China 8 NRW Forum Kultur Duesseldorf – Overview – nackte Chinesin by Vera Kriebel

Zur China 8 im NRW Forum mit Kultur in Duesseldorf und nackte Chinesin –

Expanded Report by Vera Kriebel

Einstiege zur China 8. Numero 2 in Düsseldorf: Mehr Sorgfalt bei Auswahl und Design wäre schön gewesen. So ist es Smerlings großes Sammelsurium in Düsseldorf.

9 Ausstellungen in 8 Städten: Düsseldorf, Duisburg, Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Marl, Recklinghausen, Hagen. Die China 8 will alles. Oder fast alles.

Einstieg 1 in Essen
Die Pressekonferenz findet in Essen, im Folkwang, statt. Was aus vielerlei Gründen bemüht wirkt. Zum einen ist man ja seitens der China8 froh, in Düsseldorf mit dem NRW-Forum einen Partner gefunden zu haben, bei dem sich auf eine Menge Publikum hoffen lässt und der deswegen auch die große Schau als Appetizer zur Gesamt-China8 bekommen hat. Zum anderen ist der Macher Walter Smerling ja nun einmal in der Rhein-Ruhr-Region beruflich in der Küppersmühle in Duisburg beheimatet, nicht im Folkwang. An beide Standorte hätte die Pressekonferenz hingehören können.
Im Folkwang läuft sie am Rande. Die China8. Denn das Folkwang hat gerade eine große (und zwar in vielerlei Hinsicht “große”) Schau: Conflict, Time, Photography. Da bleibt für die China8 nur ein Teil des Saaltrakts, der in der Regel den kleineren Sonderausstellungen zum Folkwang-Schwerpunkt Fotografie vorbehalten ist.
Die Pressekonferenz findet aber im Folkwang statt, weil das politisch ja Aushängeschild der Ruhrgebietskultur sein soll. Daneben scheint sie wie die gesamte China8 eine Soloveranstaltung für Prof. Dr. Walter Smerling zu sein, “dem man ja nichts abschlagen kann” (Vertreter Evonik Industries AG) und “ohne den das alles hier nicht möglich gewesen wäre” (u.a. Bodo Hombach).

Einstieg 2 in Düsseldorf
Der Appetizer “Overview – Blicke auf China” findet sich in Düsseldorf, im NRW-Forum, das sich sonst eher durch trendige Ausstellungen für´s feine Düsseldorfer Club-Publikum auszeichnet.
Kurator ist besagter Prof. Dr. Walter Smerling, der daneben für die Ausstellungen in Duisburg (Lehmbruck, Küppersmühle), Hagen und Mülheim an der Ruhr, also für mehr als die Hälfte von China8, verantwortlich zeichnet.

Dieser Düsseldorfer Überblick aber ist ihm nicht so gut gelungen. Eine große Ausstellung, mit vielen großformatigen Arbeiten auf großer Fläche, und vielfältig ist sie auch. Und genau hier ist das Problem. Herausgekommen ist bei der leichten, publikumswirksamen Zusammenschau ein Sammelsurium ohne roten Faden. Mehr Quantität als Qualität und das ungeordnet. Dazu passt, dass einzelne Werke nicht mehr angemessen präsentiert werden können. Das Shop-in-Shop-Ausstellungsdesign bekommt zum Beispiel Jianhuas Installation “Square” gar nicht gut, auch die stählerne Spiegel-Skulptur von Kum Chi Keung wirkt verloren.

Rein inhaltlich gesehen gibt es aber Glanzpunkte. An beiden Kopfenden der Ausstellungstrakte Videokunst: Wang Gongxin, im Glaskasten Marl mit genialen Stillleben vertreten, zeigt hier eher konventionelle Videokunst mit verteilten Leinwänden, schnellen hektischen Schnitten, laut-dröhnend, mit aggressivem, bedrohlichem Grundton. Im anderen Trakt das fast perfekte Video “Restart” von Miao Xiaochun, der sich von Höhepunkten westlicher Bildkunst wie Pieter Brueghel, El Greco, Dalí inspirieren lässt und diese – begleitet von Beethovens Missa Solemnis – in einen Traum animierter Computergrafik verwandelt. Fast perfekt: Weil alles in dieser artifiziellen Ursuppe von selbstverliebtem Pathos geradezu trieft.
“Overview – Blicke auf China” – für Düsseldorfer? Für den Talk beim Prosecco oder als Einsteiger im Club Freitagnacht? Aber ohne den Besuch im NRW-Forum geht die China 8 nun auch nicht. Da wäre es schön gewesen, wenn man sich etwas mehr Mühe mit der Einstiegsausstellung gegeben hätte.
Denn insgesamt ist es ein eminent politischer Einsteiger zur Gesamt-China8, der man ja im Vorfeld vorgeworfen hat, sie würde nur “offizielle” chinesische Kunst zeigen: In einem Tempel huldigen Hunderte am Boden hockender, gesichtsloser nackter Chinesen einem Buddha (Wang Qingsong). Nadim Abbas lässt als Kunst Bälle durch Staubsaugerroboter hin- und herschubsen. In einem tristen städtischen Hinterhof steht einsam ein Polizist Wache. Der Blick in einen leeren Plenarsaal wird durch die mit “No Politics Today” bemalte Glasscheibe gebrochen (Leung Chi Wo). Westlich-bunt gekleidete Chinesen betrachten die althergebrachte Tuschelandschaft und wenden dem Betrachter (und der hässlichen neuen Realität Chinas?) den Rücken zu (Huang Min).
So kann man also durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Ein Besucher: “Die meisten Werke hatten etwas Gemeinsames: Der einzelne Mensch schwimmt in einer Masse von Menschen, und alle zusammen versuchen sich in einer immer komplexeren Umwelt zu orientieren, die sie selbst geschaffen haben.”
http://ruhrgebiet-kunst-kultur-freizeit.blogspot.de/2015/05/nrw-forum-dusseldorf-china-8-overview.html

China 8 Walter Smerling Vera Kriebel nackte Chinesin

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