Achenbach Urteil – Landgericht Essen – Vision der Kunst Düsseldorf – Kultur Düsseldorf

Im Fall Helge Achenbach wurde im Landgericht Essen das Urteil gesprochen. Dieses berührt die Vision der Kunst Düsseldorf und die der Kultur Düsseldorf.
Helge Achenbach – Urteil – zu einseitig und/oder ein Fehler in der Bemessensgrundlage ?? ./.
Landgericht Essen, 16.03.2015
(Versuch eines vorläufigen Kommentars)

Am sonnigen frühlingshaften Montag, den 16.03.2015, wurde das Urteil gegen Helge Achenbach gesprochen – nun auch im strafrechtlichen Kontext. Im Landgericht Essen verkündete um 11:00 Uhr der Vorsitzende Richter Johannes Hidding das Urteil: 6 Jahre ohne Bewährung. Die von ihm mündlich vorgetragene Urteils-Begründung (leider unverstärkt und akustisch nicht immer deutlich) folgt im wesentlichen dem Vortrag der Staatsanwaltschaft und fußte ebenfalls (etwas zu offensichtlich) auf der Zeugenaussage Babette Albrechts, der Ehefau des verstorbenen Berthold Albrecht.
Das (allgemein als zu hoch empfundene) Strafmaß wurde mit der (absolut angesetzten) hohen Betrugssumme von ca. 20 Millionen Euro begründet (Summe aus > 10 Betrugsfällen) und dass erschwerend hinzukäme, dass Helge Achenbach über Jahre hinweg das (intensive) Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem (längere Zeit vor seinem Tod schon schwer erkrankten) Berthold Albrecht ausgenutzt hätte. Und dass Helge Achenbach dieses Vertrauensverhältnis gerade mit der Intention des von ihm geplanten Betruges initiiert hätte. Insofern gründet die Strafzumessung im wesentlichen u.a. auf

a) die Höhe der Betrugssumme und
b) der Zeugenaussage Babette Albrechts.

Hier stellt sich konkret die Frage nach der Bemessungsgrundlage (für die Strafzumessung) und nach der (möglicherweise einseitig erscheinenden) Emphasierung der Zeugenaussage Babette Albrechts. Der Versuch eines Kommentares mag hier erlaubt sein .

Der bleibende schale Geschmack
Auch wenn die Sonne schien an diesem Montag in Essen bleibt bei einem objektiven Beobachter doch etwas Schales zurück – setzt er sich doch nochmal mit dem Urteil, insbesondere der Strafzumessung und der richterlichen Begründung auseinander. Der schale Geschmack kündigte sich schon in den Wochen nach dem 11ten Juni 2014 an, als ein wenig erfreuliches hohes Maß an Vorverurteilung durch die Medien, Presse und die betroffenen (eingebundenen) Kreise ging. Geht das nicht alles etwas zu schnell – und ist alles nicht etwas zu (!) klar ? Hat es sich da nicht jemand zu einfach gemacht ? Zwar in einer äußerlich streng seriösen Weise – korrekt gescheitelt – und immer darauf bedacht durch zielgerichtete Fragen an die Zeugen das Gesamtsystem, in dem Helge Achenbach agierte und die dort festzustellen Abläufe und Vorgänge zu enttarnen.
Hierzu: … 2007 wechselte der promovierte Jurist – damals noch als Beisitzer – in die 21. Strafkammer des Essener Landgerichts. Deren Spezialgebiet, der Wirtschaftskriminalität, hat er sich so pragmatisch genähert wie es auch seine Art in der Führung einer Hauptverhandlung ist. „Man muss sich in jedes Themenfeld einarbeiten“, hat Johannes Hidding einmal gesagt. Dass er schon immer ein Faible für Mathematik und Zahlen hatte, kann man demnach nicht behaupten … Herr der Zahlen (hierzu im Folgenden mehr).
Auch die Wahrnehmung, dass der Vorsitzende Richter die im Plädoyer der Verteidigung angeführten Fakten und Argumentationen in seiner Begründung quasi unberücksichtigt ließ und dafür aber den Angaben der Zeugin Babette Albrecht vollends Glauben “schenkte” intensiviert diesen schalen Geschmack.
Wurden denn sämtliche Aussagen Babette Albrechts durch weitere Zeugenaussagen belegt und als konsistent empfunden ? Gab es Cross-Over Validierungen ?
Wie dem auch sei – Annahmen, Modelle, Ansätze, Mutmaßungen hin und her – es bleibt der schale Geschmack der Un-Schärfe und der Un-Präzision – der fehlenden differenzierten Sicht auf die Dinge, inbesondere der Zahlen. Das Ein-Mal-Eins, der Dreisatz oder auch lineare Zinsberechnungen ließen sich auch reduziert algebraisch erledigen.

Die (!) Zeugenaussage
Die Presse ./. Medien melde(t)n hierzu: … die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht und ihre Kinder begrüßen das Strafurteil … Die Begrüßung Und: … er [Berthold Albrecht] wollte ja immer nur die Meisterwerke haben, erinnert sich [Babette] Albrecht. Ich hätte ja auch mal andere schöne Sachen genommen, die nicht so teuer waren. Aber es wurde eigentlich immer das genommen, was er [Helge Achenbach] empfohlen hat. des Aldi Clans im Spiegel Und: … im Verlauf der Verhandlung spricht Babette Albrecht häufig von den “Dingern”, wenn sie die diversen Kunstwerke, die ihr Mann erworben hat, meint. Thomas Steinfeld kann in der SZ vom 13.03.2015 in “Achenbach und die Dinger. Kunst als Trophäe und Krönung des Kapitalismus” seine Verwunderung über die Bezeichnung von Kunstwerken als “Dinger” kaum zurückhalten … und die Dinger Und: ” … dass seine Großzügigkeit offenbar ausgenutzt wurde, bemerkte sie erst, als ihre Anwälte den Nachlass des Verstorbenen auswerteten und auf die Manipulationen Achenbachs aufmerksam wurden. Da erstattete sie Anzeige und stellte sich der Öffentlichkeit. Wie sie sich fühle, hatte ein Reporter sie auf ihrem Weg zum Gerichtssaal gefragt. „Spitze“, antwortete sie … mit Spitzen im Westen und … im Sommer 2013 habe sie im Zuge der Erbschaftssteuer-Ermittlung Gutachten in Auftrag gegeben. Der Wert der Objekte sei dabei sehr niedrig eingeschätzt worden. Sie wies Spekulationen zurück, sie habe durch eine niedrige Bewertung Steuer sparen wollen. ´Ich wollte nichts verheimlichen.´ nichts wird verheimlicht.
Es läßt sich annehmen, dass sich aus dieser Aussage die “Erschwerung”, resp. der Vorwurf der “Niedertracht” speißt – es heißt doch: “erschwerdend kam hinzu, dass der Angeklagte das Vertrauen zu Berthold Albrecht nicht nur gesucht hatte, sondern im Laufe der Bekannt-/Freundschaft zutiefst und über einen längeren Zeitraum auch ausgenutzt hatte”.
Hier hatte wohl auch das Plädoyer der Verteidigung eher Bumerang-Wirkung , da hier zu ausführlich das intensive Vertrauensverhältnis zwischen Helge Achenbach und Berthold Albrecht herausgestellt wurde, zwar mit der Zielsetzung, die Aussagen Babette Albrechts zu entkräften – doch das Gegenteil stellte sich ein – jedenfalls in der Urteilsbegründung und Strafbemessung.

Werden die meisten Presseartikel richtig gedeutet, handelte es sich bei “Der Zeugenaussage” um eine sehr emotional vorgetragene, die in der Regel auf Stimmungsäußerungen beruhte und nur auf konkretes Nachfragen hin verwertbares bzw. interpretierbares Material lieferte.
Es war eine Aussage, die entgegen der Aussage Helge Achenbachs stand …

Die (!) Zahlen
Die Achenbachs und die Albrechts kannten sich länger: “Das Ehepaar Albrecht hatte Achenbach nach Angaben von Babette Albrecht 2007 bei einem Abendessen in der Nachbarschaft kennengelernt. “Trotz schwerer Krankheit kaufte Albrecht bis kurz vor seinem Tod fast im Monatstakt bei Achenbach ein. Zwischen 2009 und 2012 waren das Objekte in einer Gesamtsumme von über 100 Millionen Euro”.
“Berthold Albrecht hatte in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden. ” Neben verschiedenen Oldtimern hatte “Achenbach insgesamt 28 hochkarätige Kunstwerke innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren an Albrecht verkauft, unter anderem Bilder von Kokoschka, Kirchner, Picasso und Gerhard Richter.”
“Im Sommer 2013 habe sie [Babette Albrecht] im Zuge der Erbschaftssteuer-Ermittlung Gutachten in Auftrag gegeben.” “Nach dem Tod ihres Mannes 2012 habe sie [Babette Albrecht] Achenbach um die Rechnungen für Kunst und Oldtimer gebeten. “Das hat unglaublich lange gedauert”, sagte Babette Albrecht. Achenbach habe ihr im Sommer 2013 die Listen gefaxt.
In der Urteilsbegründung des Vorsitzenden Richters werden die Betrugssummen wiefolgt genannt und zugeordnet: 5.2 MEuro bei den Kunstverkäufen, 14.4 MEuro bei den Oldtimerverkäufen, 1.2 MEuro bei den Verkäufen im Verbund mit der Berenberg-Bank. Insgesamt beläuft sich also die absolute Betrugssumme auf 20.8 MEuro – also ca. 20% der tatsächlichen Verkaufssumme von 100 MEuro (Gesamtverkaufssumme 120 MEuro abzgl. der Betrugssumme von 20 MEuro).

“Die Unternehmensberatung Deloitte hat … ermittelt, dass die Preise für zeitgenössische Werke seit dem Jahr 2000 im Schnitt um fast zwölf Prozent gestiegen sind – wohlgemerkt jährlich … ” und “Berechnungen … zufolge, ist zeitgenössische Kunst seit dem Jahr 2000 um durchschnittlich 12% im Preis gestiegen. ”

Der (!) mögliche Fehler – die Bemessungsgrundlage
Bei der Frage nach der vom Essener Gericht gewählten Bemessungsgrundlage für das Strafmaß, die Strafzumessung, stößt der neutrale Beobachter – auch bei Durchsicht der Medien und Pressebeiträge – auf eine recht simpel gewählte. Es wird pauschal die leicht errechenbare Betrugssumme – eben die ca. 20 MEuro – angesetzt. Und dies ohne differenziert in die Details zu gehen – z.B. bleibt die Frage nach der sich hoch-dynamisch ändernden Werthaltigkeit der vermittelten Objekte seitens des Gerichtes unberührt. Zwar hat Thomas Elsner in seinem Verteidigungs-Plädoyer angeführt, dass aufgrund der wirkenden Wertsteigerung der hoch qualitativen Objekte keine Vermögensminderung und damit kein Schaden über die Jahre hinweg bei den Albrechts entstanden sei. Aber auch dieses Argument erscheint etwas grobgeschnitzt. Der eigentliche Punkt in der Sache ist der, dass Helge Achenbach Objekte vermittelt und verkauft hat, die eine implizite sich dynamisch steigernde Werthaftigkeit hatten – bedingt durch das enorme Wertsteigerungspotential von mindestens 12% p.a. (siehe oben) – sozusagen das “intangible asset”.
Gerade angesichts der in den Wochen nach der Verhaftung Helge Achenbachs wahrzunehmenden Vorverurteilung wäre zwingend ein hohes Maß an Präzision im Umgang mit den Fakten und den Aussagen notwendig (gewesen). Und damit wäre auch der dynamische – zeitabhängige – Wertanteil der Objekte zu berücksichtigen und die Frage (in jedem einzelnen Fall) zu klären: zu welchem Zeitpunkt waren die Objekte in tatsächlichem Besitz Berthold Albrechts – bei der

der Übergabe ? oder bei
der Rechnungsstellung ? oder bei
vollzogenem Kapitalfluss / Zahlungsleistung (Überweisung) ?

Es gibt also in dem bekannten Ablauf der Vermittlung resp. des Verkaufs eine Zeitspanne, in der der Preis (wohl mündlich) zu Beginn ausgehandelt bzw. mitgeteilt war – die jeweiligen Objekte aber noch im Besitz Helge Achenbachs waren. Dieser Zeitabschnitt kommt im kaufmännischen angenähert einem Zahlungsverzug gleich. D.h. in diesem Zeitabschnitt waren die Objekte noch im Besitz des Vermittlers resp. Verkäufers. Diese Frage wurde in der Beuteilungsbegründung nicht behandelt. In der mündlichen Urteils-Begründung wurde bei der Behandlung der einzelnen Fällen nicht auf den Zeitpunkt des Besitzerwechsels eingegangen – hierüber ist auch den Medien nichts zu entnehmen. Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass mit Fluss des Kaufpreises (Zahlungsleistung) der Besitzerwechsel vollzogen wurde. Insofern und angesichts der Höhe des Wertpotentials müsste die Wertsteigerung des Objektes innerhalb der Zeitspanne zwischen Übergabe des Objektes und der Bezahlung (Kapitalfluss) Berücksichtigung finden – auch wenn der formelle Vorgang von den beiden Vertrauenspartnern Helge Achenbach und Berthold Albrecht nur mündlich und nicht immer kaufmännisch streng gehandhabt wurde. Da keine schriftlichen Verträge existierten, ist davon auszugehen, dass jeder Tag zwischen Übernahme des Objektes und dem Vollzug des Kapitalflusses zählte – Verzugsbeginn war der erste Tag nach der Übergabe – die Wertsteigerungs-Uhr tickte also auf der Seite des Noch-Besitzers – eben Helge Achenbachs. Diese “täglichen” Wertzuwächse kämen – auf das kaufmännische übertragen – Verzugszinsen gleich. Dies führt zum folgenden Schluss: Die Summe der vor Besitzerwechsel angefallen Wertzuwächse der Objekte müsste also korrekter Weise von den jeweiligen Betrugssummen subtrahiert werden, um als Differenzen die effektiven Betrugssummen zu ergeben, die als Bemessungsgrundlage korrekten Sinn machen würden.
Hierüber ist in der mündlichen Urteilsbegründung nichts zu finden.

Der Zuwachs – und eine Illustration der Zahlen
Im folgenden wird der Versuch unternommen die o.g. Zusammenhänge anhand einer Zahlen-Illustration zu veranschaulichen – dies mag auf ersten Blick etwas belehrend erscheinen – dient aber auschließlich der Illustrierung – auch ist es der präzisen Scheitelbildung des Vorsitzenden Richters geschuldet; zumal eben diese zwischenzeitlich an parallel liegende Zahlenkolonnen erinnern könnte.
Es ist davon auszugehen, dass sich das gesamte Kunst / Oldtimer Projektgeschäft zwischen Helge Achenbach und Berthold Albrecht in einem Zeitraum von ca. 3 Jahren vollzog (zwischen 2009 und 2012, 36 Monate). Die Gesamtsumme des Projektgeschäftes beläuft sich auf 120 MEuro. Wird hiervon die Betrugssumme abgezogen erhält man den Wert der verkauften Objekte (100 MEuro) zum Zeitpunkt der Übergabe – wohlgemerkt nicht des Besitzerwechsels. Es erfolgte quasi eine Objekt-Vermittlung im Monatstakt (s.o.). Im Mittel wurden also von Berthold Albrecht 100 MEuro / 36 = 2.78 MEuro monatlich investiert (Annäherung – im Realen variierten die mtl. Investments). Die Wertsteigerungsrate kann mit 12% p.a. angesetzt werden. Werden nun A) das mtl. investierte Kapital (Mittelwert), B) die sich ergebenen mtl. / tgl. Wertzuwächse (behandelt als (Verzugs-) Zinsen im Sinne der Zinsrechnung bzw. Zinseszinsrechnung) und C) die Differenz zwischen absolut genommener Betrugssumme und dem Wertzuwachs für verschiedene Zeitspannen in Zahlenkolonnen angegeben, ergibt sich das folgende Bild:

TAB A gibt die Kolonnen für das mtl. investierte Kapital und die mtl. bzw. tgl. Zuwächse . Es ergeben sich accumuliert die Summen der monatlichen Zuwächse zu 18.5 MEuro bzw. 18.7 MEuro (Methode Zins bzw. Methode Zinseszins; siehe unten blau umrandet). Dies ist die ungefähre Summe, die Thomas Elsner in seinem Plädoyer ansprach. Berücksichtigt man den Wertsteigerungs-Zeitraum bis heute wären diese Summen erheblich höher. Dieser Argumentation folgte allerdings, wie bekannt, das Gericht nicht.
In TAB B finden sich die abgeleiteten effektiven und accumulierten Wertzuwächse (behandelt als Verzugszinsen) für die beispielhaft gewählten Zeitspannen von 7, 14, 30, 60 Tagen.
TAB C liefert dann das eigentlich spannende Ergebnis: wird die effektive Betrugssumme als Differenz aus der absoluten Betrugssumme (Spalte 18) und dem Wertzuwachsbetrag für die jeweiligen Zeitspannen (Spalten 19-22) aufgetragen und accumuliert, so ist für Verzug von 7 Tagen nur eine tatsächliche effektiv wirkende Betrugssumme von 15.6 MEuro, für 14 Tage 11.2 MEuro, für 30 Tage 1.3 MEuro und im Falle eines (recht langen) Verzugszeitraumes von 60 Tagen sogar eine negative Betrugssumme in der Höhe von minus 17.4 MEuro zu erkennen (grün umrandet). Das hieße, in diesem Falle wäre Helge Achenbach Gläubiger der Familie Albrecht und im Saldo (siehe Mittelwerte rot umrandet) .

Es gibt Meinungen, die korrekter Weise verlangen, dass für jeden Fall der >10 Betrugsfälle die effektiven Betrugssummen berechnet werden müssten, d.h. die Definition einer korrekten Bemessungsgrundlage – wie in den Tabellen illustriert. Die accumulierte effektive Betrugssumme für die jeweils gewählte Zeitspanne ist deutlich geringer als die vom Gericht zugrunde gelegte absolute Betrugssumme – und müsste entsprechend zu einem geringeren Strafmaß führen. Die realen Zeitspannen sind der Öffentlichkeit nicht bekannt – aber wird die fehlende kaufmännische Strenge im Kunstmarkt berücksichtigt, wären Zeitspannen zwischen 7 und zumindest 30 Tagen denkbar.

Helge Achenbach Urkundenfälschung Urteil Betrug BGH Elsner

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Vertrauensverhältnis Plädoyer Künstler Kauf Albrecht Achenbach

Achenbach – Plädoyer der Verteidigung – Urteil – Landgericht Essen – TDWE – Kunstberater Achenbach

Im Fall Helge Achenbach kam es zum Plädoyer der Verteidigung (Urteil) im Landgericht Essen.
Thomas Elsner begann an der Seite seines Kollegen Dr. Adick (TDWE) als Verteidiger Herrn Achenbachs kaum 10 Minuten nach Sitzungsbeginn sein Plädoyer mit der Feststellung, dass im gesamten Verfahren “viele Fragen beantwortet wurden”, aber auch ebenso “viele Fragen noch unbeantwortet blieben”.
Es ginge “hier um die zentrale Person Herr Achenbach” und das “spezielle Umfeld, in dem Herr Achenbach mit Berthold Albrecht agierte”. “Herr Achenbach war ein guter Freund von Berthold Albrecht – es war eine harmonischen Beziehung”, in der “auch mal nicht alles gesagt und besprochen werden mußte, da sich vieles aus dem vertrauensvollen Verhältnis heraus ergab”.
Berthold Albrecht hatte also großes Vertrauen zu Herrn Achenbach. “Es war mehr als nur eine bekanntschaftliche – mehr eine freundschaftliche Beziehung” in der “z.B. zu Geburtstagsanlässen schon mal ein Auto im Werte von 150 TEuro verschenkt wurde (Alfa Romeo Baujahr 1968)” – oder dass “z.B. in der Küche [von Paul Schönewald] ein Bild von Kirchner im Werte von 7 Millionen Euro hing”, welches Berhold Albrecht gefiel, er Interesse zeigte und sich noch “in der darauf folgenden Nacht kurzentschlossen zu einem Kauf entschied.” Und dies geschah wohl “ohne schriftliches Angebot”. Nach Thomas Elsner lag somit zwischen “Sehen” und “Kaufen” nur eine kurze Zeitspanne, d.h. “kurz und knapp” wurde der Verkauf bzw. der Kauf getätigt – und formlos. “Kein Museum würde so handeln”. Dies wäre ein weiteres klares Indiz für das ausgeprägte Vertrauensverhältnis zwischen Herrn Achenbach und Berthold Albrecht und der starken Belastbarkeit des herrschenden Vertrauens.
Zugleich würde es “die besondere Welt der beiden” beschreiben. Es stelle sich nun die Frage nach dieser “Welt, in der Herr Achenbach und Berthold Albrecht” agierten und die Frage nach den “dominierenden Zusammenhängen” in dieser Welt. Es wäre keine Welt in der “kaufmännische Strenge herrsche”. In dieser ihnen eigenen Welt, in der Nähe des schillernden Kunstmarktes, gelten “andere Spielregeln”. In dieser Welt greifen “keine herkömmlichen kaufmännischen Regeln und Kriterien”. Dies wäre auch “typisch für den Kunstmarkt”, in dem sich nicht unbedingt die “Preise” aus dem Verhältnis von “Angebot und Nachfrage” ergäben. Der “preisbildende Markt findet nicht statt” und es wären auch “nicht alle Geschäfte gleich”.
Thomas Elsner kommt an dieser Stelle auf die besondere Form der Rechnungen – eben der “Collagen”. Er verweist hierbei auf die u.a. auch vom BGH (z.B.: Beschluss 26.02.2003, Az: 2 StR 411/02) behandelte Problematik der Fage nach Urkundenfälschung im Falle “collagierter” Rechnungen.

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Thomas Elsner plädiert für eine Aussetzung des Haftbefehls unter Berücksichtigung der Haftverschonung.

Insgesamt versucht Thomas Elsner den Vorwurf des schweren Betruges durch Herausstellung des intensiven Vertrauensverhältnisses zwischen Herrn Achenbach und Berthold Albrecht zu entkräften. Es wird zwar eingeräumt, dass Herr Achenbach eben dieses Vertrauensverhältnis für sich ausgenutzt hat, doch erfülle dies nicht den Tatbestand des schweren Betruges. Fraglich ist allerdings, anzuführen, dass Herr Achenbach aus der Notlage heraus agiert hat und seine wirtschaftlich maroden Unternehmen Monkeys quersubventionieren musste. Dieser von ihm selber initiierte kaufmännische Fehlgriff kann schlecht als Rechfertigung für seine nicht immer korrekten Aktionen Berthold Albrechts gegenüber dienen – es ist schwer vorstellbar, dass sich ein deutsches Gericht hiervon beeindrucken ließe – auch wenn es im Moralischen darstellbar wäre. Die zwischenzeitlich wankend wirkende Konstruktion und Darstellung der Rücknahmegarantie findet sich fragmentarisch (Brief) erst später wieder. Hier ebenfalls fraglich, ob das Gericht diese mehr oder weniger als Rechtfertigungsversuche wirkenden Einlassungen berücksichtigt. Dies trifft ebenfalls auf die Einlassung zu, es wäre der Familie Albrecht kein “wirklicher” Schaden entstanden, zumal es sich bei der von ihm vermittelten Kunst um Objekte höchster Qualität handelte und sich aufgrund des bestehenden großen Wertsteigerungspotentials kein “realer” Verlust eingestellt hätte. Der Vorwurf der Urkundenfälschung könnte mit Berücksichtigung der besonderen Lage der BGH “Collagierungs-Problematik” auch dünner werden.
Dem Nichteingeweihten könnte es ohnehin verwunderlich erscheinen, dass auch im Umfeld verletzter Eitelkeiten nicht ein “cui bono” gilt. Angesichts der Tatsache, dass die von Herrn Achenbach vermittelten Objekte im Preislichen, d.h. in der Werthaltigkeit, abgesenkt wurden, müsste sich doch ein weiterer Nutzen und Vorteil ergeben – zumindest hinsichtlich der Vermögens- und/oder Erbschaftssteuer. – und das auf der Seite der Anzeigenerstatter.

Babette Albrecht Düsseldorf Kultur und Millionendeal

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Helge Achenbach Düsseldorf Kultur Essen Landgericht Babette Albrecht Thomas Kellein

Helge Achenbach, der u.a. für Düsseldorf Kultur stund, muss sich in Essen dem Landgericht stellen. Babette Albrecht als auch der Kunsthistoriker Thomas Kellein brachten den Fall Achenbach ins Rollen.

17.12.2014 FAZ Der Anwalt war schon informiert.
Es geht um Millionenbetrug am deutschen Geldadel: Im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach sollen auch einige schwerreiche ehemalige Kunden als Zeugen aussagen. An diesem Mittwoch hatten die Ermittler das Wort.
Fälschlich in den Akten gelandet
Rätsel gibt auch ein undatierter und nicht unterschriebener Brief Achenbachs an den Aldi-Erben auf, der in dem Albrecht-Ordner gefunden wurde. In dem vor Gericht verlesenen Brief mit der Anrede Lieber Berthold unterteilt Achenbach seine Kunstverkäufe an den Milliardär in Geschäfte mit Preisaufschlägen und siebenjähriger Rücknahmegarantie sowie in einfache Geschäfte nur auf Provisionsbasis.
Achenbach hatte in seiner Einlassung vergangenen Montag erklärt, er habe seine Geschäfte mit Albrecht mündlich vereinbart. Den Brief habe er aufgesetzt, als die Sache mit Berenberg aufgeflogen sei. Das Papier sei nicht für Dritte gedacht gewesen. Achenbachs Verteidiger Thomas Elsner sagte, das Schreiben sei fälschlich in den Ordner mit den Albrecht-Akten gelangt.
Möglicherweise hatte Achenbach den Brief erst nach dem Tod Albrechts, der im Oktober 2012 starb, aufgesetzt. Nach Angaben seines Anwalts hatte Albrechts Witwe den Kunstberater gebeten, ihr nähere Informationen über seine Einkäufe und die Geschäftsbeziehungen zu ihrem Mann zu geben.
http://www.faz.net/aktuell/
http://www.bild.de/regional/

“Die Kunst, in Kunst zu investieren” von Niklas Maak (FAZ)
In Essen wird der Betrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach fortgesetzt. Sein Teilgeständnis offenbart, wie in der Kunstwelt großes Geld gemacht wird.
Im sehr trostlosen Eingangsbereich des Essener Landgerichts steht eine Palme, die so dürr und zittrig aussieht, als sei sie selbst angeklagt, als sei sie Teil der Verschwörung, um die es hinter den Türen des Gerichtssaales geht. Auch dort drinnen wird von Palmen geredet, von einem Flug mit einem gemieteten Privatjet nach Miami, zur Kunstmesse der Art Basel, zu der der Kunstberater Helge Achenbach den Aldi-Erben Berthold Albrecht einlud. Und das sei sehr teuer gewesen, erklärt Achenbach, als er an diesem Morgen im unfreundlichen Neonlicht des Verhandlungssaales 101 seine Einlassung vorträgt.
Achenbach ist angeklagt. Es geht, wenige Jahre nach dem Fall des Fälschers Wolfgang Beltracchi, um den größten Betrugsskandal des deutschen Kunstmarkts. Es geht um Champagnersausen und Bentleys und Galerieparties im weichen Sand, um Millionendeals mit Kunst, Sehnsucht nach Glamour, Betrügereien und ein überhitztes Kunstsystem, dessen Mechanik selten so deutlich wurde wie hier, wo eine ihrer zentralen Figuren leider gezwungen ist, die Karten aufzudecken.

Auf der Anklagebank sitzt neben Achenbach sein ehemaliger Kompagnon Stefan Horsthemke, mit dem er von 2011 bis zu dessen Abwicklung den Kunstfonds Berenberg Art Advice betrieb. Beide tragen vergleichbare, scheinbar vom Fahrtwind gestaltete Cabrio-Frisuren, das Haar fällt elegant auf den Kragen. Beide sehen im Neonlicht des Saales ein bisschen blass aus, als ob sie durchgefeiert haben, sagt einer der Zuschauer.
Für den Aldi-Nord-Erben Berthold Albrecht hat Achenbach zwischen 2009 und 2011 für insgesamt etwa 120 Millionen Euro Kunst und Oldtimer gekauft. Ohne schriftliche Vereinbarungen
Reiche Menschen mit Discounterhintergrund verfielen Achenbachs Charme besonders schnell, ein bisschen erinnert auch die Faszination seiner übrigen solventen Kundschaft für den sprühenden, im Privatjet nach Miami düsenden Achenbach an die berühmte Szene in Kir Royal, wo der rheinische Kleber-Fabrikant Heinrich Haffenloher aus der Provinz nach München kommt, um endlich mal so richtig die Sau rauszulassen. In der misstrauisch gegen Zudringlinge verteidigten, auf ihre Weise kargen Welt des extremen Reichtums muss Achenbach gewirkt haben wie der charmante Bad Boy auf dem Schulhof, der schon raucht und die Typen mit den dicken Motorrädern kennt. Achenbach nahm seine Kunden mit in eine Welt, die es in Polo- und Golfclubs nicht gab: das Glitzern der VIP-Sammlerlounges, die netten Galeristen mit ihren Parties, die Bässe, Abendkleider aus nepalesischer Spezialseide, so nice to meet you Wer war das? Eine Galeristin aus Guatemala. Aha! Und was nehmen die da hinten in der Ecke jetzt für ein Zeug?
http://www.faz.net/

Helge Achenbach | Fall Achenbach mit Babette Albrecht

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Thomas Kellein und Helge Achenbach mit Aldi-Erben Kunstberater

Thomas Kellein Essen Landgericht Aldi-Erben | Kunstberater