JeruVille – Markenleuchten 1

Ein Städtebau-Integrationsmodell

Projektleitung: ?Nina Rehberg
Regie/Konzept?: Petra Lammers
Künstlerische und organisatorische Mitarbeit:? Saskia Vollmer
Teilnehmer des Projekts: ?Kinder und Jugendliche der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Jugendliche des Jugendmigrationsdienstes und Jugendliche aus dem Jugendtheaterclub des Düsseldorfer Schauspielhauses, sowie Jugendliche aus Düsseldorf, d.h. ca. 30-40 Jugendliche aus sozial, kulturell und religiös unterschiedlichen Kreisen.

?Der Name “JeruVille” setzt sich zusammen aus der ersten Silbe von “Jerusalem”, da auch JeruVille eine Stadt ist, in der die drei grossen monotheistischen Religionen aufeinander treffen und es ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Hintergründe darstellt wo die Frage nach Heimat und Identität prägend ist, und dem französischen “Ville” wie “Stadt”. Ausserdem kam die Inspiration für den Namen unter anderem durch Lars von Triers Film “DogVille”, eine in Bodenmarkierungen zitierte Stadt, in der es um die Härte des miteinander Lebens geht.

JeruVille und Petra Lammers – jüdische Gemeinde Düsseldorf

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JeruVille – Markenleuchten Interview 2

JERUVILLE ?ist eine begehbare Containerstadt in der – einer Gesamt–dramaturgie folgend – Darsteller relevante Themen durch parallel spielende Szenen darstellen. ?Aus dem Zusammenspiel entsteht ein Gefüge – eine Geschichte, eine Collage in einer begehbaren Containerstadt.

regel nummer 1
?Container – die Konzeption und erste Aufführung muss in Lager-, Fracht- oder Baucontainern stattfinden. (Fracht, Vereinzelung, geheime Grenzüberschreitung, Bürokratie, Wohnungen, Wirtschaft, Transport, Globalisierung, Versteck, Mafia, konkret, Setzkasten etc.) Für Gastspiele können auch alternative Lösungen gefunden werden. Wichtig ist, dass die Idee von Bausteinen gedacht bleibt.

regel nummer 2?
Stadtdramaturgie – die Container müssen so angeordnet sein, dass sie eine Art „Stadt“ bilden und somit der Aufführungsort begehbar ist. Handlungen spielen parallel, so dass jeder Zuschauer ein individuelles Erlebnis hat. Jeder Zuschauer hat die Eigenverantwortung bzw. -bestimmung, zu entscheiden, was er sehen will.

(regel nummer 3
?Konzept und Stückentwicklung auf lokalem Boden mit Lokaltalenten und lokalen Besonderheiten.)

regel nummer 4
?Inhalt / Themen „von der Strasse“ – aktuell, politisch relevant, zeitgeist, lebensnah

regel nummer 5
?Textgenerierung komplett oder teilweise aus Interviews in Zusammenarbeit mit Autoren oder Dramaturgen

regel numer 6?
Zusammenarbeit mit themenrelevanten Partnern (sozial, wissenschaftlich, wirtschaftlich, kulturell)

regel nummer 7
?Spielort ist ein öffentlicher Platz mit öffentlichen Proben, der Prozess sollte möglichst sichtbar gemacht werden (übers Netz, öffentliche Proben etc.)

regel nummer 8
?Schauspieler/Darsteller sind ihre eigenen Probanden bzw. in Auseinandersetzung mit Anderen durch authentisches Spiel. [Die Texte müssen immer gespielt werden von denen, die auch die Interviews gemacht haben, dh wenn Schauspieler spielen sollen, müssen sie entweder die Interviews selber geben, oder bei den Interviews dabei sein und die anderen Figuren/Probanden dann nacherzählen / nachspielen. Das Spiel muss immer klar und konkret von demjenigen kommen, den das Publikum spielen sieht.

begehbare Containerstadt – Schauspieler mit Eigenverantwortung

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JeruVille – Markenleuchten Interview 1

ZEITPLAN UND LOGISTIK
Alle Teile des Projektes sind geplant von Januar bis Juni 2009, wobei die Arbeit in den Containern ab Anfang/Mitte Mai 2009 geplant ist, mit einem Abschlussfestival im Juni 2009 – Premiere am 18. Juni!

Der Vorbereitungs- Schaffens- und Auseinandersetzungsprozess wird in Räumen des Jugendamtes (Zett), der jüdischen Gemeinde und des Düsseldorfer Schauspielhauses zwei mal wöchentlich stattfinden und zum einen aus Gesprächen/Interviews unter den Jugendlichen angeleitet durch konkrete Fragestellungen, zum anderen aus (u.U. auch öffentlichen) Gesprächen mit Städteplanern, Architekten, religiösen Leitfiguren, Künstlern etc., Theater-, Film- und Museumsbesuchen, wie aber auch Sprach-, Bewegungs- und Schauspieltraining und szenischen Experimenten bestehen.
Der Prozess soll durchgehend von Kamera- und Tonaufnahmen begleitet und dokumentiert werden, was einerseits die Materialsammlung für spätere Szenen darstellt und andererseits die Basis für eine filmische Dokumentation bilden soll.

Düsseldorfer Schauspielhaus jüdische Gemeinde

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JeruVille – Markenleuchten 3

HINTERGRUND DES PROJEKTES
?In Düsseldorf leben inzwischen bis zu 40% Menschen mit Migrations- und mit teilweise mehrfachem Integrationshintergrund. Der Ausländeranteil beträgt 16%. Unsere bisherigen Arbeiten mit Jugendlichen in Düsseldorf, wie auch die Arbeit mit Jugendlichen der jüdischen Gemeinde, haben uns gezeigt, dass diese Generation zwischen 15 und 22 in einem sehr veränderten, internationalen, kulturell vermischten Umfeld aufwächst (und dazu natürlich auch noch mit Globalisierung, Technologisierung etc. umgehen muss) und damit mit sehr veränderten Fragen, Hintergründen, Offenheiten und Informationen lebt. Diese gilt es installativ und performativ darzustellen.

DIE JUGENDLICHEN?
Wir arbeiten mit unterschiedlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, verschiedenen Alters, unterschiedlicher sozialer Herkunft. Mazedonisch-muslimischer Roma trifft auf Montessori-Gymnasium/christlich-deutsche-Schauspielertochter, trifft auf jüdischen Breakdancer, trifft auf Mädchen in vierter Ersatzfamilie, trifft auf Musiker, trifft auf serbischen Hip-Hopper, italienische Ballerina, russische Prinzessin, trifft auf Hochthal, Eller, Hellerhof, Bilk etc.
Gerade weil die Jugendlichen so unterschiedliche soziale und kulturelle Hintergründe haben, offenbart die Arbeit immer wieder Konflikte und Reibungspunkte, die neue Begegnungen und immer weiter spannende Auseinandersetzungen schaffen. Die Jugendlichen müssen sich innerhalb einer unkonventionellen Gruppe behaupten, die in ihrer Zusammensetzung inzwischen typisch für das tägliche Stadtbild ist. Es ist ein aktives Begegnen von Vorurteilen, und ein Aufbau einer eigentümlichen, neuen Gruppendynamik, indem sie sich kennen und schätzen lernen, voneinander lernen und sich austauschen. Ohne die eigenen Bezugsgruppen zu verlassen, wird der Fokus geöffnet, die Abgrenzung aufgelöst, ein Verstehen setzt ein, ein gemeinsames Bild entsteht. Spielerisch.

AUSGANGSFRAGEN
Zunächst die Frage nach der Integration. Wie setzt sich diese junge Generation zusammen, wie funktioniert Kommunikation und Begegnung? Wieviel deutsch muss man sein, um Deutscher zu sein – oder geht es inzwischen um das Finden einer viel internationaleren und flexibleren Gruppendynamik/Kultur? Stellt die Herkunft der Jugendlichen und ihre religiösen Wurzeln in irgendeiner Hinsicht ein Hindernis bzw. Unterscheidung dar? Wie unterscheidet sich das, was sie glauben von anderen (anders religiösen oder anders kulturellen) Jugendlichen? Spielt Religion tatsächlich eine Rolle und nimmt sie Einfluss auf ihr Leben oder ist es eher ein kulturell-politischer Hintergrund, der Ansichten und Vorurteile prägt? Und inwieweit spürt man das Fremdsein auch unter scheinbar Gleichen?
Dann die Frage nach der Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit der Kinder- und Jugendlichen. Die Problematik der Jugendgewalt, Vernachlässigung und Zukunftsangst tritt uns unentwegt in den Medien vor die Augen, es scheint als bliebe immer weniger Zeit für die Kinder und als müssten sie ihre Probleme schon früh alleine lösen. Ist der völlige Entzug einer erwachsenen Autoritätsperson spürbar? Wünscht man sich an bestimmter Stelle einen Rat von dieser Person? Die Frage ist natürlich spannend, ob die Kinder- und Jugendlichen für einander da sein können in einem so komplexen Gebilde. Wer überträgt wem Verantwortung, wie reagiert man bei Überforderung? Was passiert, wenn man sich die Frage stellen muss: Was ist gut für mich? Aber was ist gut für diese Stadt/für die Gemeinschaft? Braucht man Regeln? Gesetze? Wie hält man sie ein?
Besonders spannend wird bei dem Projekt sicherlich zu beobachten sein, wie man mit der Tatsache “Mangel” umgeht, und ob dieser überhaupt eine maßgebliche Rolle spielt. Worauf beruft man sich, wenn nichts da ist, wie weiß man sich zu helfen? Und nicht zuletzt bleibt auch die Frage spannend: Wie platzieren sie diese Stadt? Welche Struktur erhält sie? Was wird wirklich benötigt? Bleibt es eine Festung, ein Schutzraum (wenn es denn ein Schutzraum ist), in den man sich verschließt (gerade in Hinblick auf die Religiösität und die kulturelle Herkunft spannend)oder wie öffnet man diesen Raum. Wie wird er für andere zugänglich und wenn ja, für wen?
Die Interviews/Gespräche wie auch die szenischen Versuche zielen auf eben diese Fragen ab. Man nähert sich zunächst über die städtebauliche Struktur an: Was braucht man überhaupt? Welche Gebäude? Räume für Gemeinschaft? Wohnungen? Strassen? Wege? Einrichtungen? Wie kann die kreative Raumgestaltung aussehen?
Um dann in die Situation zu gehen:
Wie entstehen Vorurteile??Gelingt das Einleben leicht??Wie entsteht Gruppendynamik, und von wem geht sie aus??Wie geht man mit Verantwortung um??Gibt es Verpflichtungen und wie geht man damit um??Ist Herkunft wichtig in dieser Stadt??Ist Glauben wichtig in dieser Stadt??Muss man bestimmten Regeln folgen??Was bedeutet Zeit (Stunden/Tage/Monate)??Gibt es Kultur (Sport, Freizeitmöglichkeiten, Theater, Kino, Bücher)??Braucht man verschiedene Gotteshäuser??Was nimmt man von ?Außen” mit, weil man daran gewöhnt ist, weil ein Leben ohne das nicht denkbar ist.?Schafft man tatsächlich den Schritt zu einem unabhängigen Raum??Wo unterscheidet oder ähnelt er sich im Vergleich zu unserem heutigen gesellschaftlichen Konstrukt?

Düsseldorf kulturelle Hintergründe Problematik der Jugendgewalt

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JeruVille – Markenleuchten 2

DAS PROJEKT:
JeruVille?Die Idee ist mit 30-40 Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft und religiösem und sozialem Hintergrund auf einem öffentlichen Platz, dem Gustaf-Gründgens-Platz, aus 16 Containern eine “Stadt” zu gestalten.
Über Interviews und Gespräche soll zuerst die Anordnung und Gestaltung der Container erarbeitet werden, wobei es hierbei nicht um einen realistischen Nachbau einer tatsächlichen Stadt geht, sondern darum, mit allen Freiheiten ein Bild der Realitäten, Bedürfnisse und Interessen dieser jungen Generation künstlerisch abzubilden. Die Anordnung der Container, wie auch die Ausstattung sowohl inhaltlich als auch künstlerisch, übernehmen die Jugendlichen unter professioneller Anleitung des Teams. In diesem Prozess führt das Team die Jugendlichen mit Fragen entlang der Stadtentwicklung (s.u.) und versucht durch künstlerische Anregungen (Ausstellungen, Filme, Texte, Theaterstücke etc.) die Phantasie der Jugendlichen zu ergründen und anzuregen.
In einem zweiten Schritt werden wir Szenen für ein “Leben in der Stadt” improvisieren wie auch über Interviews Textmaterial generieren und daraus Szenen erarbeiten.
Geplant ist dann als weiterer Schritt, die 16 Container für zwei Monate auf den Gustaf-Gründgens-Platz zu stellen (vor dem Schauspielhaus), so dass in dieser Zeit ein Entstehen der “Stadt” öffentlich passiert und beobachtet werden kann. Diese Phase beinhaltet natürlich einerseits die konkrete künstlerische Gestaltung der “Stadt” und Räume, wie aber auch ein Proben Vorort.
Am Ende wollen wir die “Stadt” zwei Wochen lang in einem Festival mir einer Art begehbarem Theaterabend aufleben lassen. Das Publikum kann sich für mehrere Stunden in der Stadt aufhalten und überall verteilt Szenen, “Stadtleben” und Ausstattung der Stadt erleben. Ziel ist es, innerhalb des Festivals die “JeruVille” zu beleben und damit das Lebenskonzept dieser jungen Generation vorzustellen.

JeruVille Container Leben in der Stadt Szene künstlerisch

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Container Interview bei Jeruville – Proband Probe und Darsteller

filmische Dokumentation JeruVille Interview Juni Düsseldorfer

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Schmelztiegel Düsseldorf zur monotheistischen Religion DogVille