Helge Achenbach Düsseldorf Kultur Essen Landgericht Babette Albrecht Thomas Kellein

Helge Achenbach, der u.a. für Düsseldorf Kultur stund, muss sich in Essen dem Landgericht stellen. Babette Albrecht als auch der Kunsthistoriker Thomas Kellein brachten den Fall Achenbach ins Rollen.

17.12.2014 FAZ Der Anwalt war schon informiert.
Es geht um Millionenbetrug am deutschen Geldadel: Im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach sollen auch einige schwerreiche ehemalige Kunden als Zeugen aussagen. An diesem Mittwoch hatten die Ermittler das Wort.
Fälschlich in den Akten gelandet
Rätsel gibt auch ein undatierter und nicht unterschriebener Brief Achenbachs an den Aldi-Erben auf, der in dem Albrecht-Ordner gefunden wurde. In dem vor Gericht verlesenen Brief mit der Anrede Lieber Berthold unterteilt Achenbach seine Kunstverkäufe an den Milliardär in Geschäfte mit Preisaufschlägen und siebenjähriger Rücknahmegarantie sowie in einfache Geschäfte nur auf Provisionsbasis.
Achenbach hatte in seiner Einlassung vergangenen Montag erklärt, er habe seine Geschäfte mit Albrecht mündlich vereinbart. Den Brief habe er aufgesetzt, als die Sache mit Berenberg aufgeflogen sei. Das Papier sei nicht für Dritte gedacht gewesen. Achenbachs Verteidiger Thomas Elsner sagte, das Schreiben sei fälschlich in den Ordner mit den Albrecht-Akten gelangt.
Möglicherweise hatte Achenbach den Brief erst nach dem Tod Albrechts, der im Oktober 2012 starb, aufgesetzt. Nach Angaben seines Anwalts hatte Albrechts Witwe den Kunstberater gebeten, ihr nähere Informationen über seine Einkäufe und die Geschäftsbeziehungen zu ihrem Mann zu geben.
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“Die Kunst, in Kunst zu investieren” von Niklas Maak (FAZ)
In Essen wird der Betrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach fortgesetzt. Sein Teilgeständnis offenbart, wie in der Kunstwelt großes Geld gemacht wird.
Im sehr trostlosen Eingangsbereich des Essener Landgerichts steht eine Palme, die so dürr und zittrig aussieht, als sei sie selbst angeklagt, als sei sie Teil der Verschwörung, um die es hinter den Türen des Gerichtssaales geht. Auch dort drinnen wird von Palmen geredet, von einem Flug mit einem gemieteten Privatjet nach Miami, zur Kunstmesse der Art Basel, zu der der Kunstberater Helge Achenbach den Aldi-Erben Berthold Albrecht einlud. Und das sei sehr teuer gewesen, erklärt Achenbach, als er an diesem Morgen im unfreundlichen Neonlicht des Verhandlungssaales 101 seine Einlassung vorträgt.
Achenbach ist angeklagt. Es geht, wenige Jahre nach dem Fall des Fälschers Wolfgang Beltracchi, um den größten Betrugsskandal des deutschen Kunstmarkts. Es geht um Champagnersausen und Bentleys und Galerieparties im weichen Sand, um Millionendeals mit Kunst, Sehnsucht nach Glamour, Betrügereien und ein überhitztes Kunstsystem, dessen Mechanik selten so deutlich wurde wie hier, wo eine ihrer zentralen Figuren leider gezwungen ist, die Karten aufzudecken.

Auf der Anklagebank sitzt neben Achenbach sein ehemaliger Kompagnon Stefan Horsthemke, mit dem er von 2011 bis zu dessen Abwicklung den Kunstfonds Berenberg Art Advice betrieb. Beide tragen vergleichbare, scheinbar vom Fahrtwind gestaltete Cabrio-Frisuren, das Haar fällt elegant auf den Kragen. Beide sehen im Neonlicht des Saales ein bisschen blass aus, als ob sie durchgefeiert haben, sagt einer der Zuschauer.
Für den Aldi-Nord-Erben Berthold Albrecht hat Achenbach zwischen 2009 und 2011 für insgesamt etwa 120 Millionen Euro Kunst und Oldtimer gekauft. Ohne schriftliche Vereinbarungen
Reiche Menschen mit Discounterhintergrund verfielen Achenbachs Charme besonders schnell, ein bisschen erinnert auch die Faszination seiner übrigen solventen Kundschaft für den sprühenden, im Privatjet nach Miami düsenden Achenbach an die berühmte Szene in Kir Royal, wo der rheinische Kleber-Fabrikant Heinrich Haffenloher aus der Provinz nach München kommt, um endlich mal so richtig die Sau rauszulassen. In der misstrauisch gegen Zudringlinge verteidigten, auf ihre Weise kargen Welt des extremen Reichtums muss Achenbach gewirkt haben wie der charmante Bad Boy auf dem Schulhof, der schon raucht und die Typen mit den dicken Motorrädern kennt. Achenbach nahm seine Kunden mit in eine Welt, die es in Polo- und Golfclubs nicht gab: das Glitzern der VIP-Sammlerlounges, die netten Galeristen mit ihren Parties, die Bässe, Abendkleider aus nepalesischer Spezialseide, so nice to meet you Wer war das? Eine Galeristin aus Guatemala. Aha! Und was nehmen die da hinten in der Ecke jetzt für ein Zeug?
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Helge Achenbach | Fall Achenbach mit Babette Albrecht

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