich noch “in der darauf folgenden Nacht kurzentschlossen zu einem Kauf entschied.” Und dies geschah wohl “ohne schriftliches Angebot”. Nach Thomas Elsner lag somit zwischen “Sehen” und “Kaufen” nur eine kurze Zeitspanne, d.h. “kurz und knapp” wurde der Verkauf bzw. der Kauf getätigt – und formlos. “Kein Museum würde so handeln”. Dies wäre ein weiteres klares Indiz für das ausgeprägte Vertrauensverhältnis zwischen Herrn Achenbach und Berthold Albrecht und der starken Belastbarkeit des herrschenden Vertrauens.
Zugleich würde es “die besondere Welt der beiden” beschreiben. Es stelle sich nun die Frage nach dieser “Welt, in der Herr Achenbach und Berthold Albrecht” agierten und die Frage nach den “dominierenden Zusammenhängen” in dieser Welt. Es wäre keine Welt in der “kaufmännische Strenge herrsche”. In dieser ihnen eigenen Welt, in der Nähe des schillernden Kunstmarktes, gelten “andere Spielregeln”. In dieser Welt greifen “keine herkömmlichen kaufmännischen Regeln und Kriterien”. Dies wäre auch “typisch für den Kunstmarkt”, in dem sich nicht unbedingt die “Preise” aus dem Verhältnis von “Angebot und Nachfrage” ergäben. Der “preisbildende Markt findet nicht statt” und es wären auch “nicht alle Geschäfte gleich”.
Thomas Elsner kommt an dieser Stelle auf die besondere Form der Rechnungen – eben der “Collagen”. Er verweist hierbei auf die u.a. auch vom BGH (z.B.: Beschluss 26.02.2003, Az: 2 StR 411/02) behandelte Problematik der Fage nach Urkundenfälschung im Falle “collagierter” Rechnungen.

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Thomas Elsner plädiert für eine Aussetzung des Haftbefehls unter Berücksichtigung der Haftverschonung.

Insgesamt versucht Thomas Elsner den Vorwurf des schweren Betruges durch Herausstellung des intensiven Vertrauensverhältnisses zwischen Herrn Achenbach und Berthold Albrecht zu entkräften. Es wird zwar eingeräumt, dass Herr Achenbach eben dieses Vertrauensverhältnis für sich ausgenutzt hat, doch erfülle dies nicht den Tatbestand des schweren Betruges. Fraglich ist allerdings, anzuführen, dass Herr Achenbach aus der Notlage heraus agiert hat und seine wirtschaftlich maroden Unternehmen Monkeys quersubventionieren musste. Dieser von ihm selber initiierte kaufmännische Fehlgriff kann schlecht als Rechfertigung für seine nicht immer korrekten Aktionen Berthold Albrechts gegenüber dienen – es ist schwer vorstellbar, dass sich ein deutsches Gericht hiervon beeindrucken ließe – auch wenn es im Moralischen darstellbar wäre. Die zwischenzeitlich wankend wirkende Konstruktion und Darstellung der Rücknahmegarantie findet sich fragmentarisch (Brief) erst später wieder. Hier ebenfalls fraglich, ob das Gericht diese mehr oder weniger als Rechtfertigungsversuche wirkenden Einlassungen berücksichtigt. Dies trifft ebenfalls auf die Einlassung zu, es wäre der Familie Albrecht kein “wirklicher” Schaden entstanden, zumal es sich bei der von ihm vermittelten Kunst um Objekte höchster Qualität handelte und sich aufgrund des bestehenden großen Wertsteigerungspotentials kein “realer” Verlust eingestellt hätte. Der Vorwurf der Urkundenfälschung könnte mit Berücksichtigung der besonderen Lage der BGH “Collagierungs-Problematik” auch dünner werden.
Dem Nichteingeweihten könnte es ohnehin verwunderlich erscheinen, dass auch im Umfeld verletzter Eitelkeiten nicht ein “cui bono” gilt. Angesichts der Tatsache, dass die von Herrn Achenbach vermittelten Objekte im Preislichen, d.h. in der Werthaltigkeit, abgesenkt wurden, müsste sich doch ein weiterer Nutzen und Vorteil ergeben – zumindest hinsichtlich der Vermögens- und/oder Erbschaftssteuer. – und das auf der Seite der Anzeigenerstatter.

Babette Albrecht Düsseldorf Kultur und Millionendeal

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