Schmela Haus – Interview-Gespräch mit Klaus Staeck – Part 4

Kleve
Hommage an einen Streitbaren
zuletzt aktualisiert: 13.12.2008

Kleve (RP) KREIS KLEVE (-fft) „Deutsche Arbeiter. Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen.“ „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“ (zu Albrecht Dürers Kohlezeichnung von dessen Mutter). „Die Küstenbewohner können ihre Ölheizung jetzt direkt ans Meer anschließen.“ Mit satirischen Plakatbotschaften wie diesen hat Klaus Staeck vor allem in den 70er Jahren die Republik aufgerührt, besonders Politiker konservativer Kreise fühlten sich von dem Grafiker und Rechtsanwalt, der seit 1960 der SPD angehört, immer wieder provoziert. Mehr als 40 Mal wurde versucht, ein Plakat verbieten zu lassen – vergeblich. Plakate und Postkarten sind seine idealen Kommunikationsmittel, auch wenn ihm seine Tätigkeit als Präsident der Berliner Akademie der Künste heute kaum noch Zeit für eigene Arbeiten lässt. Die Stiftung PAN kunstforum niederrhein in Emmerich widmet dem streitbaren Künstler und überzeugten Demokraten, der 1956 aus der damaligen DDR nach Heidelberg übersiedelte, diese Werkschau, die zugleich als Hommage anlässlich seines 70. Geburtstages zu verstehen ist.

Auch nach Jahrzehnten sind die Arbeiten erschreckend aktuell. Staeck ist fest davon überzeugt, dass Energie und Ökologie zentrale Fragen sind: Da hänge alles von ab. In der Kunst und in der Politik brauche es einen langen Atem, so der Künstler skeptisch – aber nicht hoffnungslos. „ ,Nichts ist erledigt, bedeutet auch, es ist viel zu tun“, meinte Staeck bei der Ausstellungseröffnung vor vollem Haus. Dabei sei es ihm stets nur um die Sache gegangen, „ich wollte nie jemanden verletzen oder herabsetzen“. Staeck wandte sich dagegen, immer die Politik für alles verantwortlich zu machen. „Wer nur jammert und klagt und dabei Energie verschwendet, für den habe ich immer wenig Verständnis gehabt.“

[http://www.rp-online.de/niederrheinnord/kleve/nachrichten/kleve/Hommage-an-einen-Streitbaren_aid_649854.html]

Klaus Staeck Plakate und Postkarten Grafiker und Rechtsanwalt

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Schmela Haus – Interview-Gespräch mit Klaus Staeck – Part 3

Das Fernsehen bietet keine Haltegriffe mehr…
[http://www.burg-halle.de/~jstahl/multiplikatoren/Staeck-Interview.htm]

Interview mit Klaus Staeck am 7. November 2000

Ein Gespräch mit Klaus Staeck auf der Art Cologne über multiple Art und die Kunst der 70er Jahre

Der 1938 in Pulsnitz bei Dresden geborene Heidelberger Grafiker Klaus war bisher an über 3000 Ausstellungen beteiligt. 1957 bis 1962 studierte er Jura in Heidelberg, 1969 legte er das Assessorexamen in Stuttgart ab. Schon während des Studiums entwarf er erste Postkarten; 1960 produzierte er das erste Plakat für den Heidelberger AstA. Mehr als vierzig Mal wurde er in Prozesse verwickelt, in denen versucht wurde, die Verbreitung einzelner kritischer Plakate und Aktionen zu verbieten.

Frage: Sie sind Mitgründer der Art Cologne und der “Aktion für mehr Demokratie”. Außerdem sind Sie Galerist, Verleger, Rechtsanwalt, und Aktionskünstler. Am bekanntesten sind sie jedoch für Ihre Postkarten und Plakate. Wie kam es dazu, daß Sie sich der Druckgrafik zuwandten ?

Klaus Staeck: Ich war immer jemand, der nicht zufrieden war mit dem relativ engen Galerierahmen, vom Museumsrahmen ganz zu schweigen, wo man als Anfänger keinen Zugang hat. Also habe ich immer nach Wegen gesucht, wie man Arbeiten vervielfältigen kann. Das begann mit Holzschnitten. Es waren anfangs eher abstrakte Arbeiten, dann ging ich über zu Karikaturen, bis ich sehr mühsam den Weg zum Plakatdruck fand. Anfangs habe ich für den AstA der Universität Heidelberg Plakate für die Asta Wahlen, für die Studentenbudensuche, und vergleichbare Dinge gemacht. Ich habe sie so angelegt, daß ich weiterdrucken konnte, wenn ich den Text wegließ, und hatte somit meine ersten eigenen Plakate.

Dann habe ich nach Wegen gesucht, um mehr Menschen zu erreichen als mit einer nummerierten, signierten Grafikauflage. Als 1971 in Nürnberg die große Dürer Jubiläums-Ausstellung war, habe ich überlegt, Litfaßsäulen anzumieten, [Anm.: um sie mit dem Plakat “Sozialfall” zu bekleben], ohne zu wissen, ob das überhaupt geht, und wie teuer es sein würde. Mein Freund Gerd Steidl, Drucker und Verleger, mit dem ich seit 1970 zusammenarbeite, hat die Litfaßsäulen von der Druckerei angemietet. Es war nicht als Kunstaktion angekündigt, sondern lief als anonyme Geschichte, um zu testen, ob die Leute ein Plakat überhaupt wahrnehmen wuerden, das für keine Veranstaltung oder kein Produkt wirbt, sondern für den Betrachter auf der Straße zunächst nur rätselhaft erscheint.

Frage: Kunst ohne Unikat – Ihre Plakate hängen bundesweit in teilweise sehr großer Auflage im Alltagsterrain an Litfaßsäulen. Welche Adressatenkreise versuchen Sie mit Ihren Plakaten und Postkarten zu erreichen ?

Klaus Staeck: Auf der Straße können Sie zunächst so gut wie alle erreichen. Man kann nicht selektiv sagen, da kommen nur die jungen Leute, die Rentner , die Sportler oder die Autofreunde. Adressaten sind alle, die die Straße benutzen, eine zufällige, anonyme Öffentlichkeit. Für die Leute ist die Litfaßsäule immer noch ein Stück Autorität, etwas Offizielles.

Frage: Wovon hängt die Zahl der Auflage ab ?

Klaus Staeck: Inzwischen weiß ich genau, welche Verbreitung ein Plakat finden wird. Manchmal sind sie für einen kleineren Kreis gedacht. Bei Plakatauflagen bin ich aber in der Regel angewiesen auf große Zahlen, schon weil der Entstehungsprozess relativ kostspielig ist. Die Auflage sollte hervorragend gedruckt sein, denn drucktechnisch sollte sie immer mit der Werbeindustrie konkurrieren können. Ich möchte schon auf den ersten Blick eine Unverwechselbarkeit mit der offiziellen Werbung erreichen. Bis die Leute merken, da ist ein Störfaktor eingebaut, und dann versuchen, hinter das Wort-/Bildrätsel zu kommen.

Frage: Ihre Motive findet man nicht nur auf Litfaßsäulen, sondern auch auf Zeitschriftentitel, im Fernsehen und im Internet. Was halten Sie vom Internet als Forum für multiple Kunst ?

Klaus Staeck: Das Internet ist der Entwicklung der Zeit geschuldet. Man muß heute schon automatisch im Internet vertreten sein. Ich mache dort allerdings bisher keine gezielten Aktionen, sondern verstehe das Internet als eine Art Hilfsmittel. Dort findet man meinen Lebenslauf und Texte. Es war mein Ziel, daß man, unabhängig von mir, Ausstellungen und Aktionen planen kann. Leute können mit meinen Bildern ihre Arbeiten erweitern und argumentieren, wenn sie Ihnen nutzen. Ich verstehe meine Arbeiten auch immer als Arbeitsmaterial für andere, als eine Art Demokratiebedarf.

Frage: Kann man denn mit multiples ein Bewußtsein für eine bestimmte Position schaffen ?

Klaus Staeck: Es ist ein Beitrag dazu. Der eine Teil der Öffentlichkeit versucht, das Bewußtsein zu erweitern, der andere Teil dagegen, das Bewußtsein zu vernebeln. Denken Sie daran, wie viele an der Verblödung der Menschen arbeiten, vor allem in den Medien. Mit Bildern wird mehr gelogen als mit Worten, weil die Leute den Bildern immer noch mehr trauen… Aber ich habe den Glauben, daß jemand, der einmal gelernt hat, Bilder kritisch zu sehen, die Werbung durchschaut. Eine Aufgabe, die ich mir gestellt habe, ist, durch Irritationen in meinen Bildern Skeptizismus und kritische Sehfähigkeit gegenüber Bildern hervorzurufen.

Frage: Manchmal fühlen sich Menschen von Ihren Plakaten angegriffen, und wurden sogar aggresiv. 1976 kam es zum “Bonner Bildersturm”, bei dem CDU/CSU Abgeordnete Ihre Plakate von den Wänden rissen. Gehören solche Auseinandersetzungen zum Vermittlungsprozess dazu ?

Klaus Staeck: Das kann man nicht von vornherein ausschließen. Meine Sachen sind offensiv angelegt, nicht aggressiv, das wäre die falsche Vokabel. Offensiv möchte ich schon jemanden erreichen, weil in unserer Bilderwelt auch eine offensive Bildersprache vorherrscht. Ich gehe nicht den Weg der Esoterik, nach innen gewandt, sondern bin jemand, der die Menschen in ihren Sehgewohnheiten abholen möchte. Der Bonner Bildersturm war einer der großen öffentlichen Skandale, aber gleichzeitig – so wie die Öffentlichkeit bei uns funktioniert – eine der größten Werbeaktionen, die die CDU jemals für mich gestartet hat. Ohne deren tätige Mithilfe in vielen Bereichen wären meine Sachen nicht so bekannt geworden.

Frage: Sie sind seit 1960 SPD-Mitglied und haben Plakate, Postkarten und Aufkleber für mehrere Bundestags-wahlkämpfe produziert. Auch bei der letzten Bundestagswahl 1998 haben Sie aktiv für die Einleitung der politischen Wende gekämpft, so z.B. mit dem Plakat ‚Kohl von hinten´.

Klaus Staeck: Für die Partei direkt mache ich nichts, für einzelne Personen relativ selten etwas. Ich mache zwar Plakate gegen die CDU oder NPD oder wie sie alle heißen. Das sind aber begleitende Maßnahmen. Ich schreibe nicht auf die Plakate, wähle SPD. Das würde sicherlich auch falsch verstanden werden. Aber, ich möchte schon für die Seite mitkämpfen, für die ich politisch mehr stehe, bei aller Kritik an der eigenen Gruppe. Ich wollte nie als völlig als freier Forscher über allem schweben und mahnen… Ich wollte schon in der Arena mitkämpfen und nicht nur auf der Zuschauertribüne sitzen und Zensuren verteilen.

Frage: Ihre Gegner meinten sogar, Sie seien ein “ehrenamtlicher Art Director der SPD” (vgl.. F. Küppersbusch, taz v. 26.08.1998).

Klaus Staeck: … Es ist viel Bösartigkeit über mich verbreitet worden, von ganz rechts bis ganz links. Mal war ich der Faschist, mal der Kommunist, mal der Kinderverderber, mal der Politpornograph. Manche haben sogar neue Begriffe auf meine Arbeit gemünzt. Ich stehe in sofern darüber, als ich von der Notwendigkeit meiner Arbeit überzeugt bin. Meine Arbeit dient immer der Aufklärung, bei allen Mißverständnissen, die Satire gelegentlich hervorruft. Satire muß immer einen wahren Grundgehalt haben. Vieles in meiner Arbeit beruht sogar bewußt auf den ersten Anscheinsirrtum. So z.B. bei dem Plakat “Die Reichen müssen noch reicher werden. Deshalb CDU”. Da sieht man zunächst das CDU- Zeichen, und denkt, die Partei hätte etwas mitzuteilen. Danach kommt das Stocken, und die Frage, sind die so verrückt geworden, daß die ihr seltsames Gesellschaftsmodell schon wahrheitsgemäß auf Plakate drucken ? Selbst CDU- Mitglieder waren damals verunsichert und haben in der Parteizentrale angerufen.

Frage: Auch Marcel Duchamp und Joseph Beuys benutzten Multiples, um eine bestimmte Weltanschauung oder Erkenntnis zu verbreiten. Was unterscheidet Klaus Staeck von Joseph Beuys ?

Klaus Staeck: Es gibt ein paar politische Überzeugungen, die wir nicht miteinander geteilt haben. Ich habe sogar mal eine Postkarte verlegt, auf der der von Beuys geäußerte Satz “Klaus Staeck ist mein politischer Gegner” zu lesen war. Das war auf parteipolitisches Terrain gemünzt.

Beuys war anfangs ein überzeugter Anhänger der Grünen, weil er glaubte, seine Vorstellungen würden von dieser, damals neuen Partei am ehesten umgesetzt. Eine Partei, egal wie ideal sie sein mag, ist aber nicht geeignet als Transportmittel für solche Ideen, für die Beuys stand. Anders als Beuys habe ich nie von meiner Partei erwartet, daß sie die Kunst bzw. die Gesellschaft so voranbringt, wie ich mir das immer erhofft habe.

Dann gab es einen Grunddissens in Bezug auf die direkte Demokratie. Er war immer ein leidenschaftlicher Kämpfer für direkte Demokratie. Davon halte ich nicht allzu viel, weil das immer eine gute Information voraussetzt, um eine richtige Entscheidung zu treffen. Bei den Medienverhältnissen, die wir haben, kann man das aber nicht immer vorraussetzen.

Beuys hat sehr schöne Zeichnungen gemacht, das ist bei mir eine relativ kurze Phase gewesen. Beuys hat auch große Objekte gemacht. Jeder Künstler ist auf seine Weise hoffentlich unverwechselbar.

Frage: Aber der Einsatz von multiples…?

Klaus Staeck: Ja, die Liebe zu den Multiples hat uns verbunden. Ich bin der zahlenmäßig größte Verleger von Beuys (über 200 Editionen). Er hatte immer ein sehr großes Interesse an der Verbreitung seiner Ideen durch Vehikel, d.h. Multiples, und war ein begeisterter Postkartenfreund. Ich habe ihn 1968 anläßlich einer Postkartenaktion kennengelernt. Über 80 Karten sind so im Laufe der Jahre entstanden. Zum großen Teil handelt es sich dabei um Originalentwürfe für Postkarten, nicht Verkleinerungen von anderen Arbeiten. Unser beider Gemeinsamkeit war auch das politische wirken wollen, das heute im Kunstbetrieb weniger denn je erwünscht ist. Bei Beuys hat man es noch gerade geschluckt, aber man sehnte sich nach seinen Papierarbeiten, und hat diese hochgelobt. Er wollte politisch agieren und die Kunst in die Politik tragen.

Frage: Richard Wagner, Schriftsteller, nannte Sie “den Hoffnungsträger der 1970er Jahre, die nicht enden wollen”.

Ist Ihre Arbeitsweise typisch für die 1970er Jahre ?

Klaus Staeck: Ja, das kann man sagen. Die 1970er Jahre werden im Augenblick sehr denunziert als überwundene Zeit, weil es eine politische Zeit war, und die meisten Zeitgeister möchten mit der Politik nichts mehr zu tun haben. Aber ich behaupte, der Politik kann man nicht entgehen. Deshalb mischt man sich besser ein. Man versucht sie mit zu gestalten. Wenn man das nicht tut, entscheiden andere über einen. Demokratie ist eine ständige Aufforderung zum ständigen Mitwirken und Mitdenken.

Frage: Die Studenten von heute scheinen sich aber doch wieder den 1970er zuzuwenden.

Klaus Staeck: Die Mode zumindest wird noch einmal recycled. Die 1970er kann aber nicht ohne weiteres übertragbar. Die Mediensituation ist heute eine ganz andere. Das Internet gab es damals noch nicht, eine ganz neue Kommunikationsform. Vor kurzem haben wir einen Aufruf gestartet für die Ökosteuer übers Internet. Franz Alt hatte den Aufruf auf seine homepage gestellt und ein Versandsystem entwickelt. In kürzester Zeit hatten wir hunderte von Unterschriften gesammelt, wo wir früher zahllose Briefumschläge hätten adressieren und mit Porto versehen müssen. Heute haben Sie es mit einer Generation zu tun, die vom ersten Lebensjahr mit dem Fernsehen groß geworden ist. Meine Generation ist mit der Radiokultur großgeworden. Das Fernsehen verleitet die Menschen zu einem immer gröberen Sehen, weil die Beiträge immer kürzer sind. Derjenige, der durch die Programme zappt, bekommt eigentlich gar nichts mehr richtig mit, hat nur noch Salat im Kopf. Das dient auch politischen Interessen. Ich bin immer noch jemand, der unverrückbar an die Kraft der Aufklärung glaubt. Das mag man für naiv halten, aber auch mit Mund zu Mund Beatmung kann man gelegentlich etwas erreichen, während die elektronischen Medien oft gar keinen mehr erreichen, weil sie oft keine Haltepunkte mehr bieten. Das Fernsehen bietet keine Haltegriffe mehr.

Frage: Sie haben in Ihren Arbeiten schon immer gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassimus eingesetzt. Was halten Sie vom Begriff der “deutschen Leitkultur” ?

Klaus Staeck: Das Wort der “deutschen Leitkultur” ist eine der großen Nebelkerzen, die Politiker immer dann werfen, wenn Sie nicht mehr weiter wissen. Er ist gefährlich in dieser Schwammigkeit, in diesem Wabernden, diesem Diffusem, in das man alles hineinpacken kann. Die deutsche Leitkultur gibt es nicht, kann es gar nicht geben, da sich Kultur immer weiter entwickelt, sonst wäre es eine statische Angelegenheit.

[http://www.burg-halle.de/~jstahl/multiplikatoren/Staeck-Interview.htm]

Jura in Heidelberg politische Überzeugung Marcel Duchamp

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Schmela Haus – Interview-Gespräch mit Klaus Staeck – Part 2

Promis, Beuys, Documenta
Dürer, ich führe!

1972 wollte Joseph Beuys Andreas Baader und Ulrike Meinhof über die Documenta führen. Kunst, glaubte er, könne selbst Terroristen resozialisieren. 35 Jahre später erinnert das Kunstmagazin “Monopol” an die Aktion – und fragt zehn prominente Künstler, wen sie über die Documenta führen würden.
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Es ist eine der großen, verschlungenen Kunstgeschichten der an Kunstgeschichten nicht armen Historie der Documenta in Kassel: Der Künstler Thomas Peiter trat auf der Documenta 5 im Jahr 1972 bei der Eröffnungspressekonferenz als Albrecht Dürer verkleidet auf – und blieb wegen der großen Resonanz Dauergast dieser Documenta. Immer wieder traf er auf Joseph Beuys, der ihm eines Tages, als die Diskussion über die deutschen Terroristen das Land erhitzte, zurief: “Dürer, ich führe Baader und Meinhof über die Documenta, dann sind sie resozialisiert.”

Inspiriert von diesem Ausspruch bemalte Peiter zwei Tafeln und trug sie auf Stelen durch die Documenta – es gab Raunen, Staunen und Gemurre. Die Tafeln blieben dann in Kassel liegen – bis Beuys die Sätze samt Stelen in Filzpantoffel steckte. Die Pantoffel hatte zuvor Klaus Staeck (der heutige Präsident der Akademie der Künste) gemeinsam mit seiner Mutter mit Margarine gefüllt. Bis heute ist dieses Kunstwerk, entstanden aus der Interaktion Dürer-Peiter-Staeck-Beuys, eines der wichtigsten Dokumente der Documenta-Geschichte.

Die Verwendung der Arbeit des Interaktionskünstlers Thomas Peiter von Joseph Beuys ist ein für Beuys typischer Ansatz – insofern fühlte sich Monopol ganz auf dem Boden des beuysschen Grundgesetzes, als wir im Mai Künstler, Literaten und Musiker baten, die Tafel-Idee von Thomas Peiter neu zu interpretieren. Schon Klaus Staeck, der Margarinelieferant des Kunstwerks, das sich heute in der Sammlung Speck befindet, wies darauf hin, dass nur bei “oberflächlicher Betrachtung ein Hauch von Sympathie von Beuys für den Terrorismus abgeleitet werden kann”, Beuys hielt die RAF-Terroristen vielmehr für “fehlgeleitet”. Die Künstler, die Monopol gebeten hat, diese legendäre Documenta-Aktion auf eigene Weise neu zu interpretieren, haben ihre Stelen zu Leitplanken für ganz unterschiedliche Lebenswege gemacht.

In der Summe zeigen die zehn Bilder des Fotografen Andreas Mühe, wie groß die Inspirationskraft der Documenta-Aktion noch immer ist – und wie sehr sie zu der diesjährigen Documenta passt, die nach dem Wunsch der Kuratoren Roger M. Buergel und Ruth Noack ganz von Führungen geprägt sein soll. Erst damit, so Buergel und Noack, lasse sich der ganze Kosmos der Kunst erschließen. Eventuell gilt das auch für Tony Blair – was Herbert Grönemeyer hoffen würde – und für Knut, den Eisbären, dem Durs Grünbein dringend Kunstgenuss empfiehlt.

[http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,488395,00.html]

Baader und Meinhof Documenta in Kassel Kosmos der Kunst

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Schmela Haus – Interview-Gespräch mit Klaus Staeck – Part 1

28. Februar 1938
geboren in Pulsnitz/Kreis Kamenz bei Dresden geboren
1939-56
aufgewachsen in der Industriestadt Bitterfeld (Bezirk Halle/ Saale)
1956
unmittelbar nach dem Abitur Übersiedlung nach Heidelberg
1957
da in der Bundesrepublik die DDR-Reifezeugnisse nicht anerkannt wurden, Wiederholung am Bunsen-Gymnasium in Heidelberg, anschließend Bauhilfsarbeiter
1957-62
Jura-Studium in Heidelberg, Hamburg und Berlin
1960
erste Postkarten, erste Ausstellung im Heidelberger Haus Bühl, veranstaltet vom AStA der Universität, seit 1960 Plakate und Flugblätter für den AStA und andere studentische Gruppen
seit 1. April Mitglied der SPD
1962
Referendarexamen; anschließend Referendardienst in Weinheim, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und Pforzheim
1963
nach der Organisation eines Studentenaustausches zwischen den Universitäten Heidelberg und Leipzig erste Besuche vom Verfassungsschutz, weil die damalige Bundesregierung zwar verbal für Ostkontakte eintrat, jede praktische Betätigung auf diesem Gebiet aber verfolgte
1964
erste Holzschnitte (bis 1967)
1965
Gründung des Produzentenverlags Edition Tangente
(jetzt: Edition Staeck)
1967
Kandidatur für den Heidelberger Stadtrat auf der Liste der SPD, Mitglied des Kreisvorstandes der Heidelberger SPD und der Jungsozialisten
1967 bis 1969
Kunsttutor der Studentenhochhäuser am Klausenpfad
1968
erste gemeinsame Arbeit mit Joseph Beuys
1969
Assessorexamen in Stuttgart, Zulassung als Rechtsanwalt in Heidelberg und Mannheim
Kulturfestival »intermedia ´69« mit Jochen Götze in Heidelberg
1970
1. Zille-Preis für sozialkritische Grafik in Berlin
Mitbegründer der IKI (Internationale Kunst- und Informationsmesse) Düsseldorf/Köln (heute: Art Cologne)
Beginn der Zusammenarbeit mit Gerhard Steidl
1971
Aufruf gegen die Exklusivität des Kölner Kunstmarkts (mit Joseph Beuys und Erwin Heerich), erste Plakataktion zum Dürer-Jahr in Nürnberg (»Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?«) Gastdozentur an der Gesamthochschule Kassel; Teilnahme an der »experimenta 4« in Frankfurt
1972
kreiert das »Deutsche Kunstsiegel«
produziert im Bundestagswahlkampf etwa 1 Million Plakate, Postkarten und Aufkleber, das Plakat »Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen« erscheint allein in einer Auflage von 70.000 Exemplaren, er wird von der CDU in die ersten Prozesse verwickelt (inzwischen ist 40-mal vergeblich versucht worden, ein Plakat verbieten zu lassen)
1973
Vorsitzender des mit Joseph Beuys gegründeten Vereins »Freie Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung«
Lehrauftrag an der Universität Gießen – Fachbereich Kunsterziehung
1974
im November kommt es anlässlich einer Ausstellung im Londoner Institute of Contemporary Art (ICA) unter Beteiligung des Goethe-Instituts im Rahmen des Deutschen Monats zu einem Eklat, als ein CSU-Abgeordneter gegenüber Bundesaußenminister Genscher Anstoß nimmt, worauf Genscher die Ausstellung der Staeck-Plakate nachträglich offiziell mißbilligt, breite Solidarität mit Staeck, als sich Heinrich Böll für ihn einsetzt
1976
am 30. März kommt es zum »Bonner Bildersturm«, als aufgebrachte »Abgeordnete der CDU/CSU unter Führung des späteren Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger anlässlich einer Ausstellung von Staeck-Plakaten in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn einige Plakate von den Wänden reißen. Der Vorgang wird in über 1.500 Presseberichten kommentiert, über 100 Ausstellungen schließen sich an, dabei kommt es aber auch zu über 50 Ausstellungsverhinderungen
Förderpreis der »Intergrafik« »Berlin (DDR)
1977
Bronzemedaille der Iba (Internationale Buchkunstausstellung Leipzig)
100 Tage auf der Kasseler documenta 6, Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller in der IG Druck + Papier
1978 bis 1980
erste umfassende Retrospektive »Rückblick in Sachen Kunst und Politik« in den Kunstvereinen Frankfurt und Heidelberg, Kongresshalle Berlin, Künstlerhaus Wien, Haus der Jugend Graz, Rathaus Aarhus, Kunstverein Hannover
1979
Kritikerpreis in Berlin und Goldmedaille der 4. Biennale für Fotomontage in Grudziadz/Polen
Gründung der Bürgerinitiative »Aktion für mehr Demokratie«
1980
gegen heftigen CSU-Protest wieder Ausstellungen in den Goethe-Instituten Marseille, Paris, Tel Aviv, Brüssel, New York, Chicago, San Francisco, Montreal, Toronto, Buenos Aires, Amsterdam u. a.
1981
Beginn der Aktion »Wir schreiben nicht für Springer-Zeitungen« mit Peter Rühmkorf, Günter Grass, Heinrich Böll und Walter Jens
1. Preis der Internationalen Poster-Biennale in Lahti/Finnland
1981/1982
Gastprofessur an der GHS Universität Essen
1982
Teilnahme an der documenta 7, Mitglied im P.E.N.-Zentrum
1983
Mitglied im Beirat der Humanistischen Union
Großveranstaltung »Verteidigt die Republik« in der Essener Gruga-Halle mit Heinrich Böll, Dieter Hildebrandt u.v.a.
1984
begleitet zusammen mit Joseph Beuys den Sprayer von Zürich, Harald Naegeli, vor seinem Strafantritt an die Schweizer Grenze
1986
Preis der »3. Triennale Européenne de l´Affiche politique« in Mons / Belgien, Ehrenmedaille der 11. Internationalen Grafik-Biennale in Krakow/ Polen
seit 1986
Gastprofessor an der Kunstakademie Düsseldorf
1987
Teilnahme an der documenta 8
1988
Ausstellung in Moskau
1989/1990
Retrospektive in Bonn (NRW-Landeshaus), München (Stadtmuseum), Saarbrücken (Städtische Galerie), Bitterfeld (Kreismuseum)
1990
Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin
1991
Ausstellung in Madrid (Museum für zeitgenössische Kunst)
1992
Organisation der 3. Bitterfelder Konferenz zusammen mit Eugen Blume und Christoph Tannert
während der documenta 9 Ausstellung im Container auf dem Kasseler Friedrichsplatz
1994
Projekt FLAGGE ZEIGEN
1996
Gustav-Heinemann-Bürgerpreis
1998
Initiative »Raus aus dem Stau«; »euroVISIONEN« zusammen mit Jack Lang in Berlin
1999
Kulturgroschen des Deutschen Kulturrates
2003
“Nicht in unserem Namen”
Internet-Aktion gegen den Irak-Krieg
seit 2004
Mitglied des Kultursenats des Landes Sachsen-Anhalt
2006
Wahl zum Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin
Klaus Staeck
Ohne Auftrag – Unterwegs in Sachen Kunst und Politik

Vor dreißig Jahren entwarf Klaus Staeck sein erstes Plakat – Zeit für den Künstler, Bilanz zu ziehen, sich des Erreichten zu vergewissern, Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Staeck beschreibt erstmals ausführlich seinen künstlerischen Werdegang und seine politische Sozialisation. Zahlreiche Fotos von Staeck, die einzelne Lebenssituationen, den Arbeitsprozess und verschiedenste Aktionen dokumentieren, wichtige Plakate im Großformat und vielfältige weitere Bildmaterialien erlauben zusammen mit dem Text einen umfassenden Blick auf das »Gesamtkunstwerk« Klaus Staecks.

[http://www.klaus-staeck.de/biografie/index.html]

Verteidigt die Republik Aktion für mehr Demokratie Joseph Beuys

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