17.03.2017 – Blut, Mysterium und Malerei – Hermann Nitsch – Der Wiener Aktionist in Düsseldorf

 

Blut, Mysterium und Malerei – Hermann Nitsch – Der Wiener Aktionist in Düsseldorf

Galerie Geuer & Geuer

ks    17.03.2017

Hermann Nitsch sitzt ganz in schwarz – wie immer – in seiner Düsseldorfer Schau vor einem seiner blutigen Werke, in der Galerie Geuer & Geuer Art. Auch heutzutage, in einer Zeit, in der längst alles tabuisiert erscheint, provoziert das Werk des Nestors der Wiener Aktionisten.

Er, der schon Ende der fünfziger Jahre sein Orgien Mysterien Theater konzipiert hat, gilt immer noch als Schockkünstler oder Blasphemist, bisweilen wird er nach wie vor als Tierquäler diffamiert. “Ich liebe Tiere über alles”, sagt er über diese Vorwürfe und erwähnt seinen kleinen Zoo zu Hause, eine Unzahl von Hühnern, Katzen, Hunden und weiterem Getier.

Das Orgien Mysterien Theater besteht aus Inszenierungen realer Art. Die Aktionen mit Nackten, Tierfleisch und Schweineblut erschütterten die Öffentlichkeit. In der Schlagzeilenpresse wird Hermann Nitsch oft als Oberhaupt einer blutrünstigen Gemeinde tituliert. Er selbst macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass eine Fleisch essende Gesellschaft die Schlachtung von Tieren billigend in Kauf nimmt.

Hermann Nitsch ist 1938 in Wien geboten, von 1989 bis 2003 war er Professor an der Frankfurter Städelschule. Seit über 50 Jahren hat Nitsch – keine Zweifel – den Kunstbegriff erweitert. Malerei, Musik, Theater – er verbindet vermeintlich unterschiedlichste Disziplinen und führt sie zur Allianz. Es geht dem Künstler keinesfalls um billige Effekte oder leichtfertige Provokationen: Im Gegenteil. Sein Orgien Mysterien Theater besteht aus Inszenierungen realer Handlungen. Der im Spannungsfeld von christlicher Liturgie und griechischer Mythologie kompromißlose Nitsch will als religiöser Mensch gesehen werden und seine Tierliebe ist in Freundeskreisen bekannt.

Das Gesamtkunstwerk von Hermann Nitsch, die aktionistische Praxis, polarisiert heute wie einst. “Man ist für oder gegen ihn”.

“Blut, Mysterien und Malerei” heisst die Ausstellung, die in der Galerie Geuer zu sehen ist. Dickpastige Farbe, meist Rot, rinnt die Leinwand hinab. Im Hintergrund ereignet sich das gleiche in Dunkelbraun. Das bedeutet: Nitsch hat statt Farbe Blut verwandt. In Großformaten bezieht er gern das Hemd ein, das er bei der Arbeit getragen hat. Es klebt rot übermalt auf der Leinwand. Kunst und Künstler, so lautet die Botschaft, sind eins.

So hat Nitsch, der als Bühnenbildner und Opernregisseur für die Wiener Staatsoper und das Wiener Burgtheater tätig war, den Regisseur Christoph Schlingensief und die Künstlerin Marina Abramovic nachhaltig beeinflusst.

Was wünscht sich der Aktionskünstler Hermann Nitsch zu seinem 80. Geburtstag? “Noch ein sehr intensives Leben im Zusammenhang mit der Entwicklung meiner Kunst”. Und: Rund um seinen 80. Geburtstag will Hermann Nitsch erneut ein Sechs-Tage-Spiel inszenieren auf seinem geliebten Schloss Prinzendorf in Niederösterreich – am liebsten mit 500 Mitwirkenden – wie ehedem.

Auch nach seinem Tod sollen die immer neu zu steigernden Spiele – nach dem Willen des Künstlers- ausgeführt werden.

Dass Nitsch längst zu den Großen der europäischen Nachkriegskunst gehört, ist unbestritten.

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