Andreas Techler – Eine Frage der Mentalitaet Pland Produzentengalerie Kunst Duesseldorf

Andreas Techler stellt unter dem Motto ´Eine Frage der Mentalitaet´ | in der Produzentengalerie Plan.d Kunst in Duesseldorf aus.

Eine Frage der Mentalitaet
Andreas Techler verwandelt den Keller der Galerie Plan D in einen Bunker.
Eine mehr als meterdicke Säule aus Natursteinimitat stützt das Tonnengewölbe ab, und ein verstrebtes Trageelement schützt den vermeintlichen Notausgang.

A question of mentality
Andreas Techler, born 1951, transforms the basement of plan.d. gallery into an air raid shelter.
A column, more than a meter wide, of imitation rock masonry supports the barrel vault, and a girder protects the alleged emergency exit.

Une question de mentalité
Andreas Techler, né 1951, transforme la cave de la galérie plan.d. à un abri antiaérien.
Une colonne de plus qu´un mètre de largeur de pierres d´imitation supporte la vaute en berceau, et un poutrelle protège la sortie de secours putative.

Andreas Techler | Natursteinimitat | Bunker der Künstler

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GLANZ & GLORIA
THESEN ZUM SCHMUTZ IN DER KUNST VON ANDREAS TECHLER

1. DRECK und SCHMUTZ sind unvermeidliche (?), negativ bewertete bestandteile der zivilisation. je mehr dreck und schmutz produziert wird, desto energischer werden sie aus dem bewusstsein verdrängt. die aufmerksamkeit konzentriert sich darauf, den dreck unbemerkt verschwinden zu lassen, ihn den blicken zu entziehen und gleichzeitig fassadenhaft eine welt der funkelnden, nach frische duftenden reinlichkeit aufzubauen. dreck ist GEHEIM, das bestreben nach sauberkeit steigert sich mit dem produzierten dreck und jede anstrengung nach (oberflächlicher) reinlichkeit bewirkt verschmutzung:je seifenreiner der mensch und seine sichtbare welt, desto verunreinigter die gewässer/das trinkwasser. dreck verschwindet nicht, er verlagert sich bloß. zu spüren ist in diesem zusammenhang die zwangsneurotische tendenz der schmutz-bewältigung.
2. dreck und schmutz sind ausgesprochen KÖRPERNAHE MATERIALIEN. ihre affinität zu den körperausscheidungen und zur sexualität ergibt sich auch aus dem sprachlichen gebrauch: als synonyme für kot und unanständigkeit. die negative bewertung des drecks bewirkt die unzureichende art seiner behandlung, resp. entsorgung. eine umbewertung dessen, was auf dem müll der zivilisation landet, deutet sich im RECYCLING an, wodurch dem abfallprodukt eine verwertbare dimension zugebilligt wird. doch das genügt nicht . die minderbewertung äussert sich noch immer in der preisstruktur des produkts dreck, resp. der durch verschmutzung verursachten schädigungen.
3. WERBUGNG wirbt nicht für produkte, sie ist die plattform des zeitgenössischen welt-entwurfs. das schillernde, saubere, frische, junge, unverbrauchte, unberührte, glänzende, strahlende der werbung täuscht über die “wahre” ware, über den grad der verschmutzung durch das produkt oder dessen herstellung hinweg. werbung entwirft eine welt der SAUBERKEIT, REINHEIT und MAKELLOSIGKEIT, und befriedigt das offensichtlich wichtig gewordene bedürfnis danach. sauberkeit, reinheit, makellosigkeit sind positive (gesellschafts)werte. sie beziehen sich sozusagen auf den “künstlichen” menschen, der nicht scheisst, nicht schwitzt, kein sperma verspritzt. reinheit ist unbeflecktheit und wird mit dem produkt, mit seiner glatten, polierten oberfläche erworben. reinheit ist der eigentlich angestrebte besitz, der sich im ewig jugendlichen, unberührbaren körper der frau spiegelt.
4. mit der reinheit wird die körperlichkeit aufgegeben. reinheit bezieht sich dann auf das geistige, auf den “sauberen” gedanken, das reine gewissen (protestantismus), auf den ZUSTAND DER KÖRPERLOSIGKEIT. der zivilisierte mensch reduziert und eleminiert seine körperlichkeit durch die freiwillig gewählte IMMOBILISIERUNG seiner selbst. bewegungsabläufe werden durch maschinen ersetzt (elektrische zahn-bürsten, rasierapparate, haushaltsgeräte), auf geh- und bewegungshilfen in form von luxuriösen, überdimensionierten PROTHESEN wird kaum mehr verzichtet (autos, rolltreppen, aufzüge), intensive körperzustände werden möglichst unterbunden (klimaanlage, deodorant). die angestrebte immobilität des körpers wird kompensatorisch durch die MOBILITÄT der prothesen ausgeglichen (tourismus). es ensteht der trügerische eindruck, der moderne mensch wäre mobiler, agiler, beweglicher. der verlust seiner körperlichkeit wird noch auf andere weise wett gemacht: durch BODY-BUILDING. der ausdruck ist präzise: ein ersatz-körper wird maschinell gebildet.
5. in der kunst ist ein ähnlicher hang zur reinheit bis hin zur sterilität zu verzeichnen. arbeiten die künstler der ART POVERA, der POP ART, der FLUXUSbewegung noch mit “armen”, vorgefunden, körpernahen und lebendigen materialien (rauschenberg/beuys), zelebrierten die vertreter der MINIMAL ART die perfekte reinheit durch kunst als industrie-produkt (judd/flavin). die kühle sauberkeit des kunstobjekts (g.merz/knoebel), seine reinliche, KONZEPTuelle sterotypie (darboven) und die makellose kunstpräsentation in einer exklusiven museumsarchitektur ist mitlerweile zur gewohnheit geworden.
WEISS mutiert zur tranzendierenden farbe (byars,d9) und die avantgardistische kunst bedient sich getreuer abinstallationen des menschlichen körpers zum zeitpunkt seiner abschaffung (borofsky/ray, d9).
6. DRECK ist der potente GEGENENTWURF zur sauberkeit, zur reinheit. TECHLERs kunst arbeitet mit der visuellen qualität des schmutzes. schmutz hat gleichermaßen auch eine haptische qualität (dreckspuren) und eine negativ affektive: EKEL. ekel wiederum hängt elementar/existentiell mit verdorbener nahrung zusammen. kurzum: mit essen und scheissen. der visuelle und haptische charakter des drecks hingegen verbindet sich mit der (sexuellen) LUST des sehen und tastens. TECHLER behandelt den dreck gleichberechtigt mit den anderen materialien seiner kunst . rostablagerungen, kalkrückstände, staubschichten werden nicht entfernt. diese anarchische haltung gegenüber den verwendeten materialien bedingt ein sich-zurücknehmen des künstlers, ein verzicht auf vollständige kontrolle und ein sich-einlassen auf aleatorische prozesse. TECHLER wirkt als DAS das material TRANSFORMIERENDE AGENS.
cornelia c. müller, 1992
http://www.techler.org/texte.htm

Leben für Umsonst: Andreas Techler
Andreas Techler, der dafür bekannt ist, daß er nicht nur sein künstlerisches Material, sondern auch konsequent alles andere, was man zum Leben braucht, kostenlos auf dem Flohmart findet, führte die Teilnehmer in die Gepflogenheiten an diesem Ort nach Geschäfts-schluss ein: die von den Verkäufern nicht mehr für Wert befundenen Dinge werden zur Selbstbedienung freigegeben und um das zentrale Zelt platziert.
http://www.markusambachprojekte.de/stadtraum/seiten/dirtyoldtown.htm

http://www.biograph.de/upload/projects/biograph/1113_epaper_november_biograph.pdf

Andreas Techler Leben für Umsonst Reinheit Dreck

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