K20 – Joseph Beuys – Fluxus etc- Part 4

Joseph Heinrich Beuys (Aussprache: [bɔɪs]; * 12. Mai 1921 in Krefeld; † 23. Januar 1986 in Düsseldorf) deutscher Bildhauer, Aktionskünstler, Zeichner und Kunsttheoretiker.

Er setzte sich in seinem bildnerischen und plastischen Werk intensiv mit Fragen des Humanismus, der Soziologie und insbesondere mit der Anthroposophie Rudolf Steiners auseinander. Dies führte schließlich zu seiner eigenen Definition des erweiterten Kunstbegriffs und zur Konzeption der „Sozialen Plastik“ als Gesamtkunstwerk, in der er Ende der 70er Jahre mit den Worten „Jeder Mensch ist ein Künstler“ ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik forderte. Joseph Beuys zählt international zu den bekanntesten Künstlern der Moderne und gilt als Wegbereiter des Fluxus in Deutschland.

Die 60-er und 70-er Jahre
Kunstakademie Düsseldorf

Ab 1961 bis zu seiner Entlassung 1972 war Beuys dann selbst Professor an der Kunstakademie, in der er die Klasse für monumentale Bildhauerei leitete. Zu seinen Studenten zählten unter anderem Jörg Immendorff, Johannes Stüttgen oder Imi Knoebel. Am 2. und 3. Februar 1963 fand in der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf „als ein Colloquium für die Studenten der Akademie“ das Festum Fluxorum Fluxus – Musik und Antimusik – Das instrumentale Theater statt.

Beteiligte Künstler waren: George Brecht, Al Hansen, Dick Higgins, Bengt af Klintberg, Arthur Køpcke, La Monte Young, George Maciunas, Jackson Mac Low, Nam June Paik, Ben Patterson, Schmit, Daniel Spoerri, Wolf Vostell, Watts und Williams.

Joseph Beuys führte am 2. Februar FLUXUS Sibirische Synphonie 1. Satz und am 3. Februar Komposition für 2 Musikanten auf. Vom 26. Oktober 1963 bis 24. November 1963 fand im Haus der Brüder van der Grinten die Ausstellung JOSEPH BEUYS FLUXUS statt.

Ab 1964, in diesem Jahr war es die documenta III, beteiligte Beuys sich an jeder „documenta“. Vom 13. September 1967 bis zum 29. Oktober 1967 gab es eine erste umfassende Ausstellung im Städtischen Museum Mönchengladbach – Ausstellung „BEUYS“.

In seinen „Lebenslauf-Werklauf“ trug Beuys 1963 ein: „Beuys verlängert im Auftrag von James Joyce den „Ulysses“ um 2 weitere Kapitel“. Gemeint waren sechs Hefte, in die er seit 1958 in beliebiger, nicht chronologischer Reihenfolge skizzierte und zeichnete, wobei er die Zeichnungen gelegentlich mit tagebuchähnlichen Notizen versah. Die „Verlängerung“ um „2 weitere Kapitel“ bezieht sich auf die Geburt des Sohnes und wahrscheinlich auf die Berufung an die Kunstakademie in Düsseldorf.

Besetzung der Düsseldorfer Kunstakademie und Entlassung aus der Professur

Während der 68-er Studentenunruhen beteiligte sich Beuys an verschiedenen Organisationen und gründete auch eigene, welche u.a. das Ziel der Bekämpfung des „Organisationsstaates“ hatten. Stringent lehrte der politisch unbequeme Kunstprofessor in seinen Vorträgen die radikale freie Selbstbestimmung. Aufgrund der katastrophalen Zustände an der Düsseldorfer Kunstakademie und auch aufgrund mangelnder Bildungszuschüsse besetzte er 1971 zusammen mit seinen Studenten das Sekretariat der Akademie und wurde daraufhin vom damaligen Wissenschaftsminister Johannes Rau fristlos entlassen. Erst sechs Jahre später wurde Beuys rehabilitiert.

1973 kam es auf Betreiben von Joseph Beuys aufgrund von akutem Platzmangel in der Düsseldorfer Akademie zur Gründung des Vereins zur Förderung einer „Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“ . Ziel des Projekts sollte es sein, nicht nur neue Räume in der Kunstakademie zu schaffen, sondern im Sinne von Beuys’ komplexen Kunstverständnis auch zugleich Platz für neue Gedankenwelten „… frei zu räumen“ und Anregungen für kontroverse kreative Sichtweisen anzubieten und zu schaffen.

Von 1971 bis 1985 unternahm Beuys mehrere Reisen nach Italien, zusammen mit seiner Familie, zwecks Ausstellungen in der Galerie Lucio Amelio, Neapel. Hierbei wurde auch die Insel Capri mehrmals besucht.

Zur Documenta 5 im Jahre 1972 entstand Beuys´ Arbeit „Dürer, ich führe persönlich Baader + Meinhof durch die Documenta V, 1972“, die unter dem Aspekt einer künstlerischen Betrachtung des beginnenden Terrors der Baader-Meinhof-Gruppe entstand.

Am 30. Oktober 1972 fand die Eröffnung der Ausstellung Arena – dove sarei arrivato se fossi stato intelligente (deutsch: „Arena – wo wäre ich hingekommen, wenn ich intelligent gewesen wäre“) in der Galleria Attico in Rom statt.

Im Jahr 1974 erhielt Beuys eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.

Am 30. August 1974 starb Beuys Mutter Johanna. Zum Jahreswechsel 1974/1975 hielt sich die Familie bei Charles Wilp in Kenia (Diani Beach) auf. 1976, zur 37. Biennale in Venedig, war Beuys mit der Installation Straßenbahnhaltestelle/Tram Stop, 1961–1976 (Deutscher Pavillon) vertreten. Auf der documenta 6 (1977) war Beuys mit seiner Arbeit Honigpumpe am Arbeitsplatz vertreten, wieder für 100 Tage, wie auf der documenta 5 (1972). Am 18. Mai 1979 traf Beuys zum ersten Mal Andy Warhol in der Galerie Denise René/Hans Mayer, der dort gerade eine Ausstellung seiner neuen Bilder zeigte. Das sollte später Anlass für Warhol sein, mehrere mit Diamantstaub bearbeitete Serigraphien von Beuys anzufertigen.

Honigpumpe am Arbeitsplatz Joseph Beuys ich Fluxus Düsseldorf

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K20 – Joseph Beuys – Paarbildung – Fluxus – Part 3

1961
März-Juli 1961
Literatur-, Musik- und Filmveranstaltungen / Kunstausstellungen in der AG GALLERY von G. Maciunas / A. Salcius und im Studio von YOKO ONO, New York. Teilnehmer: R. Marxfield, J.Cage, D. Higgins, J.MacLow, E.Brown, J.Mc Dowell. D.Johnson, B.Morris, P. Davis, J.Fischer, T.Ichiyanagi, J. Byrd, S. Peterson, W. Maas, G. Maciunas) sowie Performances von S Morris, d. Lindberg, P. Corner, L.M.Young, T. Ichiyanagi, H. Flynt, J. Byrd, J. Mac Low, R. Maxfield et al.

Henry Flynt verfasst das Manifest CONCEPT ART (veröffentlicht in AN ANTHOLOGY, 1963), in dem er die Konzeptkunst als die Kunst proklamiert, deren Material Konzept und Sprache sind

La Monte Young stellt das Material für die Publikation AN ANTHOLOGY zusammen, das erste und bis dato umfangreichste Manifest zu Fluxus und den ´neuen Künsten´, das erst 1963 in 1. Auflage herausgegeben wird (Design G. Maciunas). Beiträge von G.Brecht, Y.Ono, Jo.Cage, H.Flynt, D.Higgins, L.M.Young, D.Rot, E.Williams, N.J.Paik (1. Auflage Hg. La Monte Young, Jackson Mac Low, New York 1963 / 2. Auflage Hg. Heiner Friedrich, München 1970).

Mai – Juli 1961
Köln, Wuppertal und Aachen sind wichtige Orte für die rheinische Avantgardeszene. Performances u.a. von B. Patterson, W. Vostell, B. Brock

Herbst 1961
Maciunas reist als Designer für die US Army nach WIESBADEN. Dort Kontaktaufnahme zur rheinischen und Berliner Szene experimenteller Musik und Kunst, insbesondere zu Nam June Paik, Emmett Williams, Ben Patterson, Wolf Vostell, Karlheinz Stockhausen, Joseph Beuys u.a.

1962
Maciunas initiiert und organisiert große FLUXUS-FESTIVALS, die 1962 in Wiesbaden, dann in Kopenhagen, Paris, Düsseldorf, Amsterdam stattfinden. Ab Sommer 1962 Veröffentlichung des Magazins Fluxus (im Herbst 1962 umbenannt in FLUXUS), seitdem Etablierung des Begriffes für alle weiteren Aktivitäten der Künstler.

Juni 1962
Erste Ausgabe der Zeitschrift décoll | age. Bulletin aktueller Ideen
(Hg. Wolf Vostell) erscheint

9. 6.1962
NEO-DADA IN NEW YORK. Vortrag von G. Maciunas anlässlich der Veranstaltung ‘Kleines Sommerfests – Apres John Cage’ in der Galerie Parnass, Wuppertal. Aufführung von Stücken von Patterson, Riley, Higgins und Curtis

1.-23.9.1962
FLUXUS. Internationale Festspiele Neuester Musik, Hörsaal Städtisches Museum Wiesbaden. 14 Konzerte von Higgins, Knowles, Paik, Williams, Köpcke, Vostell, Filiou, Maciunas. Diesem ersten mehrtägigen Festival unter dem Titel Fluxus folgen zahlreiche Konzerte in Kopenhagen, Paris, Düsseldorf, Amsterdam.

23.-28.11.1962
FESTUM FLUXORUM. Fluxus. Musik og Anti Musik. Det Instrumentale Theater. 6 Konzerte in der Nikolai Kirke Kopenhagen. Teilnehmer: Williams, M.Low, Vostell, Higgins, Knowles, Maciunas, Paik, Koepcke, Filliou. Veröffentlichung von Maciunas’Neo-Dada in Music, Theater, Poetry, Art
und Kagels Das instrumentale Theater.

3.-8.12.1962
FESTUM FLUXORUM. Poesie, Musique et Antimusique evenenementielle et conctrete. American Center, Paris. Teilnehmer: Filliou, Williams, Koepcke, Schmit, Maciunas, Higgins, Spoerri, Knowles, Vostell

1963
Veröffentlichung des FLUXUS MANIFESTs von George Maciunas in der ersten Fluxuszeitung, FLUXUS PREVIEW REVIEW. Die Fluxuszeitung V TRE (Hg. George Brecht, ab Sommer 1963 Maciunas cc V TRE) erscheint. Gründung des Verlages SOMETHING ELSE PRESS, New York durch Maciunas und Higgins (bis 1974).

Fluxus Higgins William Vostell Joseph Beuys Düsseldorf Beuys

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K20 – Joseph Beuys – Part 8

Beuys macht
die Biene bereits in den fünfziger Jahren zu seinem künstlerischen Thema. In Teilen seiner Bienen-Ideologie soll er sich auf 15 Vorträge von Rudolf Steiner, die dieser 1923 vor Arbeitern am Goetheanum in Dornach gehalten hatte, beziehen. Durch diese Vorträge “wurde Beuys schon früh auf den Charakter des plastischen Prozesses bei den Bienen und ihren Sekreten Honig und Wachs hingewiesen.” (Adriani 1994)

Bekannt sind die Arbeiten “Bienenkönigin I-III” von 1952, drei kleinformatige Objekte aus Wachs auf Massivholzbrettchen. Im (Braun-)Kreuz-Komplex von Wouter Kotte und Ursula Mildner wird die Biene als bewegtes Kreuz interpretiert, und die Bienenflügel sollen eine Hinweis auf die Allgegenwärtigkeit des Geistigen sein.

Die “Honigpumpe am Arbeitsplatz” bestand aus einem 173 Meter langen System von Plexiglasschläuchen, das vom Erdgeschoß bis zum Dach durch dasTreppenhaus des Museums Fridericianum gelegt war. In einem halbkreisförmigen Raum im Erdgeschoß befand sich eine Elektropumpe, die drei Zentner “Honig der Marke Langnese” durch die Schläuche pumpte. Parallel dazu waren zwei Elektromotoren zu sehen, die durch eine 2,60 Meter lange und 12 Zentimeter starke Kupferwelle miteinander verbunden waren. Die Kupferwelle rotierte in 100 Kilogramm Margarine “der Marke Romi, die in 1/2 Kilobechern angeliefert worden war.” In einer Ecke des Raumes standen drei leere Bronzekrüge. “Statt des Honigs, der in den Kreislauf eingegangen ist, enthalten sie gleichsam spirituelle Substanzen, nämlich die kreativen Prinzipien der Verteilung, des Eingießens und des Entnehmens”. Dieser Maschinenraum war für die Besucher nicht zugängliche, konnte aber von oben eingesehen werden. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Honigpumpe befand sich der Tagungsraum der FIU. An der Fensterseite des Raumes, knapp unterhalb der Decke, waren einige Meter des Plastikschlauchsystems in mehrfachen Windungen über dünne Eisenstangen gerollt. Der FIU-Tagungsraum wurde so in den zirkulierenden Honigkreislauf integriert und mit dem gesamten Museum in Beziehung gesetzt.

Adriani, Konnertz und Thomas meinen zur Honigpumpe: “Waren in den frühen Arbeiten der Honig das Symbol für das Wärmeelement und Wachs das Symbol des Kristallinen, des festen Bauens, aus welchen Polen Beuys seine plastische Theorie gestaltet hatte, wird die Honigbiene nun auch in ihrer staatenbildenden Fähigkeit Symbolträger und schafft so die Verbindung zur sozialen Plastik der Gesellschaft als Kunstwerk.”

Eine zentrale Bedeutung bekommen die “Honigpumpe am Arbeitsplatz” und die Bienen also in der Beuysschen Gesellschaftstheorie. Stachelhaus meint: “Es lohnt sich, Beuys´ Gedanken nachzuspüren, denn praktisch entwickelt er am Beispiel der kleinen Bienen seinen “Erweiterten Kunstbegriff” und seine “Soziale Plastik”.”

Beuys Honigpumpe am Arbeitsplatz Honig der Marke Langnese

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K20 – Joseph Beuys – Berlin – Torso – Part 2

Die Ausstellung “Beuys. Die Revolution sind wir” im Hamburger Bahnhof-Museum für Gegenwart bildet einen Teil von 10 Ausstellungen, die in diesem Herbst in Berlin unter der “Dachmarke” Kult des Künstlers gezeigt werden.
“Beuys. Die Revolution sind wir” untersucht die utopische Dimension des Gesamtwerkes von Joseph Beuys und stellt die seinem Erweiterten Kunstbegriff zugrunde liegende Vorstellung ins Zentrum. Auf 5000 qm werden anhand von 270 Werken des Künstlers erstmals das Bild- und Sprachwerk als Einheit betrachtet und die Genese seines “Erweiterten Kunstbegriffs” aufbereitet. Präsentiert werden in diesem Kontext u.a. das Spätwerk Palazzo Regale oder Hauptwerke wie Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch, Doppelfond oder Richkräfte.
Sehen Sie dazu ein Video, in dem der Kurator der Ausstellung, Prof. Dr. Eugen Blume, das Konzept von “Beuys. Die Revolution sind wir” ausführlich erläutert und ein erster Einblick in die Ausstellung vermittelt wird.

Ausstellungsdauer: 3.10.08-25.1.09

Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr, Mo geschlossen

Hamburger Bahnhof-Museum für Gegenwart
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin
Tel. +49(0)30 – 3978 3411
http://www.hamburgerbahnhof.de

“Die Abwesenheit seiner charismatischen, unermüdlich sich dem Dialog mit den Menschen hingebenden Persönlichkeit stellt die Kuratoren und Restauratoren vor brisante Entscheidungen”, schreiben Ackermann und Malz, “dennoch hat Beuys wie kaum ein anderer Künstler seine Werke den Museen anvertraut. Im Vorgang des Ablegens gab er seinen Arbeiten jeweils eine neue Form und überführte sie in einen Zustand, in dem sie fortexistieren können.”

Tatsächlich werden noch viele Generationen von Kuratoren sich mit dem 1921 in Kleve geborenen Künstler auseinandersetzen: Anders als bei vielen Kollegen aus dem Zwanzigsten Jahrhundert, bleibt die Rezeption seines Werks lebhaft, ja sie hat sich sogar schon fundamental fortentwickelt, seit Armin Zweite vor zwanzig Jahren an gleicher Stelle mit “Joseph Beuys. Natur. Materie. Form.” den wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts nach Düsseldorf, wo er gelebt, gearbeitet und gelehrt hatte, zurückholte.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/beuys-ausstellung-in-duesseldorf-ablegen-nach-ableben-1.997489-2

Palazzo Kleve Die Revolution sind wir Joseph Beuys Düsseldorf

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K20 – Joseph Beuys – Schamane – 25/1981 – Part 6

Heiliger Gully

Künstler im Umgang mit “Mythos und Ritual” – ein Trend der 70er Jahre wird in Zürich ausgestellt.

Wenn die junge Frau in der Dunkelkammer ihre Vergrößerungen aus dem Fixierbad zieht, dann wird die Laborarbeit zur Beschwörung. Dann scheint sich ein legendäres, volkstümliches Wunder zu wiederholen, und aus dem präparierten Tuch, das die Adeptin anstelle gängigen Photopapiers benutzt, wächst ihr allmählich, wie eine Vision, ein Heilandsbild entgegen.

Eine zeitgenössische Künstlerin zitiert und imitiert so die heilige Veronika, in deren Schweißtuch sich das Antlitz Jesu naturgetreu und unauslöschlich abgedrückt haben soll: Darstellungen dieser “vera ikon” aus der christlichen Malerei überträgt Dorothee von Windheim, 35, schwarzweiß auf Gaze. Zugleich mit dem wunderbar-natürlichen Abbildungsvorgang, den die Legende behauptet, wird der Malakt historischer Künstler gewissermaßen phototechnisch nachvollzogen.

Bildzeichen nicht selber zu erfinden, sondern sie zu sammeln und zu reproduzieren, ist auch ein Kunstprinzip von Nikolaus Lang, 40. Er sucht vorgeschichtliche Steinritzungen in Alpentälern auf sowie vulgäre Graffiti in verlassenen Bauernhäusern, und noch die Fraßspuren, die Insekten an Baumstämmen hinterlassen, sind ihm der Betrachtung und der Überlieferung wert.

Lang und Dorothee von Windheim repräsentieren ein Künstler-Bewußtsein, das auf dem Fundus der Geschichte und Vorgeschichte, ja der Natur zurückgreift, Bestände sichtet und sichert, Erinnerungen aktiviert.

Je deutlicher, etwa seit 1970, einer auf permanenten Fortschritt eingeschworenen Avantgarde die Grenzen ihres Wachstums wurden, um so mehr Gewicht bekamen künstlerische Quellenforschungen, auch solche unter kultischen Aspekten. Im Rückblick ist das ein Leitmerkmal des vergangenen Jahrzehnts: “Mythos und Ritual in der Kunst der 70er Jahre”.

Dorothee von Windheim – Mythos und Ritual 70er Quadriennale

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K20 – Joseph Beuys – K20 GRABBEPLATZ – Part 1

11.09.2010 – 16.01.2011
K20 GRABBEPLATZ und SCHMELA HAUS
Im Rahmen der Quadriennale 2010 Düsseldorf

Mit der untrennbaren Einheit von künstlerischem Denken und Handeln ist Joseph Beuys (1921-1986) zu einer der charismatischsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts geworden. Sein facettenreiches Werk, das bis heute Einfluss auf die aktuelle Kunstproduktion hat, wird immer wieder unter den verschiedensten Aspekten präsentiert und diskutiert. Die Ausstellung verdeutlicht unter anderem mit zehn bedeutenden Rauminstallationen beziehungsweise großen skulpturalen Arbeiten den „Erweiterten Kunstbegriff” von Beuys. Politische und künstlerische Utopien verschmelzen hier zur Sicht auf die Gesellschaft als „Sozialer Plastik”. Im Schmela Haus werden namhafte Künstlerinnen und Künstler während der Ausstellung zu Beuys sprechen.

Requiem für Beuys
VON BERTRAM MÜLLER – RP-Online

Düsseldorf (RP) Die große Beuys-Ausstellung, die den Mittelpunkt der Düsseldorfer Quadriennale bildet, wirkt wie ein optisches Gedenken an den 1986 verstorbenen Künstler. Die Schau bietet Installationen und eine Fülle von Arbeiten auf Papier.

Die Farben Braun und Grau geben die gedämpfte Stimmung vor, die den Besucher ergreift, sobald er die Joseph-Beuys-Ausstellung in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW betritt. In drei riesigen Sälen erinnern Installationen, Objekte und Zeichnungen an den 1921 in Krefeld geborenen, 1986 in Düsseldorf gestorbenen Künstler – ein Requiem aus Hinterlassenschaften von längst vergangenen Happenings, die hier und da auf schwarzweißen Fernsehschirmen auferstehen.

Traurig wirkt das, weil Beuys stets selbst Bestandteil seiner Kunst war. Jetzt muss sie ohne ihn auskommen, museal werden, noch dazu an einem Platz, den der Künstler nicht selbst erwählt hat. Er pflegte seine Kunst “abzustellen”, wie im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum, wo er seine berühmte, unverrückbare “Baracke” errichtete.

Die Düsseldorfer Ausstellung reiht nun ein Objekt ans andere, und man weiß nicht recht, ob Beuys mit solch einem Warenlager glücklich geworden wäre. Die Kunstsammlung NRW hat aus der misslichen Lage jedenfalls das Beste gemacht und fördert teilweise Erstaunliches zutage.

Im ersten der beiden neu erbauten Wechselausstellungsräume zeugt eine Fülle von Arbeiten auf Papier von Beuys´ Interesse an der Natur. Das findet seine Entsprechung in plastischen Objekten wie der “Rückenstütze eines feingliedrigen Menschen (Hasentypus) aus dem 20. Jahrhundert p. Chr.” von 1972.

Vielfach äußert sich Beuys´ Vorliebe für Materialien wie Filz und Fett, Eisen und Kupfer, die von Wärme und Energie, auch von chemischen Reaktionen erzählen. Und wer seinen Blick nicht nur auf den an der Wand hängenden Filzanzug richtet, sondern auch auf kleinere Objekte wie etwa Collagen mit Schokoladentafeln, dem gibt sich Beuys sogar als stiller Humorist zu erkennen: Ein Messer, dessen Spitze mit einem Pflaster verklebt ist, trägt den Titel: “Wenn Du Dich schneidest, verbinde nicht den Finger, sondern das Messer”.

Joseph Beuys Schmela Haus künstlerisch Utopie Soziale Plastik

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K20 – Joseph Beuys – Rudel – Part 6

Beuys boomt

Erstellt 09.09.10, 09:41h, aktualisiert 09.09.10, 11:34h
Joseph Beuys ist wieder da. Bald 25 Jahre nach dem Tod des charismatischen Künstlers mit dem Hut widmen ihm gleich mehrere Museen in Deutschland Ausstellungen. Die größte davon in Düsseldorf, wo Beuys seine wichtigste Wirkungsstätte hatte.

Joseph Beuys-Kunstwerkes “The Pack (das Rudel)” aus dem Jahr 1969.
DÜSSELDORF – Filigrane, fast flüchtig erscheinende Zeichnungen, abgelegte Alltagsgegenstände und Maschinenteile, schwere Bronze und natürlich Filz und Fett – Das Universum des Ausnahmekünstlers Joseph Beuys (1921-1986) ist höchst komplex. Mit einer großen Retrospektive würdigt die wiedereröffnete Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf den Künstler mit dem markanten Hut. Fast 20 Jahre hatte es in der Landeshauptstadt keine große Ausstellung mehr zu ihrem berühmten Kunstakademie-Professor gegeben. Nun kehrt Beuys nach Düsseldorf zurück.

Von Samstag bis zum 16. Januar zeigt die Kunstsammlung unter dem Titel “Parallelprozesse” fast 300 Werke, darunter zehn große Installationen wie die Schlitten-“Meute”, die aus einem rostigen Bulli entspringt (“Das Rudel”) oder die Leichenbahren-Installation “zeige deine Wunde”. Befremdlich erscheint bis heute die Welt des auch “Schamane” genannten Beuys, der mit Alltagsgerätschaften und Stoffen wie Honig, Schwefel, Blut arbeitete.

Die Direktorin der Kunstsammlung, Marion Ackermann, will nicht weniger als “den ganzen Beuys” zeigen, ohne dabei den Betrachter mit Werken zu überschütten. In den großen Sälen kann der Besucher durch die raumgreifenden Installationen hindurchschreiten. So weit wie möglich wollte Ackermann auf Absperrungen verzichten und Beuys´ Welt so zu einer sinnlichen wie konfrontativen Erfahrung machen.

Eine große Auswahl an Zeichnungen, dazu Skizzenbücher geben einen tiefen Einblick in den Kosmos Beuys: Gewitter, Vulkane, Frauenakte, und der Tod. Nicht die Dinge selbst, sondern ihren Resonanzraum, ihre Energiefelder erfasste der Zeichner Beuys.

Das umfangreiche Werk wird chronologisch in drei Sälen präsentiert, angefangen mit einem Torso noch in klassischer Bildhauer-Tradition und Zeichnungen, die die tiefe Lebenskrise des Künstlers in den 50er Jahren reflektieren. Fast alles hat bei Beuys eine Bedeutung: das fast beiläufig wirkenden Kreuz aus Rosenzweigen, das später halbierte Kreuz, Hase, Zwerg und der Hirsch, der sein Werk von den Zeichnungen bis zur 1000 Kilogramm schweren Bronze-Installation “Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch” durchzieht.

Ackermann räumt angesichts der Interpretationsmöglichkeiten des Beuysschen Kosmos, in dem alles mit allem zusammenhängt, ein: “Man kann nie alles wirklich verstehen.” Schon der Titel der Schau weist auf die vielen parallelen und sich überlagernden Themen bei Beuys hin. Im “Erweiterten Kunstbegriff” des bis heute umstrittenen Künstlers und Grünen-Mitbegründers verschmolzen politische und künstlerische Utopien zur Sicht auf die Gesellschaft als “soziale Plastik”.

In Filmen werden spektakuläre Performances, etwa die mehrtägige Begegnung des Professors mit einem Kojoten in einer New Yorker Galerie dokumentiert. Beuys war auch ein guter Schauspieler, er wusste sich in Szene zu setzen.

Die Schau zeugt auch von der “kreativen” Musealisierung der Werke von Beuys. Ackermann hat zu den großen Installationen wie der “Honigpumpe am Arbeitsplatz” oder “Das Rudel” akribisch Fotos früherer Ausstellungen studiert – nie sahen die Aufbauten gleich aus. Bei der “Honigpumpe” ging offensichtlich mit der Zeit sogar ein Stück Schlauch verloren.

Mit der Witwe des Künstlers, Eva Beuys, die streng über das Werk ihres Mannes und dessen Deutung wacht, gab es bei “Parallelprozesse” offensichtlich keine Probleme. Mehrmals beobachtete sie die Aufbauarbeiten und bescheinigte Ackermann am Ende einen “Sinn für Harmonie”.

Damit steht die Schau ganz im Gegensatz zur zeitgleich laufenden Ausstellung “Energieplan” in dem vom Streit mit Eva Beuys gebeutelten Schloss Moyland am Niederrhein. Am Mittwoch ging ein Urheberrechtsstreit zwischen Moyland und Eva Beuys im Landgericht Düsseldorf in eine neue Runde – und Moyland droht eine Niederlage. (dpa)

Moyland Joseph Rudel Leichenbahren-Installation Beuys

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K20 – Joseph Beuys – Coyote – Part 5

Franz Billmayer

Leben mit Beuys

“WAS WOLLT IHR mit Beuys? Das ist ein alter Faschist.” Sagte mein Lehrer Robert Jakobsen mit einer abwertenden Handbewegung, sobald wir auf Joseph Beuys zu sprechen kamen.

Das war in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Beuys war berühmt und in aller Munde. Man hatte ihn als Professor aus der Kunstakademie in Düsseldorf hinausgeworfen, weil er sich massiv für die Interessen der Studenten eingesetzt hatte. Eine ziemlich einmalige Aktion an deutschen Hochschulen. Joseph Beuys war eine feste Institution auf der documenta in Kassel. Joseph Beuys hatte eine »Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung« gegründet. Joseph Beuys diskutierte überall mit. Joseph Beuys setzte sich dabei immer für die Freiheit des Individuums und für die Entfaltung der Kreativität des einzelnen ein. Joseph Beuys hatte neue Materialien in die Kunst eingeführt. Joseph Beuys war eingestanden oder uneingestanden ein Vorbild, an ihm mußte man sich orientieren. Viele von uns Studenten arbeiteten mit Fundstücken, alten Jute-Säcken, gebrauchten Gegenständen etc. Wir glaubten an die Installation als raumbezogenes neues Ausdrucksmittel für die Plastik. Beuys beeinflußte unsere Arbeiten, er konnte keinen gleichgültig lassen.

Robert Jakobsen setzte ihn gleich mit Nazi-Künstlern.

Joseph Beuys trat mit Hut, Anglerweste und Blue Jeans auf. Er ähnelte eher einem Hippie als …, auf keinem Fall sah er aus wie ein alter Nazi. Er wirkte jung und sportlich.

Robert Jakobsen war Däne. Dänemark war von Deutschland überfallen worden. Die Dänen hatten unter dem Faschismus zu leiden. Robert Jakobsen war im antifaschistischen Widerstand.

Während der Studentenunruhen (die Kunstakademie war ein wichtiges Münchner Zentrum) hatte er mit den Studenten diskutiert und sich dabei große Autorität verschafft. Robert Jakobsen war ein überzeugter Demokrat, liberal und fortschrittlich. Robert Jakobsen hatte nie studiert. Robert Jakobsen war körperlich. Er war stolz auf seine Kraft, er schätzte gutes Essen. »Erfolg muß man essen!« sagte er. Sein Hintergrund war das Handwerk, die Materialgerechtigkeit. Sein Ziel die reine und freie Kunst in der Tradition der Konstruktivisten der zwanziger Jahre. Er hielt sich an die Maxime, daß Künstler nicht oder nicht viel über ihre eigene Arbeit reden sollten. Das Tun zählte mehr als langes und kompliziertes Räsonieren. Im Zweifelsfall hatten seine Arbeiten keine Titel. Er arbeitete in den siebziger Jahren mit Stahl, den er mit Kraft in abstrakte Skulpturen formte.

Joseph Demokrat Robert Jakobsen direkte Demokratie Blue Jeans

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