D-Haus Gilgamesh Saison 2016 2017 Wilfried Schulz Christian Erdmann Kultur Düsseldorf Vontobel

Im D-Haus (Schauspielhaus Düsseldorf) begann unter Wilfried Schulz die Spielzeit 2016/17 mit “Gilgamesh” (u.a. Christian Erdmann, Roger Vontobel) zur Kultur Düsseldorf.

Gilgamesh – Roger Vontobel inszeniert das Ur-Epos in Düsseldorf zur Eröffnung der Intendanz von Wilfried Schulz
Stadt als leichte Beute
von Andreas Wilink

Düsseldorf, 15. September 2016. Vor uns die Sintflut. So weit geht es zurück. Man möchte das U in dem mythischen Urlaut ganz lang ziehen: Uuuuur, um das Echo aus dem tiefen Zeitbrunnen zweieinhalb Jahrtausende vor Christus auch akustisch zu erahnen. Uruk im sumerischen Zweistromland war die erste Großstadt der Welt, umgeben von einem Schutzwall für die vermutlich 30.000 bis 70.000 Einwohner. Das in differierenden Fassungen tradierte “Gilgamesh”-Epos, sehr viel schmaler als die Odyssee, ist nur fragmentarisch enthalten: 3000 Verse existieren als “wahrhaft gigantische Bruchstücke”, so der bewundernde Rilke.
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Kritikenrundschau (by Nachtkritik.de)

“Vontobel zieht alle Register, um das Archaische des Stoffes in Szene zu setzen”, schreibt Dorothe Krings in der Rheinischen Post (17.9.2016). “Und er hat einen Hauptdarsteller, der zwischen den Zeiten wandeln kann”. Auch wenn die Kritikerin neben vielen Stärken auch einige Schwächen des Abends benennt, ist der Intendanz Schulz aus Ihrer Sicht in Düsseldorf ein “starker Auftakt mit einem vorsintflutlichen Text “gelungen, der der Gegenwart viel zu sagen hat. “Das Schauspielhaus hat die Planen hochgezogen, hat lebendige Kunst freigesetzt mitten in der Stadt. Das kann nun wirken.”

Ein bisschen hinterfotzig sei es schon, dass Roger Vontobel die Spielzeit mit ´Gilgamesh´ eröffnet, schreibt Egbert Tholl mit Blick auf den Theaterumbau, der das Spielen in einer Ausweichspielstätte erzwang, in der Süddeutschen Zeitung (17.9.2016). “Das Epos endet mit einem Bauvorhaben”. Doch die Wirkung der Spielstätte sei kolossal. “An einer Stelle der Stadt, wo Düsseldorf vollkommen jeglichem Klischee der Stadt der Reichen entspricht, zieht das Zirkuszelt nun für ein paar Wochen Besucher an, die entweder ein völlig neues Theatererlebnis erfahren oder sich vielleicht zum ersten Mal trauen, einen Kulturtempel zu betreten, der halt gar nicht wie einer aussieht.” Die Inszenierung ist aus Sicht des Kritikers “echtes Jungs-Theater” beziehungsweise “großes Zampano-Theater”. Die “Jungs” graben in der Mitte des Zirkus im Lehm, “schmieren sich voll, raufen, tanzen, sind allesamt, nicht nur die ausgewiesenen Tänzer, von großer physischer Elastizität und machen eine Zeit lang munteres Körpertheater zu Murenas Musik”. Doch zunehmend sei der Abend vom Zerfall geplagt.

“Vieles an diesem Abend wirkt behauptet, künstlich deklamiert, die brachiale Archaik aufgesetzt, manches sogar unfreiwillig komisch – etwa, wenn Gilgamesh auf seiner Wüstenwanderung beginnt, Sandburgen zu bauen und Enkidu Mehlkreise ums Zelt zieht”, so Dorothea Marcus in der Sendung “Kultur heute” vom Deutschlandfunk (16.9.2016). Auch das schöne Schlußbild “eine programmatische Öffnung zur Stadt, die an dieser Stelle sonst nur eine besonders exklusive Shopping-Meile ist” rettet aus ihrer Sicht die “altbackene, pathetisch hochgeschraubte Inszenierung” leider nicht.

Extralang anhaltende Ausschläge auf dem Applausometer. Düsseldorf darf wieder auf Holz klopfen”, schreibt Jens Dirksen auf dem WAZ-Portal Der Westen (17. 9.2016). “Am Ende, nach all den Schlammschlachten und Kämpfen um Ruhm für die Ewigkeit, werden die Zelt-Leinwände hochgehen und der König schreitet nach draußen auf die Kö und schreit: ´Klopft die Fundamente ab, prüft das Mauerwerk…!´ Das ist – als programmatische Ansage für die neue Ära des Düsseldorfer Schauspielhauses – ein Wort wie ein Versprechen, an die Grundfesten der Gesellschaft zu gehen. Jetzt müssen der neue Intendant Wilfried Schulz und sein Ensemble nur noch liefern.”

“Eine ferne Geschichte von archaischer Kraft und animalischer Gewalt” sei das “Gilgamesh”-Epos, “auch wenn zeitlose Themen wie Liebe und Freundschaft, Macht und Läuterung sie durchziehen”, schreibt Andreas Rossmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (19.9.2016). Der archäologische Ansatz, den das Bühnenbild von Roger Vontobels Spielzeiteröffnungsinszenierung in Düsseldorf andeute, bleibe Behauptung. “Die Inszenierung (…) unternimmt gar nicht erst den Versuch, das Epos der populären Vertrautheit zu entziehen, sondern stülpt ihm die Zirkus-Metapher über, unter der jede Beliebigkeit Platz hat.”

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