Riegel Beuys Biographie Heine-Institut Düsseldorf Christiane Hoffmans biography

Joseph Beuys 17.05.13 Hans Peter Riegel Beuys Die Biographie Heine-Institut Part 1, Joseph Beuys, von Christiane Hoffmans.
“Das ist völkische Diktion in Reinkultur” und Kultur Düsseldorf.
Ein Denkmalsturz: Leben und Werk des Künstlers Joseph Beuys müssen neu bewertet werden. Ein Gespräch mit Hans Peter Riegel, dem Autor der bahnbrechenden neuen Biografie. Von Christiane Hoffmans.

Die Welt: Wenn man diese Woche die Geschichte im “Spiegel” liest, glaubt man, Sie hätten es ausschließlich darauf angelegt, Beuys reißerisch zu demontieren. Gerhard Pfennig, Eva Beuys´ Anwalt, sagte im “Deutschlandfunk”, Sie handelten “unredlich, Beuys´ Leben während der Zeit des Nationalsozialismus auszugraben”. Assistiert hat ihm Klaus Staeck, Beuys´ langjähriger Verleger. Dabei ist vieles, was Sie geschrieben haben, schon lange bekannt.
Riegel: Ich war nicht überrascht, dass der “Spiegel” primär das NS-Thema herausgegriffen hat. Es gibt so viele Aspekte in dieser Biografie, die Zuspitzungen auf einzelne Themen unvermeidbar machen. Beuys war ohne “Skrupel” in der HJ, das bekannte er selbst. Dass er sich nicht nur freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, sondern sich gleich für zwölf Jahre verpflichtet hat und damit Berufssoldat wurde, war nicht bekannt. Es ist evident, dass damit eine latente Akzeptanz des NS-Regimes sowie von Militarismus im Allgemeinen verbunden gewesen sein musste. Dass sich in seinem direkten Umfeld so viele alte Nazis befanden, war auch nicht bekannt. Keiner hat sich je für die Rassismusforschungen seines Schwiegervaters Hermann Wurmbach interessiert, der NSDAP- und SA-Mitglied sowie stellvertretender Gaudozentenführer war. Die Biografien seiner Mäzene Karl Ströher und Erich Marx beginnen offiziell erst 1945. Da wird man skeptisch. Schließlich finden sich auch in diesen Fällen tiefbraune Schatten. Letztlich kooperierte Beuys politisch mit ehemaligen Nazis und Rechtsradikalen. Das kann ich vielfach nachweisen. Selbst Staeck räumte in dem Interview ein, dass Beuys “zeitweise auf falsche Leute gesetzt hat”, oder wie er mir sagte, mit einer “ziemlich rechten Truppe” paktierte.

Die Welt: War Beuys ein Nazi?
Riegel: Es hat Autoren gegeben, die versucht haben, Beuys zu einem Nationalsozialisten zu machen. Die nationalsozialistische Ideologie war durch Rassenhass geprägt, das kann man Beuys nicht nachsagen. Er war kein Antisemit. Aber er hat sich als erwachsener Mensch nie von dem Regime und seinen eigenen Rollen in jenen Jahren distanziert. Beuys sah es nicht als Manipulation an, die HJ-Uniform getragen und in Reih und Glied gestanden zu haben. Er habe sich damals “frei und unabhängig” gefühlt. Beuys, der auch sagte, es als “moralisch richtige Entscheidung” empfunden zu haben, freiwillig an Hitlers Vernichtungskrieg teilzunehmen. Auch nach dem Untergang des “Dritten Reichs” war Beuys von der Sonderrolle der Deutschen in der Weltgeschichte überzeugt. Da folgte er nahtlos den Ideen Steiners. Wenn man seine Münchner Rede “Über das eigene Land, Deutschland” liest, die er 1985, also kurz vor seinem Tod, gehalten hat, erkennt man seine Gesinnung. Da spricht er von “Heilungsprozess am Boden”, von “deutschem Genius”, von “Auferstehungskraft des deutschen Volkes”. Das ist völkische Diktion in Reinkultur.

Die Welt: Nun spricht er in dieser Rede auch von der Selbstbestimmung des Menschen, davon, dass “jeder Mensch ein Künstler” sei. Er spricht von der “Überwindung der schrecklichen schwarzen Male” der deutschen Geschichte. Er hat ein Büro für “direkte Demokratie” gegründet. Dies alles widerspricht doch Ihrer These.
Riegel: Auf den ersten Blick wirken solche Gedanken fortschrittlich. Vieles von dem, was er verkündete, klang nach linker Ideologie. Tatsächlich machte Beuys keinen Hehl aus seiner Verachtung für die Linken. Der SDS und später die Linken innerhalb der Grünen wussten, dass Beuys nicht gefährlich ist, weil er ein “verrückter” Künstler ist, sondern weil er eine völkische Gesinnung hat ….

Die Welt: Es könnten aber auch Anleihen bei Dada-Künstlern sein.
Riegel: Dass Beuys insbesondere während seiner Aktionistenjahre Eurythmie studiert hat, ist verbindlich belegt.
Die Welt: Das überzeugt mich noch nicht …
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http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article116296415/Das-ist-voelkische-Diktion-in-Reinkultur.html

Joseph Beuys und Hans Peter Riegel in Die Welt Biografie

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Heine-Institut – Eva Beuys und völkische Diktion