Tom Schönauer – Experimental – RechteHalleBoulePiano Trailer 3

Die “Atompops” … sind ein Symbol des menschlichen Denkens, der Vernetzung aller Dinge, des Laufs der Zeit und der universalen Ordnung. Die Kugeln gelten nicht als bloße Form, sondern als Sinnbild und Initiator geistiger Aktivität.
Die Atompops setzen sich aus polierten, silbern glänzenden Edelstahlkugeln zusammen. Ihre Anordnung ist scheinbar willkürlich und asymmetrisch. Die Kugeln spiegeln sich ineinander und erzeugen in der Reflektion neue, virtuelle Räume. Aber nicht nur das: Sie sind per se in sich geschlossen und autark. Sie stehen sowohl als Symbol eines einzelnen, isolierten Elements mit einem definitiven Innen- und Außenleben, als auch als Teil eines großen Ganzen. Dies wird durch die hochglänzende Silberfläche betont, die das Bild der Außenwelt reflektiert und sie damit wieder zu einem Teil ihrer selbst macht.
Die räumliche Dimension der Kugel wird durch die zeitliche mit der Applikation von Farbe ergänzt. Dabei wird die Farbe nicht systematisch aufgetragen, sondern in einem Prozeß des gesteuerten Zufalls über die Kugeln gegossen. Die Farbe symbolisiert den Fluß der Zeit und ihre Wirkung auf die Materie.

Die “Space Paintings on Steel” sind der Beginn der dreidimensionalen Darstellung auf ebener Fläche. Dieser Arbeitsbereich entstand aus der Idee, von der 2-Dimensionalität beispielsweise der Tusch- und Aquarellzeichnung zu einer Objekthaftigkeit und Drei-Dimensionalität zu gelangen. Da Papier die Farbe aufsaugt und deshalb für dieses Konzept ungeeignet ist, entschied sich der Künstler für das ihm vertraute Material, nämlich den Stahl. Dieser bietet der Flüssigkeit lediglich eine Basis und erlaubt dem nassen Farbauftrag die Bildung einer reliefartigen Struktur. In den Space Paintings werden quasi verschiedene Ebenen eines Skulpturenensembles wiedergegeben: Ansicht, Grundriß und Aufsicht.

In den “CT-Paintings”, den Computer-Tomography-Paintings, verdichtet Schönauer diese Technik und setzt das Thema Materialität und Immaterialität fort. Diese Technik wurde über viele Jahre in Kooperation mit einem Industrielackproduzenten entwickelt. Vereint wird in dieser Serie ein langwieriger Entwicklungsprozeß mit einer geradezu improvisatorisch anmutenden Malweise. Der kreative Akt ist kurz, basiert jedoch auf intensiver Vorarbeit und eingehender mentaler Konzeption. Er kulminiert in einem Augenblick äußerster Konzentration.
Und führt das Thema Materialität und Immaterialität aus der Bildhauerei fort.
Zur Verwendung kommen lediglich fünf Grundfarben: Weiß, Gelb, Rot, Blau und Schwarz. Als Flüssigpigmente werden sie einem Muttergebinde aus Epoxydharz und Quarzsand beigegeben. Nach der Applikation der Farbkomposition auf die Stahlplatte setzt ein organischer Prozeß ein: Die Farben arbeiten eigenständig. Sie laufen aus- und ineinander, reagieren aufeinander, verändern ihren Ton, unterdrücken das ein oder andere Pigment oder setzen es frei. In dieser Osmose werden Linien zu einer Fläche und Flächen verbinden sich zu Landschaften. Die Reliefhaftigkeit ergibt sich sowohl durch die Schichtung des Materials als auch durch die Farben selbst. Die CT-Paintings sind ein Studienobjekt klassischer Farbtheorie. Sie zeigen das Verhalten der fünf Grundtöne, ja sie lassen sogar mitunter ihr unterschiedliches spezifisches Gewicht erkennen. Allein aufgrund ihrer inhärenten Qualität erzeugen die Farben einen räumlichen Eindruck. Selbst auf gleicher Ebene treten Gelb und Rot optisch stets in den Vordergrund, wogegen blaue und dunkle Töne in den Hintergrund weichen. Die Tiefenräumlichkeit ergibt sich aus der unterschiedlichen Wirkung der einzelnen Nuancen.
(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Technik menschliches Denken Farbe Kugel Tom Schönauer

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Tom Schönauer im Gespräch mit Carl Friedrich Schroer Part 2

Der Zusammenhang von Himmel und Kunst gehörte zu den festen und selbstverständlichen Grundannahmen aller Kulturen. Nicht nur Luther reklamierte für die Musik eine direkte himmlische Abstammung („von dem Himmel selbst gekommen“), über Jahrhunderte wurden auch die Poesie und die bildenden Künste voller Emphase als Abkömmlinge des Himmlischen gefeiert. Schon deshalb muss man hellhörig werden, wenn der Bildhauer Thomas Schönauer eine Serie seiner neuen Stahlplastiken “Skyfall” oder auch „Skydrops“ nennt.
Durch die Verwendung des Englischen mit seiner Unterscheidung zwischen sky und heaven hat er sich zwar ein wenig, aber doch nicht wirklich aus der Traditionslinie genommen. Der deutsche Himmel führt uns zwar nie in die Irre, wie könnte er auch, aber er führt uns doch sogleich und unausweichlich in die Gefilde der Metaphysik, die der Künstler mit seinen Werktiteln so direkt nicht anzusteuern scheint. Wer Vorsicht walten lässt, kann den Mehrwert des deutschen Wortes „Himmel“ aber vielleicht doch gewinnbringend anlegen. Allerdings müssen wir bei der Übersetzung in unser geliebtes Deutsch auf der Hut sein. Die wörtliche Übertragung, der „Himmelfall“ – das Wort gibt es wirklich – oder „Himmelsturz“, meint die größte aller möglichen Katastrophen, den Einsturz des Himmelsgebäudes, das Auseinanderbrechen des Kosmos, den völligen Ordnungsverlust. Das ist hier nicht gemeint. Oben und unten bleiben unterscheidbar, es gibt einen Ort, von wo etwas herabfällt und es gibt Dinge, die herabfallen. Ich möchte die Übersetzung “Vom Himmel gefallen” riskieren, auch weil der Ausdruck in mehrfacher Hinsicht auf das Werk von Thomas Schönauer zuzutreffen scheint.
Denn jener himmlische Fallout, jene merkwürdigen Gebilde, müssen tatsächlich aus einer Welt stammen, die nicht die unseres Alltags ist. Das erkennt man bereits daran, dass sie zu nichts nutze sind, zumindest erschließt sich kein Nutzen auf den ersten Blick. Vielleicht könnten sie taugen als Modelle für die Baupläne irgendwelcher Zellgebilde, aber auch hier wäre der Nutzen gering angesichts der Tatsache, dass solche Modelle sich für das große Publikum ins Ornamentale auflösen. Immerhin hat der Künstler Assoziationen zu molekularen Strukturmodellen selbst herausgefordert, indem er Werktitel wie “Doppelfelix” vergab. Auch an eine ohne Rücksicht auf Schwerkraft oder Reibung wuchernde Weltraumarchitektur könnte man denken, zumal der Name „Skyfall“ in der Fantasy-Literatur mehrfach als Planetenname Verwendung fand. Und auf manchen Bildschirmschonern fallen ganz ähnliche Figuren aus dem virtuellen Himmel. „Skyfall“ – Himmelsabfall, auch das eine gedankliche Verbindung. Das Wort Abfall ist in mehrerer Hinsicht lesbar. Es kann das bezeichnen, das sich vom Himmel losgesagt, getrennt hat, in die Sphäre des Irdischen eingetreten ist und sich unter uns seinen Platz gesucht hat. Es kann aber auch eine Art von himmlischem Müll meinen, etwas, das bei Reinigungs- oder Umbauarbeiten im Himmel angefallen ist und nun in die Anziehungskraft der Erde geraten und auf ihr gelandet ist. Alles Assoziationen, die beim Anblick der Kunstwerke nicht so weit weg liegen.

Aber schauen wir noch einmal genauer hin: Die Elemente, die sich da, verbunden durch betont unauffällige Stege, aufeinander türmen und teilweise gegen den Mittelpunkt verschoben und von permanenter Instabilität bedroht übereinander und aneinander reihen, haben eine ziemlich amorphe Form. Gerade Kanten kontrastieren mit gewölbten Flächen, die Körper wirken kompakt und zugleich doch geschwungen. Schon die kontrastreiche Form der Einzelelemente begründet die Andersartigkeit und Eigenständigkeit der Skulpturen. Und das Spiel mit den Kontrasten setzt sich fort, denn dem Künstler gelingt es, die massiven Formen in ein bewegtes und bewegliches Verhältnis zueinander zu bringen. Diese Art von Beweglichkeit hat sich in den neuen Arbeiten im Vergleich zu früher sogar noch einmal gesteigert. Sie stehen wirklich da, als seien sie eben vom Himmel gefallen, in ihrer Abwärtsbewegung abrupt gebremst worden, sie zittern gewissermaßen noch vom Aufprall, wie ein Speer, der im Boden stecken bleibt, und weisen auch schon wieder nach oben, nach dem geheimnisvollen Ort ihrer Herkunft. Diese doppelte Verweisung – von oben und nach oben – erinnert mich an Goethes wunderbaren „Gesang der Geister über den Wassern“: „Der Menschen Seele/ Gleicht dem Wasser:/ Vom Himmel kommt es,/ Zum Himmel steigt es,/ Und wieder nieder/ Zur Erde muß es,/ Ewig wechselnd“, heißen die Eingangsverse des Gedichts. Von Goethe lernen heißt, fürs Leben lernen: Verweisen diese skulpturalen Zeichen, die aus einer anderen in unsere Welt gefallen sind, möglicherweise auf uns, auf unsere Seelen und ihre Unbehaustheit zwischen Geist und Körper, Ideal und Leben, Freiheit und Notwendigkeit? Begegnen wir uns in ihnen am Ende selbst, unserer eigenen Rätselhaftigkeit und unseren Widersprüchen? Auf jeden Fall sind es Zeichen, und es ist vor allem die Farbigkeit der Skulpturen, die darauf aufmerksam macht, dass die Zeichen uns gelten. Farben sind immer und überall Signalgeber. Hier verweisen sie auf uns. Es sind unsere Farben, Farben, die mit uns zu tun haben, unserer Gegenwart, unserem Leben: das intensive Rot, das Gelb, auch das kräftige Violett. Der Künstler hat diesen lebensweltlichen Aspekt noch dadurch verstärkt, dass er den Oberflächen die Malspuren ebenso beließ wie Kratzer und Einkerbungen.
Farbigkeit, Beweglichkeit, Zusammenklang: Das ist die eine Seite dieser Kunstwerke. Darunter liegt das Material, der Stahl mit seinen genau konträren Eigenschaften von Unfarbe, Starre und Härte. Das ist ein Aspekt, den ich an den Arbeiten von Thomas Schönauer stets besonders bemerkenswert fand: dieses Vermitteln von Kontrasten, die man sich eigentlich extremer kaum vorstellen kann. Das beinahe Vegetative und Bewegliche der Formen, die Leichtigkeit der Bewegungen steht neben der völligen Starrheit und großen Schwere des Werkstoffs, mit dem er umgeht. Dieser Akt der Befreiung aus der Materialität, das Übersteigen der Notwendigkeiten, der damit verbundene Ausblick in eine andere, freiere Welt, das ist es was die Kunst ausmacht, was auch die Kunst von Thomas Schönauer ausmacht.

Das gilt auch für jene Gebilde, die er neuerdings als „Atompops“ vor unsere Augen bringt. Der Name verweist auf molekulare Modelle, Haufen aus Atomen, den kleinsten, „unzerschneidbaren“ Bausteinen und Grundeinheiten aller Materie; er führt damit zugleich in die Sphäre der Physik, der Wissenschaft, die sich um die Baupläne der Welt kümmert. Auch solche Baupläne vermögen wir uns nicht anders als in Bildern vorzustellen. Mit diesen Bildern spielt der Künstler, wenn er dem Wissenschaftswort ‚Atom’ das schwer zu bestimmende ‚pop’ anhängt. Einerseits deutet der Wortteil ‚pop’ auf die Kugelform und den Zusammenhang der einzelnen Elemente der Skulpturen, die, ähnlich wie die Kohlensäure in der Flüssigkeit oder das ‚aufgepopte’ Maiskorn, aneinanderkleben, ohne Verbindungselemente zu benötigen. Solche Assoziationen werden allerdings gekreuzt und durchbrochen von der Bedeutung von ‚Pop’ als Name für eine kulturelle Strömung, die insbesondere auf die Aufhebung der Trennung von Kunst und Alltagswelt zielte, alle Lebensbereiche ins Künstlerische erheben und alle Kunstbereiche vom Podest zurück ins Leben holen wollte. Der Name „Atompops“ verbindet also strengste denkbare Wissenschaftlichkeit mit einem allumfassenden Kunstanspruch. Und genauso sehen die Skulpturen denn auch aus. Es ergeben sich eigenartige Kugelhaufen, Ballungen und Verbindungen von Kugeln unterschiedlicher Größe, teilweise geschlossen, dann nach verschiedenen Richtungen sich öffnend, dabei die Gesetze der Schwerkraft scheinbar ignorierend. Durch den Wegfall der Stege wurde ihnen die Beweglichkeit der Skyfalls genommen. Die Bewegung – und damit auch der Kontrast – kommt hier aus der Farbe, die nicht aufgetragen wurde, sondern aufgeflossen, teilweise herab getropft ist. Es handelt sich dabei um farbigen Epoxydharz, der eine sehr ausgeprägte Struktur auf der Oberfläche der Kugeln produziert, die unregelmäßig ist, aber doch, insbesondere, wenn man die Atompops zusammen sieht, nicht zufällig erscheint.

Aber was heißt schon zufällig? In der Kunst gibt es keine Zufälle, da es in ihr keine Zwecke und so auch keine Notwendigkeiten gibt. Sie entwirft Bilder der Welt jenseits der realen Zwänge, zeigt uns absichtslos-spielerisch die Strukturen der Dinge, ihren Kern. Verstehen lernen wir im Umgang mit der Kunst, uns und die Welt verstehen, und der Weg hin zu diesem Verstehen führt über die Bilder, die die Kunst uns und die wir uns mit ihr von den Dingen, von der Welt machen. „Wir machen uns Bilder von den Tatsachen.“ Dieses Wir meint alles menschliche Streben nach Erklärung, Verständnis, Herrschaft, es umgreift alle Formen der Annäherung an die Welt, neben der künstlerischen, wo es besonders evident ist, auch die wissenschaftliche Annäherung. Stets sind Bilder im Spiel, und in solchen Bildern liegen schließlich auch die Berührungspunkte zwischen Kunst und Wissenschaft. Man denke an die Zeichnungen von Finkenschnäbeln, die Charles Darwin von seiner Reise mitbrachte; oder an das Strukturmodell der DNA, den berühmten Doppelhelix von Francis Crick und James Watson, der ja nichts anderes ist als eine Zeichnung bzw. eine Skulptur. Die „Atompops“ platzieren sich schon durch ihren provozierenden Titel, aber auch in ihrer Machart in dieser Grenzregion zwischen künstlerischem und wissenschaftlichem Bild

Diese Grenzregion erkundet Thomas Schönauer besonders intensiv in seinen neuesten Arbeiten, den „ct-Paintings“. Es handelt sich um Stahlflächen, auf die dickflüssiger farbiger Epoxydharz so aufgebracht wird, dass er sich selbständig auf der Fläche verteilt, dabei Muster und neue Farbabstufungen bildet und wuchernde, an vegetatives Material erinnernde dreidimensionale Strukturen schafft. Angeregt sind diese Arbeiten von dem medizinischen Verfahren der „Computer Tomographie“, worunter die Möglichkeit zu verstehen ist, einen Körper per Röntgentechnik Schicht für Schicht aus verschiedensten Richtungen aufzunehmen und anschließend im Computer dreidimensional abzubilden. Zur Verdeutlichung werden in solchen Darstellungen die verschiedenen Strukturen und Bereiche gewöhnlich farblich gekennzeichnet. Der medizinisch gebildete Betrachter vermag dann Knochen, Muskelfasern, Nerven, Blutgefäße etc. voneinander zu unterschieden. Schaut man als Laie auf solche CTs sieht man vor allem eine farbige Komposition, die die Neugierde weckt und unseren ästhetischen Sinn anspricht. Es löst sich eine Flut von Assoziationen beim Anblick der ineinander verschlungenen, mal zerfließenden, mal scharf konturierten Farbfelder, deren Verhältnis zu einander in Form und Farbigkeit ganz selbstverständlich nach Interpretation, nach Verstehen verlangt.
Dieser Prozess wird auch nicht dadurch unterbrochen, dass ein Fachmann uns darüber aufklärt, wofür die einzelnen Felder und Farben stehen und was sie in medizinischer Hinsicht bedeuten. Die Kunst hat, insbesondere im 20. Jahrhundert, mit ihren Mitteln nicht nur auf die Technisierung der Welt, sondern auch auf die neuen Bilder von der Welt reagiert, seien sie durch neue Verfahren wie die Fotographie oder auch nur durch eine andere Bewertung der Überlieferung erzeugt worden. Die elektronische Revolution der letzten Jahrzehnte hat diesen Prozess wieder in eine neue Phase eintreten lassen, und es ist nur selbstverständlich, dass die Kunst auch hierzu Stellung nimmt. Im Blick auf die Unterscheidung von Kunst und Wissenschaft war ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung die Einsicht darin, dass es nicht die Bilder selbst sind, die den Unterschied zwischen Wissenschaft und Kunst ausmachen, sondern nur die Perspektive auf die Bilder. Künstlerischer und wissenschaftlicher Blick sind keine sich ausschließende, sondern komplementäre Annäherungswege an die Welt. Die Bemühung der modernen Wissenschaft, gewissermaßen Schicht für Schicht in das Innenleben des menschlichen Körpers einzudringen, Dinge und Zusammenhänge, die bislang unsichtbar waren, zu entdecken und über Bilder anschaulich zu machen, verlaufen parallel zu den Anstrengungen der Kunst. Die CT-paintings von Thomas Schönauer stehen in der postmodernen Tradition einer Kunst, die diese Komplementarität dadurch zu ihrem Thema macht, dass sie sie ins Bild setzt.

Lassen sich die CT-paintings so auf eine Auseinandersetzung mit neuen technischen Bildgebungsverfahren ein, die unter dem Begriff „imaging“ laufen (Computersprache für Malerei), und setzen sie auf diese Weise einen neuen Akzent im letzten Werkabschnitt von Thomas Schönauer, so stehen sie über das Material und die Art, Kontraste und Gegensätze in sich aufzunehmen, deutlich in der Linie seiner früheren Arbeiten. Insgesamt reiht diese Kunst aber ein in einer Tradition, die zurückreicht bis zu den Grundlagen der Moderne, den deutschen Romantikern mit ihrem umfassenden Syntheseprogramm. Für Friedrich Schlegel waren die Erfinder der modernen Physik eher Künstler als Wissenschaftler. Einen Unterschied zwischen Kunst und Wissenschaft wollte er nicht gelten lassen, und erst recht keinen zwischen Kunst und Leben. Das war und ist die eigentliche, die entscheidende Grenze, an der die Künstler sich abarbeiten. Thomas Schönauer ist es gelungen, mit seinem Werk diese Grenze hinter sich zu lassen. Seine Kunst ist im Leben angekommen, sie ist „vom Himmel gefallen“.

„Vom Himmel gefallen“, Zum Werk Thomas Schönauers, Bernd Kortländer

Himmel des Thomas Schönauer – Assoziation und Atompop Kunst

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Tom Schönauer – Experimental – Gespräch – RechteHalleBilderGurdonark Trailer 5b

Die “Space Paintings on Steel” sind der Beginn der dreidimensionalen Darstellung auf ebener Fläche. Dieser Arbeitsbereich entstand aus der Idee, von der 2-Dimensionalität beispielsweise der Tusch- und Aquarellzeichnung zu einer Objekthaftigkeit und Drei-Dimensionalität zu gelangen. Da Papier die Farbe aufsaugt und deshalb für dieses Konzept ungeeignet ist, entschied sich der Künstler für das ihm vertraute Material, nämlich den Stahl. Dieser bietet der Flüssigkeit lediglich eine Basis und erlaubt dem nassen Farbauftrag die Bildung einer reliefartigen Struktur. In den Space Paintings werden quasi verschiedene Ebenen eines Skulpturenensembles wiedergegeben: Ansicht, Grundriß und Aufsicht.

In den “CT-Paintings”, den Computer-Tomography-Paintings, verdichtet Schönauer diese Technik und setzt das Thema Materialität und Immaterialität fort. Diese Technik wurde über viele Jahre in Kooperation mit einem Industrielackproduzenten entwickelt. Vereint wird in dieser Serie ein langwieriger Entwicklungsprozeß mit einer geradezu improvisatorisch anmutenden Malweise. Der kreative Akt ist kurz, basiert jedoch auf intensiver Vorarbeit und eingehender mentaler Konzeption. Er kulminiert in einem Augenblick äußerster Konzentration.
Und führt das Thema Materialität und Immaterialität aus der Bildhauerei fort.
Zur Verwendung kommen lediglich fünf Grundfarben: Weiß, Gelb, Rot, Blau und Schwarz. Als Flüssigpigmente werden sie einem Muttergebinde aus Epoxydharz und Quarzsand beigegeben. Nach der Applikation der Farbkomposition auf die Stahlplatte setzt ein organischer Prozeß ein: Die Farben arbeiten eigenständig. Sie laufen aus- und ineinander, reagieren aufeinander, verändern ihren Ton, unterdrücken das ein oder andere Pigment oder setzen es frei. In dieser Osmose werden Linien zu einer Fläche und Flächen verbinden sich zu Landschaften. Die Reliefhaftigkeit ergibt sich sowohl durch die Schichtung des Materials als auch durch die Farben selbst. Die CT-Paintings sind ein Studienobjekt klassischer Farbtheorie. Sie zeigen das Verhalten der fünf Grundtöne, ja sie lassen sogar mitunter ihr unterschiedliches spezifisches Gewicht erkennen. Allein aufgrund ihrer inhärenten Qualität erzeugen die Farben einen räumlichen Eindruck. Selbst auf gleicher Ebene treten Gelb und Rot optisch stets in den Vordergrund, wogegen blaue und dunkle Töne in den Hintergrund weichen. Die Tiefenräumlichkeit ergibt sich aus der unterschiedlichen Wirkung der einzelnen Nuancen.
(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Farbe Materialität und Immaterialität CT-Paintings Tom Schönauer

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Tom Schönauer im Gespräch mit Carl Friedrich Schroer Part 1

Kreativprozess

Jedem Kreativprozess folgt optimalerweise die Umsetzung oder Materialisierung – Ideen, Gedanken, Skizzen sind die Voraussetzung für das Ausgestalten in irgendein Material, in meinem Falle vorzugsweise in Stahl.
Und dieser Prozess ist erst einmal ein unkünstlerischer, eher ein technischer, kühler, pragmatischer. Statischen Berechnungen folgen das Erstellen von Materiallisten, schließlich die Bestellungen.
Zuverlässige und partnerschaftliche Beziehungen haben sich seit über 20 Jahren zu meinem Stahllieferanten Klöckner & Co entwickelt. Auf kurzem kommunikativen Wege werden Détails geklärt und dann kommt der Tag der Lieferung.
Man kennt sich. LKW-Fahrer und Künstler sind ein eingespieltes Team, tonnenschwere Holzpaletten mit nach Maßen konfigurierten Rohmaterialien, den Blechen und Rohren, werden gemeinsam entladen. Ohne Stapler, wachsames Auge und Bedacht geht gar nichts.
Der Roh-Stoff liegt im Atelier, die Arbeit kann beginnen.

Millstone

Die Volksbank Sullingen feiert ihren 100. Geburtstag und möchte den Kunden, den Bürgern der Stadt und sich selbst ein besonderes Geschenk bereiten. Der Neubau der Bank auf einem zentralen Platz der Stadt überzeugt durch Qualität und zeugt von Selbstbewusstsein. Vor den zentralen Eingang soll das Geschenk zu stehen kommen – eine monumentale zeitgenössische Skulptur.
Die Aufgabe wurde nicht leichter, weil die Integration eines alten Mühlsteins in das Kunstwerk Bedingung war. Die Bank sah sich der Tradition des Ortes und dem Vorbesitzer des Grundstücks, einem Großmühlenbetrieb, verpflichtet.
Meine Lösung: der Mühlstein wird das Fundament der Skulptur und nicht mehr er selbst dreht sich, sondern die Skulptur kreist einmal pro Stunde auf ihm um die eigene Achse.
Eine aufwändige und wartungsfreie Mechanik wurde entwickelt und in dem edelstählernen Sockel untergebracht. Die Skulptur musste transportbedingt zweiteilig konstruiert und vor Ort montiert werden.
Alles gelang reibungslos, die verhüllte Skulptur wartete auf Ihre Einweihung, heute besitzt Sullingen in der Skulptur ein neues Wahrzeichen.

(Tom Schoenauer)

Skulptur Geschenk Tom Schönauer Bank Beziehungen haben

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Tom Schönauer im Gespräch mit Carl Friedrich Schroer Part 3

Seit einigen Jahren führen Wissenschaftler eine aufschlussreiche historische Debatte um das Thema Polychromie und bildhauerische Ästhetik. Erst daher wissen wir, dass die Empfindung des deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) von „edler Einfalt und stiller Größe“ angesichts antiker, monochromer Skulpturen einem zeitgenössischen Pathos entsprang, das sich zwei Jahrhunderte lang in der europäischen und amerikanischen Kunstwelt behauptete, ohne nachhaltig kritisch hinterfragt worden zu sein. Heute lässt sich Winckelmanns Zitat allenfalls noch eingeschränkt treffend zitieren, nachdem nunmehr bekannt ist, dass Bildhauer der Neuzeit zwar enorm von der Antike inspiriert wurden, ihr künstlerischer Impetus zur Produktion monochromer Skulptur allerdings vollständig auf ihrer Ignoranz der antiken Polychromie basiert. Antonio Canova (1757-1822) gehört zu den extremen Vertretern des klassizistischen Geschmacksideals, das grundsätzlich den sinnlichen Einsatz von Farbe auf Skulptur ablehnte. Diabolische Farbigkeit, Farbe als Geste sinnlicher Verführung, dem gegenüber stellte Canova das klassizistische Antikenbild, die ästhetische Reinheit. Zum Ausdruck gebracht wurde sie in der Farbe natürlicher Materialien, am makellosesten in weißem Marmor. Auguste Rodin (1840-1917), Aristide Maillol (1861-1944) oder Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), um nur drei bedeutende Wegbereiter der Moderne zu nennen, sind Vertreter dieser “reinen” Skulptur geblieben. Im 20. Jahrhundert setzte ein wahrer Kult um die Unverfälschtheit des Materials ein, Illusionismus traf auf strenge Ablehnung.

Schönauers Objektbilder lassen einen Tropf- bzw. Gießvorgang des unterschiedlich viskosen Malmaterials nachlesen. Der langsam auf dem Edelstahlblechträger erstarrte Acryllack ruft insbesondere bei den “steel-paintings” Assoziationen an Organisches hervor. Die “ct-paintings” hingegen, bei denen die Farbpigmente auf dem Trägermaterial physikalisch weitgehend voneinander getrennt bleiben und dadurch Raumtiefe erzeugen, präsentieren Formationen mit morphologischen und topographischen Assoziationen. Erinnerungen an Satellitenaufnahmen aus dem All oder endoskopische Aufnahmen aus dem Inneren eines Menschen stellen sich ein. Mal glaubt man das Aufblühen einer roten Blume im Zeitraffer als explosionsähnliche Momentaufnahme zu erkennen, mal das Dahingurgeln eines klaren hellblauen Baches, mal einen grünen Landstrich mit Flusslauf aus der Vogelperspektive.
Chronologisch gesehen, gehört die von Schönauer mit seinen Objekt-Bildern gewonnene experimentelle Erfahrung, was den Erstarrungsprozess des Farbmaterials anbelangt, auch zum Erscheinungsbild seiner aktuellen “atompops”-Skulpturen (2008/2009). In ihnen fand Schönauer wiederum zu neuer Ausdrucksform: Wo bislang scheinbar präzise Formen bei Annäherung mit ausgeklügelter Abweichung überraschten, präsentieren sich nun veritable, hochglänzende Edelstahlkugeln statuarisch aufeinander getürmt. Als Manifestationsform für Farbmaterial irritieren sie die Wahrnehmung nicht im Geringsten. Irritierend ist, dass bei einigen von ihnen das applizierte Epoxydharz-Gemisch konform mit der Aufwärtsbewegung der Skulptur aber kontrovers zur Schwerkraft erhärtet ist. Schönauer bedient sich hier nochmals einer größeren Materialsichtigkeit, diesmal mit Spiegeleffekten. Eine Seelen-Innenansicht, wie bereits oben etwa für “Refuge” angesprochen, lassen die “atom-pops” nicht zu. Sie bilden virtuelle Raumausschnitte ab, nehmen die Außenwelt bewusst auf und spiegeln sie in konvexer Perspektive. Einer der letzten Skulptur-Entwürfe “Barrack” für einen Investor in Dubai präsentiert einen erheblichen Glanzkontrast zwischen der natürlichen farbigen Qualität des grob geschliffenen Edelstahls einerseits und dem applizierten, gelb-orange, matt getrockneten Epoxydharz andererseits. Wiederum entgegen der natürlichen Schwerkraft überziehen feinen Farbstreifen, hier erstarrt in irritierenden Diagonallinien, die matt glänzende Skulptur, ein derzeit letztes Dokument des stetigen Wandels im mannigfaltigen Kunstspektrum Schönauers.

(Auszug aus: FARBE UND SKULPTUR, von Barbara Schildt-Specker)

Skulptur Tom Schönauer Farbe Schwerkraft Assoziation

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Tom Schönauer – Experimental – Gespräch – RechteHalleBouleCondor Trailer 4c

Eein Symbol des menschlichen Denkens sind die “Atompops” , der Vernetzung aller Dinge, des Laufs der Zeit und der universalen Ordnung. Die Kugeln gelten nicht als bloße Form, sondern als Sinnbild und Initiator geistiger Aktivität.
Die Atompops setzen sich aus polierten, silbern glänzenden Edelstahlkugeln zusammen. Ihre Anordnung ist scheinbar willkürlich und asymmetrisch. Die Kugeln spiegeln sich ineinander und erzeugen in der Reflektion neue, virtuelle Räume. Aber nicht nur das: Sie sind per se in sich geschlossen und autark. Sie stehen sowohl als Symbol eines einzelnen, isolierten Elements mit einem definitiven Innen- und Außenleben, als auch als Teil eines großen Ganzen. Dies wird durch die hochglänzende Silberfläche betont, die das Bild der Außenwelt reflektiert und sie damit wieder zu einem Teil ihrer selbst macht.
Die räumliche Dimension der Kugel wird durch die zeitliche mit der Applikation von Farbe ergänzt. Dabei wird die Farbe nicht systematisch aufgetragen, sondern in einem Prozeß des gesteuerten Zufalls über die Kugeln gegossen. Die Farbe symbolisiert den Fluß der Zeit und ihre Wirkung auf die Materie.

Die “Space Paintings on Steel” sind der Beginn der dreidimensionalen Darstellung auf ebener Fläche. Dieser Arbeitsbereich entstand aus der Idee, von der 2-Dimensionalität beispielsweise der Tusch- und Aquarellzeichnung zu einer Objekthaftigkeit und Drei-Dimensionalität zu gelangen. Da Papier die Farbe aufsaugt und deshalb für dieses Konzept ungeeignet ist, entschied sich der Künstler für das ihm vertraute Material, nämlich den Stahl. Dieser bietet der Flüssigkeit lediglich eine Basis und erlaubt dem nassen Farbauftrag die Bildung einer reliefartigen Struktur. In den Space Paintings werden quasi verschiedene Ebenen eines Skulpturenensembles wiedergegeben: Ansicht, Grundriß und Aufsicht.

In den “CT-Paintings”, den Computer-Tomography-Paintings, verdichtet Schönauer diese Technik und setzt das Thema Materialität und Immaterialität fort. Diese Technik wurde über viele Jahre in Kooperation mit einem Industrielackproduzenten entwickelt. Vereint wird in dieser Serie ein langwieriger Entwicklungsprozeß mit einer geradezu improvisatorisch anmutenden Malweise. Der kreative Akt ist kurz, basiert jedoch auf intensiver Vorarbeit und eingehender mentaler Konzeption. Er kulminiert in einem Augenblick äußerster Konzentration.
Und führt das Thema Materialität und Immaterialität aus der Bildhauerei fort.
Zur Verwendung kommen lediglich fünf Grundfarben: Weiß, Gelb, Rot, Blau und Schwarz. Als Flüssigpigmente werden sie einem Muttergebinde aus Epoxydharz und Quarzsand beigegeben. Nach der Applikation der Farbkomposition auf die Stahlplatte setzt ein organischer Prozeß ein: Die Farben arbeiten eigenständig. Sie laufen aus- und ineinander, reagieren aufeinander, verändern ihren Ton, unterdrücken das ein oder andere Pigment oder setzen es frei. In dieser Osmose werden Linien zu einer Fläche und Flächen verbinden sich zu Landschaften. Die Reliefhaftigkeit ergibt sich sowohl durch die Schichtung des Materials als auch durch die Farben selbst. Die CT-Paintings sind ein Studienobjekt klassischer Farbtheorie. Sie zeigen das Verhalten der fünf Grundtöne, ja sie lassen sogar mitunter ihr unterschiedliches spezifisches Gewicht erkennen. Allein aufgrund ihrer inhärenten Qualität erzeugen die Farben einen räumlichen Eindruck. Selbst auf gleicher Ebene treten Gelb und Rot optisch stets in den Vordergrund, wogegen blaue und dunkle Töne in den Hintergrund weichen. Die Tiefenräumlichkeit ergibt sich aus der unterschiedlichen Wirkung der einzelnen Nuancen.
(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Farbe Kugel Tom Schönauer Materialität und Immaterialität Fläche

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Tom Schönauer im Gespräch mit Carl Friedrich Schroer – Gesamt

Thomas Schönauer (* 1953 in Düsseldorf) ist ein deutscher bildender Künstler. Seine Werke sind sowohl im öffentlichen Raum als auch in privaten und institutionellen Sammlungen vertreten.

Thomas Schönauer ist ein Meister der Verwandlung, was besonders deutlich in den “Skydrops” wird. Er arbeitet vorzugsweise mit Stahl, einer gehärteten Metallegierung, der allgemein Stabilität, Dauerhaftigkeit und Widerstandskraft zugeschrieben wird. Der Bildhauer geht jedoch über diese Eigenschaften hinaus. Er verleiht dem Schwergewicht Stahl eine unerwartete Leichtigkeit. Durch die aufmerksame Beobachtung und ständige Arbeit mit dem Material macht er es zu einem Stoff, dessen Eigenschaften er in sich aufnimmt und in letzter Konsequenz transzendiert. Daher erscheinen die Skulpturen Schönauers schwer und leicht zugleich und sind trotz ihres Gewichts meist beweglich. Sie erinnern an die alchimistischen Vereinigungen von Gegensätzen. (Auszug aus: Ursula Lytton, Katalog: Thomas Schönauer 2008+)

Der “Skydrop” ist, wie der Name sagt, keine Skulptur, die aus dem Boden emporwächst, sondern eine aus dem Himmel herabfallende. Ihr optimaler Standort ist ein Inselplatz, der nicht zur Begehung, sondern zur Betrachtung von außen vorgesehen ist. Das Geheimnis dieser Skulpturenserie liegt in der dynamischen Bewegung von-oben-nach-unten und den unterschiedlichen Eindrücken, die sich dem Betrachter bei der Umgehung aus den verschiedenen Blickwinkeln bieten. Der Skydrop ist im Gegensatz zu den Metaphysischen Skulpturen eher eine Zuordnung der Volumen zueinander, die durch den freien Raum zwischen den Segmenten bestimmt wird. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten wird der Raum jedoch nicht eingeschlossen. Vielmehr handelt es sich um eine Definition im Raum, vorher dagegen um eine Relation zum Raum. (Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Die “Atompops” … sind ein Symbol des menschlichen Denkens, der Vernetzung aller Dinge, des Laufs der Zeit und der universalen Ordnung. Die Kugeln gelten nicht als bloße Form, sondern als Sinnbild und Initiator geistiger Aktivität.
Die Atompops setzen sich aus polierten, silbern glänzenden Edelstahlkugeln zusammen. Ihre Anordnung ist scheinbar willkürlich und asymmetrisch. Die Kugeln spiegeln sich ineinander und erzeugen in der Reflektion neue, virtuelle Räume. Aber nicht nur das: Sie sind per se in sich geschlossen und autark. Sie stehen sowohl als Symbol eines einzelnen, isolierten Elements mit einem definitiven Innen- und Außenleben, als auch als Teil eines großen Ganzen. Dies wird durch die hochglänzende Silberfläche betont, die das Bild der Außenwelt reflektiert und sie damit wieder zu einem Teil ihrer selbst macht.
Die räumliche Dimension der Kugel wird durch die zeitliche mit der Applikation von Farbe ergänzt. Dabei wird die Farbe nicht systematisch aufgetragen, sondern in einem Prozeß des gesteuerten Zufalls über die Kugeln gegossen. Die Farbe symbolisiert den Fluß der Zeit und ihre Wirkung auf die Materie.

Die “Space Paintings on Steel” sind der Beginn der dreidimensionalen Darstellung auf ebener Fläche. Dieser Arbeitsbereich entstand aus der Idee, von der 2-Dimensionalität beispielsweise der Tusch- und Aquarellzeichnung zu einer Objekthaftigkeit und Drei-Dimensionalität zu gelangen. Da Papier die Farbe aufsaugt und deshalb für dieses Konzept ungeeignet ist, entschied sich der Künstler für das ihm vertraute Material, nämlich den Stahl. Dieser bietet der Flüssigkeit lediglich eine Basis und erlaubt dem nassen Farbauftrag die Bildung einer reliefartigen Struktur. In den Space Paintings werden quasi verschiedene Ebenen eines Skulpturenensembles wiedergegeben: Ansicht, Grundriß und Aufsicht.

In den “CT-Paintings”, den Computer-Tomography-Paintings, verdichtet Schönauer diese Technik und setzt das Thema Materialität und Immaterialität fort. Diese Technik wurde über viele Jahre in Kooperation mit einem Industrielackproduzenten entwickelt. Vereint wird in dieser Serie ein langwieriger Entwicklungsprozeß mit einer geradezu improvisatorisch anmutenden Malweise. Der kreative Akt ist kurz, basiert jedoch auf intensiver Vorarbeit und eingehender mentaler Konzeption. Er kulminiert in einem Augenblick äußerster Konzentration.
Und führt das Thema Materialität und Immaterialität aus der Bildhauerei fort.
Zur Verwendung kommen lediglich fünf Grundfarben: Weiß, Gelb, Rot, Blau und Schwarz. Als Flüssigpigmente werden sie einem Muttergebinde aus Epoxydharz und Quarzsand beigegeben. Nach der Applikation der Farbkomposition auf die Stahlplatte setzt ein organischer Prozeß ein: Die Farben arbeiten eigenständig. Sie laufen aus- und ineinander, reagieren aufeinander, verändern ihren Ton, unterdrücken das ein oder andere Pigment oder setzen es frei. In dieser Osmose werden Linien zu einer Fläche und Flächen verbinden sich zu Landschaften. Die Reliefhaftigkeit ergibt sich sowohl durch die Schichtung des Materials als auch durch die Farben selbst. Die CT-Paintings sind ein Studienobjekt klassischer Farbtheorie. Sie zeigen das Verhalten der fünf Grundtöne, ja sie lassen sogar mitunter ihr unterschiedliches spezifisches Gewicht erkennen. Allein aufgrund ihrer inhärenten Qualität erzeugen die Farben einen räumlichen Eindruck. Selbst auf gleicher Ebene treten Gelb und Rot optisch stets in den Vordergrund, wogegen blaue und dunkle Töne in den Hintergrund weichen. Die Tiefenräumlichkeit ergibt sich aus der unterschiedlichen Wirkung der einzelnen Nuancen.

(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Skydrop mit Tom Schönauer – Ursula Lytton und Farbe Kugel Lytton

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Tom Schönauer – im Atelier – Voice Trailer

Thomas Schönauer geb. in Düsseldorf 1953 ist ein bildender Künstler. Seine Werke sind sowohl im öffentlichen Raum als auch in privaten und institutionellen Sammlungen vertreten.

Thomas Schönauer ist ein Meister der Verwandlung, was besonders deutlich in den “Skydrops” wird. Er arbeitet vorzugsweise mit Stahl, einer gehärteten Metallegierung, der allgemein Stabilität, Dauerhaftigkeit und Widerstandskraft zugeschrieben wird. Der Bildhauer geht jedoch über diese Eigenschaften hinaus. Er verleiht dem Schwergewicht Stahl eine unerwartete Leichtigkeit. Durch die aufmerksame Beobachtung und ständige Arbeit mit dem Material macht er es zu einem Stoff, dessen Eigenschaften er in sich aufnimmt und in letzter Konsequenz transzendiert. Daher erscheinen die Skulpturen Schönauers schwer und leicht zugleich und sind trotz ihres Gewichts meist beweglich. Sie erinnern an die alchimistischen Vereinigungen von Gegensätzen. (Auszug aus: Ursula Lytton, Katalog: Thomas Schönauer 2008+)

Der “Skydrop” ist, wie der Name sagt, keine Skulptur, die aus dem Boden emporwächst, sondern eine aus dem Himmel herabfallende. Ihr optimaler Standort ist ein Inselplatz, der nicht zur Begehung, sondern zur Betrachtung von außen vorgesehen ist. Das Geheimnis dieser Skulpturenserie liegt in der dynamischen Bewegung von-oben-nach-unten und den unterschiedlichen Eindrücken, die sich dem Betrachter bei der Umgehung aus den verschiedenen Blickwinkeln bieten. Der Skydrop ist im Gegensatz zu den Metaphysischen Skulpturen eher eine Zuordnung der Volumen zueinander, die durch den freien Raum zwischen den Segmenten bestimmt wird. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten wird der Raum jedoch nicht eingeschlossen. Vielmehr handelt es sich um eine Definition im Raum, vorher dagegen um eine Relation zum Raum. (Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Thomas Schönauer Skydrop Eigenschaft Himmel Ursula Lytton

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Tom Schönauer – Anouncement 4 – Dienstag – 24.08.2010

Space Paintings / CT-Paintings

Der Beginn der dreidimensionalen Darstellung auf ebener Fläche sind die “Space Paintings on Steel”. Dieser Arbeitsbereich entstand aus der Idee, von der 2-Dimensionalität beispielsweise der Tusch- und Aquarellzeichnung zu einer Objekthaftigkeit und Drei-Dimensionalität zu gelangen. Da Papier die Farbe aufsaugt und deshalb für dieses Konzept ungeeignet ist, entschied sich der Künstler für das ihm vertraute Material, nämlich den Stahl. Dieser bietet der Flüssigkeit lediglich eine Basis und erlaubt dem nassen Farbauftrag die Bildung einer reliefartigen Struktur. In den Space Paintings werden quasi verschiedene Ebenen eines Skulpturenensembles wiedergegeben: Ansicht, Grundriß und Aufsicht.

In den “CT-Paintings”, den Computer-Tomography-Paintings, verdichtet Schönauer diese Technik und setzt das Thema Materialität und Immaterialität fort. Diese Technik wurde über viele Jahre in Kooperation mit einem Industrielackproduzenten entwickelt. Vereint wird in dieser Serie ein langwieriger Entwicklungsprozeß mit einer geradezu improvisatorisch anmutenden Malweise. Der kreative Akt ist kurz, basiert jedoch auf intensiver Vorarbeit und eingehender mentaler Konzeption. Er kulminiert in einem Augenblick äußerster Konzentration.
Und führt das Thema Materialität und Immaterialität aus der Bildhauerei fort.

(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Space Materialität und Immaterialität CT-Paintings Tom Schönauer

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Tom Schönauer – Announcement 2 – Dienstag – 24.08.2010

Thomas Schönauer (* 1953 in Düsseldorf) ist ein deutscher bildender Künstler. Seine Werke sind sowohl im öffentlichen Raum als auch in privaten und institutionellen Sammlungen vertreten.

Thomas Schönauer ist ein Meister der Verwandlung, was besonders deutlich in den “Skydrops” wird. Er arbeitet vorzugsweise mit Stahl, einer gehärteten Metallegierung, der allgemein Stabilität, Dauerhaftigkeit und Widerstandskraft zugeschrieben wird. Der Bildhauer geht jedoch über diese Eigenschaften hinaus. Er verleiht dem Schwergewicht Stahl eine unerwartete Leichtigkeit. Durch die aufmerksame Beobachtung und ständige Arbeit mit dem Material macht er es zu einem Stoff, dessen Eigenschaften er in sich aufnimmt und in letzter Konsequenz transzendiert. Daher erscheinen die Skulpturen Schönauers schwer und leicht zugleich und sind trotz ihres Gewichts meist beweglich. Sie erinnern an die alchimistischen Vereinigungen von Gegensätzen. (Auszug aus: Ursula Lytton, Katalog: Thomas Schönauer 2008+)

Die “Atompops” … sind ein Symbol des menschlichen Denkens, der Vernetzung aller Dinge, des Laufs der Zeit und der universalen Ordnung. Die Kugeln gelten nicht als bloße Form, sondern als Sinnbild und Initiator geistiger Aktivität.
Die Atompops setzen sich aus polierten, silbern glänzenden Edelstahlkugeln zusammen. Ihre Anordnung ist scheinbar willkürlich und asymmetrisch. Die Kugeln spiegeln sich ineinander und erzeugen in der Reflektion neue, virtuelle Räume. Aber nicht nur das: Sie sind per se in sich geschlossen und autark. Sie stehen sowohl als Symbol eines einzelnen, isolierten Elements mit einem definitiven Innen- und Außenleben, als auch als Teil eines großen Ganzen. Dies wird durch die hochglänzende Silberfläche betont, die das Bild der Außenwelt reflektiert und sie damit wieder zu einem Teil ihrer selbst macht.

(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

Schönauer Metallegierung Dauerhaftigkeit Skydrop Verwandlung

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