Heinrich Heine Preis 2012 Juergen Habermas Alexander Kluge Kultur Düsseldorf 3

Prof. Jürgen Habermas hat den Düsseldorfer Heine-Preis 2012 erhalten. Zur PK im Heine-Institut erschien er persönlich. Alexander Kluge hielt die Laudatio zur Verleihung. Jürgen Habermas bekam die Auszeichnung für sein Lebenswerk – u.a. zum ´Strukturwandel der Öffentlichkeit´. Die Jury sieht in ihm einen der weltweit bedeutendsten Denker der Gegenwart.

Fortsetzung des Gespräches mit Lothar Schröder / rp-online.de
Sie werden in Düsseldorf im Namen Heinrich Heines geehrt. Was bedeutet Ihnen sein Werk und sein Denken? Und was ist mit Heine und seiner Dichtung Neues in die Welt gekommen?

Habermas Nun, zunächst einmal liebe ich den ironisch gebrochenen romantischen Ton in Heines Liedern und Gedichten, vor allem in den späten “Lamentationen” aus der “Matratzengruft”. Jeder Leser macht die Erfahrung, dass ihn dieser Autor zunächst lockt, sich dem einschmeichelnden Sog des anrührenden Tones hinzugeben – aber dass er spätestens in der letzten Zeile den betörenden Bann bricht, um den fast schon gefangenen Leser vom Abgleiten ins Sentimentale abzuhalten. Aber Heine interessiert mich auch als Zeitgenosse. Er ist der erste große “Zeitschriftsteller” gewesen, einer der ersten Poeten, die im Zeitalter der entstehenden Massenpresse ein neues Zeitbewusstsein zum Ausdruck bringen. Für seine Schriftstellerei wird das historische Bewusstein, das mit der Französischen Revolution über die Schwelle getreten ist, zur bestimmenden Kraft. Was Heine vor allem auszeichnet, ist die einzigartige Verbindung des polemischen Bewusstseins eines politischen Schriftstellers mit dem Wahrheitspathos des empfindsamen Lyrikers. Das einfühlende lyrische Ich, das sich zum unbestechlichen Seismographen der eigenen Regungen macht, spielt auch dort, wo es zum Resonanzboden der Zeitgeschichte wird, den Gegenpart zum parteinehmenden Zeitgenossen.

Ihr Blick auf den “Zeitgenossen” Heine führt auch zu aktuellen Fragen. Sie erwähnen die Gedichte des späten, religiös gewordenen Heine – welche Bedeutung sollte denn heute noch die Religion beziehungsweise religiöses Denken haben?

Habermas Die Frage, welche Rolle die Religion haben “sollte”, müssen Kirchen und Religionsgemeinschaften beantworten. Aber solange diese tatsächlich eine vitale Rolle in der Öffentlichkeit spielen, müssen wir uns als Bürger Gedanken darüber machen, was der säkulare Staat von Religion und Kirche verlangen darf – und welchen Spielraum er ihnen auch im eigenen Interesse gewähren sollte. Wie die heikle, von einem Urteil des Kölner Landgerichts ausgelöste Debatte über die Beschneidung junger Muslime und Juden zeigt, rührt diese Frage nicht nur aufseiten der Betroffenen an Emotionen.

Manche Töne vonseiten der säkularen Beschneidungsgegner sind, wie mir scheint, eher symptomatisch für eine Verhärtung des vermeintlich aufgeklärten Bewusstseins. Als Philosoph vertrete auch ich selbstverständlich eine säkulare Position. Trotzdem muss ich mir über die Fülle der religiösen Gehalte und Motive Rechenschaft ablegen, die zwei Jahrtausende lang in die Arbeit und das Ergebnis der philosophischen Aufklärung eingeflossen sind. Niemand kann wissen, ob dieser für beide Seiten fruchtbare Aneignungsprozess, den wir bei Denkern wie Benjamin, Levinas oder Derrida beobachten, nicht fortgesetzt werden kann. Mangelnden Respekt vor diesem Menschheitserbe halte ich, solange es nicht für die Rechtfertigung religiöser Gewalt herhalten muss, für borniert.

Reicht es nicht, wenn alle Menschen sich so verhalten würden, “als gäbe es Gott”, wie es damals Kardinal Ratzinger formulierte?

Habermas Lassen wir mal dahingestellt, ob der Papst mit dieser Maxime zufrieden sein kann. Tatsächlich trifft der “Als ob”-Charakter der Unterstellung, es gäbe einen persönlichen Gott, der uns am Jüngsten Gericht zur Rechenschaft zieht, ziemlich genau den Vorgang, der sich im öffentlichen Bewusstsein der weitgehend säkularisierten Gesellschaften Europas, Australiens und Kanadas vollzogen hat. Der “Gottesstandpunkt”, von dem aus wir uns selbstkritisch und mit schlechtem Gewissen über die Schultern schauen, ist ja in der postreligiösen Gestalt des “moralischen Standpunktes” längst aus der Transzendenz in unsere Alltagswelt herabgeholt worden. Jeder unter halbwegs normalen Umständen Heranwachsende lernt, was es heißt, etwas unter dem moralischen Gesichtspunkt zu betrachten. Dann wissen wir wenigstens, was wir anderen unter allen Umständen schuldig sind, auch wenn es schwerfallen mag, entsprechend zu handeln.

In Zeiten, wo die wirtschaftlichen Imperative von Nutzenmaximierung und Leistungssteigerung bis in die Kinderstube vordringen und die halbe Lebenswelt kolonialisieren, geraten moralische Forderungen schon als solche in den Verdacht eines unpassenden Idealismus. Das Defizit liegt vielleicht woanders. Wir mögen ja, jeder für sich, hochmoralische Wesen sein. Aber wie steht es mit dem kollektiven Handeln, dem gemeinsamen Engagement für die Abschaffung der Zustände, die zum Himmel schreien? Was schwindet, sind die Motive der Solidarität, von denen immer wieder soziale Bewegungen gezehrt haben.

Gerade beim Thema der Embryonenforschung stehen Sie mit Ihren Bedenken an der Seite der katholischen Kirche. Auch wenn Sie sich als “religiös unmusikalischen” Menschen bezeichnen, ist es dennoch möglich, sich insbesondere in Fragen unseres Menschenbildes auch auf die Institution Kirche als eine Art ethischen Bündnispartner einzulassen?

Habermas Das finde ich, offengestanden, eine kuriose Betrachtungsweise: Die katholische Kirche ist natürlich auch eine politisch handlungsfähige Organisation, die mit anderen Mächten dieser Welt Koalitionen schließen kann. Aber ich bin weder koalitionsfähig noch bereit, mich für politische Bündnisse instrumentalisieren zu lassen. Mit der Glaubwürdigkeit, genau das und nur das zu meinen, was man sagt, würde ich das einzige Kapital verspielen, mit dem ungebetene öffentliche Stellungnahmen ausgestattet sind.

Hatten Sie nach ihrer vielbeachteten Begegnung mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger 2004 in München noch Kontakt mit ihm?

Habermas Nein.

Welche Bedeutung hat Ihrer Einschätzung nach Philosophie heute noch abseits des wissenschaftlichen Diskurses? Gibt es eine Rückkopplung des philosophischen Denkens zur alltäglichen Wirklichkeit – abseits von TV-Sendungen mit pseudophilosophischem Anstrich?

Habermas Philosophen sollten öfter in öffentliche Debatten eingreifen, vor allem, wenn es um normative Fragen geht. Sie haben eben das Beispiel der Bioethik erwähnt. Philosophen haben gelernt, wie man gute von schlechten Argumenten unterscheidet und wie man Begriffe klärt. Weil sie zwischen den Expertenkulturen und der Lebenswelt hin- und hergehen, können sie auch etwas Substantielles zum Selbstverständnis moderner Gesellschaften beitragen. Aber den Schlüssel zum Sinn des Lebens halten sie nicht mehr in der Hand. Sie sind keine Gurus und bilden für religiöse Heilswege keine Konkurrenz. Sie zeigen bestenfalls, wie man über existentielle Fragen des eigenen oder des kollektiven Lebens vernünftig reden kann. Kurzum, Philosophen besitzen kein Weltanschauungswissen; sie verwalten auch kein “wissenschaftliches Weltbild”, wie einige meiner Kollegen immer noch meinen.

Muss sich philosophisches Denken nicht wieder stärker dem Gedanken und gesellschaftspolitischen Großprojekt Europa widmen? Sollte den Menschen gezeigt werden, dass Europa mehr ist als eine permanente Rettung des Euro?

Habermas Philosophen könnten beispielsweise besser als andere den Begriff der Solidarität klären und von einem moralisch begründeten Altruismus unterscheiden. Die Euro-Krise schürt heute nationale Egoismen, weil die Bilder auseinanderdriften, die die Nordländer und die Südländer in ihren nationalen Öffentlichkeiten jeweils voneinander entwerfen. Die Bilder werden zu Karikaturen, weil sie von falschen moralischen Erwartungen geprägt sind. Im Augenblick nähert sich die Krise der Schwelle, an der beispielsweise die deutsche Regierung ihren Wählern nicht länger verheimlichen kann, dass die Rettung der gemeinsamen Währung, und damit des europäischen Projektes insgesamt, mehr verlangt als nur Kreditzusagen für die einen und Sparauflagen für die anderen. Heute erzwingt die List der ökonomischen Vernunft, was Europafreunde bisher aus politischen und historischen Gründen gewollt, aber nicht geschafft haben – eine stärkere politische Integration, die auch für die teilweise Vergemeinschaftung der Schulden eine Basis bieten würde.

Trotzdem schenken die Regierungen den eigenen Bürgern keinen reinen Wein ein, weil sie ihnen das erforderliche Maß an Solidarität mit den anderen Nationen der Währungsgemeinschaft nicht zutrauen. Ich halte das für eine Unterforderung. Denn Solidarität heißt nicht Selbstlosigkeit. Sie ist etwas anderes als die Bereitschaft zu der Art von altruistischen Opfern, zu der wir uns in manchen Fällen moralisch verpflichtet fühlen. Die moralisch begründeten Erwartungen eines anderen sollen wir nämlich unbedingt, also ganz unabhängig davon erfüllen, ob sich dieser wiederum in ähnlichen Situationen auch uns gegenüber so verhalten wird. Das ist jedoch eine Voraussetzung für solidarisches Verhalten. Der eine steht für den anderen ein im Vertrauen darauf, dass der andere in Zukunft dasselbe auch für ihn tun wird. Diese Art von Vertrauen auf Reziprozität innerhalb überschaubarer Zeiträume bildet sich unter denen heraus, die längerfristig ein gemeinsames Schicksal erwarten und die deshalb genötigt sind, eine gemeinsame Perspektive einzunehmen. Und ist nicht genau diese Lage in Europa als eine Folge der gemeinsamen Währung entstanden?

Lothar Schröder führte das Gespräch.

http://www.rp-online.de/kultur/vom-schwinden-der-solidaritaet-1.3101079

Jürgen Habermas und Heinrich Heine mit dem Heine-Preis

One Screen App:


Scroll Screen App:

Heinrich Heine Preis 2012 Juergen Habermas Alexander Kluge Kultur Düsseldorf 2

Prof. Jürgen Habermas hat den Düsseldorfer Heine-Preis 2012 erhalten. Zur PK im Heine-Institut erschien er persönlich. Alexander Kluge hielt die Laudatio zur Verleihung. Jürgen Habermas bekam die Auszeichnung für sein Lebenswerk – u.a. zum ´Strukturwandel der Öffentlichkeit´. Die Jury sieht in ihm einen der weltweit bedeutendsten Denker der Gegenwart.

Eigentlich wollte Jürgen Habermas, der Freitag mit dem Heine-Preis der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet wird, gar nichts sagen: „Ich spreche doch am Freitag.“ Und überhaupt: „Zu Pressekonferenzen muss man mich tragen.“ Aber falls jemand eine Frage habe. . . Nun, natürlich gibt es etwas zu fragen, wenn man einen der „weltweit bedeutendsten Denker der Gegenwart“ (aus der Begründung der Heine-Preis-Jury) vor sich hat.
Zum Warmwerden eignet sich da prima Düsseldorf, die Geburtsstadt von Heine und Habermas, auch wenn der Philosoph der „Frankfurter Schule“ in Gummersbach aufwuchs: „Ich erinnere mich, wie ich als Junge am Gallberg gespielt habe, als ich bei den Großeltern in Gerresheim wohnte oder wie ich später vom Schwanenspiegel zum Schauspielhaus gelaufen bin.“
Durch den Aufklärer Heine ist die Demokratie normativ verankert
Der weltweit geachtete Philosoph und Soziologe, dessen Werke in 30 Sprachen übersetzt werden, ist der erste Düsseldorfer unter den Heine-Preisträgern (siehe Kasten). Wahrhaftig gab es kaum eine naheliegendere Wahl, denn wenn jemand unübersehbar in der geistigen Tradition der freiheitlichen Ideen Heines steht, dann Jürgen Habermas.
Der 83-Jährige, schlank, groß, spricht immer noch druckreif, auch lange, verschachtelte Sätze führt er stets erfolgreich und klar ins Ziel. Dabei wirkt er uneitel, fast nie belehrend.
Verve und Leidenschaft freilich hat er nicht verloren. Als er über Heinrich Heine spricht, wird deutlich, dass ihm, dem so oft Ausgezeichneten, diese Ehrung wirklich etwas bedeutet. Die demokratische Staatsform sei in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg „normativ verankert“ gewesen, weil sie Erbe der Aufklärung gewesen sei. Habermas: „Außer Lessing oder Kant hat niemand so sehr diesem Selbstverständnis und dieser politischen Mentalität in Deutschland Vorschub geleistet wie Heine.“ Und man traue seinen Augen nicht, wie viel europäisches Bewusstsein sich zeige, wenn man Heines Werke der 1830er-Jahre lese, staunt der intellektuelle Vorkämpfer der Gegenwart für ein einiges Europa.

Während sich sein Lehrer Theodor Adorno noch despektierlich über den populären Heine der „Loreley“ äußerte, sagt Habermas, wie wichtig etwa das frühe „Buch der Lieder“ für deutsche Emigranten in Amerika als Band zur Heimat war. Und dann dankt er sehr herzlich einer Dame, die berichtet, wie sie sich für den Erhalt des ersten, um 1900 errichteten Heine-Denkmals in der New Yorker Bronx engagiert.

Das Talent, sich über Politik so richtig aufzuregen, hat er nicht verloren
Als er gefragt wird, welche Zeit in seinem Leben die bewegendste, aufregendste gewesen sei, da zögert Habermas. Er möchte noch nicht öffentlich auf sein Dasein zurückblicken, auch wenn er dann die Frankfurter Zeit von 1956 bis 71 nennt („intellektuell enorm beschleunigte Jahre“). Die individuelle Lebensgeschichte bestehe aus Abschnitten des geistigen Ein- und des Ausatmens – „und die 60er-Jahre waren eine Zeit der Aufnahme“. Vor allem jedoch habe er damals das Talent entwickelt, sich über politische Dinge so richtig aufzuregen: „Und dazu hatte ich auch später noch Gelegenheiten genug.“

Preisträger: Jürgen Habermas, 1929 geboren in Düsseldorf, begann seine akademische Karriere 1961 als Philosophie-Professor in Heidelberg. 1964 wurde er Nachfolger von Max Horkheimer an der Uni Frankfurt. Seine wichtigsten Werke sind die „Theorie des kommunikativen Handelns“ und „Faktizität und Geltung“.

Preis: Die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung bekamen u.a. Carl Zuckmayer, Max Frisch, Wolf Biermann, Enzensberger, Amos Oz

http://www.wz-newsline.de/home/kultur/heine-preis-zwei-geistige-anker-europas-1.1179581

Jürgen Habermas mit Heine-Preis als Philosoph und Soziologe

One Screen App:


Scroll Screen App:

Heinrich Heine Preis 2012 Juergen Habermas Alexander Kluge Kultur Düsseldorf 1

Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas hat den Düsseldorfer Heine-Preis 2012 erhalten – Kultur Düsseldorf. Die Laudatio zur Verleihung hielt Alexander Kluge. Jürgen Habermas bekam die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Die Jury sieht in ihm einen der weltweit bedeutendsten Denker der Gegenwart.

In der PK (im Heine-Institut), die charmant von Natalia Fedossenko, Pressesprecherin der Stadt Düsseldorf, moderiert wurde, äußerte sich Jürgen Habermas als auch Alexander Kluge u.a. zur aktuellen Situation des Suhrkamp Verlages. Als Einführung zur Veranstaltung benannte Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent, die Verleihungs-Kriterien der Heine-Preis-Jury. Eingangs verwies Habermas auf seine Ehefrau, die ja “echte Düsseldorferin ist”, obwohl er der überzeugtere Lokalpatriot wäre. Alexander Kluge umriß in erzählerischer aber doch klarer Manier die Kernpunkte seiner Laudatio – u.a. verwies er auf die Schwierigkeit, die ein Author und/oder Filmemacher hätte, das umfassende Lebenswerk Jürgen Haberms´ zu erfassen und zu kommentieren. Im Mittelpunkt seiner Laudatio stände die Gegenüberstellung zweier ´Schwergewichte´ – Heine und Habermas, die zum einen in der Person und Ausstrahlung zwar gegensätzlich zum anderen in der inhaltlichen Vision doch sehr ähnlich seien.

In der PK kam auch das Phänomen der enorm beschleunigten Welt zur Sprache (u.a. Rossini´s schnelle tempi, ´… diese Zeit hat es in sich – sie geht wie eine Explosion vor sich …´, ´… und dabei ruhig bleiben …´, ´… hier wirke Habermas wie ein Anker …´), für die Alexander Kluge rechtfertigende Ableitungen vorbrachte und Habermas etwas düster drein schaute.

Der Heinrich-Heine-Preisträger Jürgen Habermas sprach mit der Redaktion der rp-online über die Macht der Philosophen, die Zukunft Europas und den Wert des Glaubens
Er gilt als einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart: Jürgen Habermas (83). Am Freitag wird ihm in Düsseldorf der renommierte und mit 50.000 Euro dotierte Heinrich-Heine-Preis verliehen.
Zu Ihrem 80. Geburtstag fiel das Schlagwort von der “Weltmacht Habermas”. Stört Sie so etwas?
Habermas Das war ein schlechter Scherz. Mit ihren öffentlichen Stellungnahmen können Intellektuelle im besten Fall einen gewissen Einfluss ausüben. Macht haben sie nicht. Macht ist an Positionen gebunden, aufgrund deren man einen kompakten Willen gegen andere durchsetzen kann. Hingegen hängt der diffuse Einfluss von Intellektuellen nicht von einer Ermächtigung ab, sondern von der Überzeugungskraft ihrer Worte und auch von der Ausstrahlungskraft der Medien, über die sich die Worte verbreiten. Da ich mich beispielsweise nur in Zeitungen äußere, ist mein Einfluss schon aus diesem Grunde begrenzt.
Gerade musste die “Frankfurter Rundschau” Insolvenz anmelden; von einer solchen Zeitung kann sich die Internet-Generation gar nicht mehr vorstellen, dass sie einmal eines der wichtigsten meinungsbildenden Organe gewesen ist. Ihre Frage erinnert mich übrigens an einen Vortrag, den ich 1986 hier in Düsseldorf über “Heinrich Heine und die Rolle des Intellektuellen in Deutschland” gehalten habe. Heine ist noch nicht in den Genuss einer demokratischen Öffentlichkeit gekommen; er musste noch für die Durchsetzung von Pressefreiheit und gleichem Wahlrecht kämpfen. Aber aus der Emigration heraus ist er zum Prototyp des allgemeinen, vor allem von Schriftstellern verkörperten Intellektuellen geworden. Dieser Typ hat sich in Frankreich spätestens Ende des 19. Jahrhunderts mit der Dreyfus-Affäre durchgesetzt. In Deutschland haben sich erst nach 1945 engagierte Schriftsteller wie Heinrich Böll und Günter Grass mit dieser Rolle identifiziert.

Lothar Schröder führte das Gespräch.

http://www.rp-online.de/kultur/vom-schwinden-der-solidaritaet-1.3101079

Heinrich Heine Preis für Jürgen Habermas – mit Alexander Kluge

One Screen App:


Scroll Screen App:

Alexander Kluge von der Frankfurter Schule mit Heinrich Heine

Kultur Düsseldorf mit Heinrich Böll, Hans-Georg Lohe und Heine

Wissenschaftliches Weltbild von Alexander Kluge und Lothar Schröder

Heinrich Heine Preis 2012 Juergen Habermas Alexander Kluge Kultur Düsseldorf

Announcement-Trailer: Den Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhielt 2012 der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas für sein Lebenswerk. Als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen der Gegenwart, rügte Jürgen Habermas auch in seiner Dankesrede den “Kleinmut” der heutigen Gesellschaft. Die Laudatio hielt Alexander Kluge.
[full versions ./. parts in kw 51 2012]

Sie begreife die Zukunft nicht mehr als Herausforderung, auf die man Antworten finden müsse, sondern nehme sie als alternativlos hin, sagte er. Dass es keine Alternativen gebe, schärfe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Bürgern ein.

Die Jury sieht in dem 83-jährigen Habermas einen der weltweit bedeutendsten Denker unserer Zeit. Habermas setze sich unermüdlich für ein demokratisch verfasstes Deutschland ein und trage zu den gesellschaftspolitischen Debatten Europas bei, heißt es in der Begründung.

In seiner Rede warf Habermas die Frage auf, was uns der Schriftsteller Heinrich Heine (1797-1856) heute noch sage. Heine sei durch die Umbrüche nach der Französischen Revolution geprägt gewesen. Mit seinen Gedichten habe er sich immer wieder in politische Debatten eingemischt. “Was uns von Heine unterscheidet, ist Kleinmut”, sagte Habermas.

http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/kultur/juergen-habermas-mit-heine-preis-ausgezeichnet-1.3106374

Der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf ist ein zu Ehren von Heinrich Heine verliehener Kulturpreis. Er wurde von der Stadt Düsseldorf anlässlich des 175. Geburtstags Heines gestiftet. Die Auszeichnung wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Heine-Preis_%28Stadt_D%C3%BCsseldorf%29

Alexander Kluge und Jürgen Habermas – der Heinrich Heine Preis

One Screen App:


Scroll Screen App: