Karl Lagerfeld Museum Folkwang Essen plus Tobia Bezzola

mit KARL LAGERFELD im Museum Folkwang Essen und Parallele n Gegensätze n.
Fotografie — Buchkunst — Mode
15. Februar — 11. Mai 2014

Der Stoff des Künstlers ist das Leben selbst. (…) Körper, Kleidung, Möbel, Wohnhaus, Straße sind die nächsten Gegenstände der Kunst.” (Karl Ernst Osthaus)

Für Karl Ernst Osthaus, den Gründer des Museum Folkwang, war Kunst in Handel und Gewerbe nicht weniger bedeutend als das freie Schaffen. Grund genug für das Museum Folkwang, dem weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten deutschen Gestalter der letzten Jahrzehnte eine große Ausstellung zu widmen.

Karl Lagerfeld ist seit über fünfzig Jahren sehr erfolgreich als Modedesigner tätig. Als künstlerischer Direktor von CHANEL (seit 1981) und FENDI (seit 1965) wurde er zu einem der wichtigsten Akteure der internationalen Modewelt, aber auch als scharfsinniger und scharfzüngiger Aphoristiker des Alltags erlangte er Ruhm. Parallel hat Lagerfeld für andere Modehäuser gearbeitet und unter seinem eigenen Namen aufsehenerregende Kollektionen auf den Markt gebracht. Seit 1975 gestaltet er neben Mode auch Schmuck, Möbel, Musikinstrumente, Bücher und Spielzeug sowie — in Kooperation mit Musikern, Regisseuren und Architekten — Opern- und Theaterkostüme, Bühnenbilder und Architekturen.

Heute ist Karl Lagerfeld gleichermaßen als Modeschöpfer, Zeichner und Fotograf sowie als Gestalter von Büchern, Dekorationen und Inneneinrichtungen international präsent.

Vielmehr Momentaufnahme als Retrospektive, wird die Ausstellung Karl Lagerfelds schier grenzenlose kreative Tätigkeit in allen ihren Facetten vorstellen: Mode, Zeichnungen und Fotografien, Filme und Bücher, Produktdesign, Werbung. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit Lagerfeld selbst konzipiert und kuratiert von Gerhard Steidl und Eric Pfrunder. Sie wird erstmals ein umfassendes Panorama von Lagerfelds schöpferischem Kosmos bieten — gemäß Lagerfelds eigenem Credo:

„Ich habe das Glück, im Leben das machen zu können, was mich am meisten interessiert: Photographie, Mode und Bücher.” (Karl Lagerfeld)

http://www.museum-folkwang.de/de/auss…

Lagerfeld-Schau im Folkwang-Museum
Bühne für die Selbstvermarktung

Die Essener Institution hat Aufmerksamkeit nötig, und eine Lagerfeld-Ausstellung kommt da gerade recht. Doch das Folkwang gerät zum bloßen Showroom.

Glanzvolle Tage erlebte das Essener Museum Folkwang seit seiner Neueröffnung im Kulturhauptstadtjahr nicht allzu viele. Heute Abend hat sich immerhin Karl Lagerfeld zur Eröffnung einer Ausstellung angekündigt, die einen Blick auf sein vielfältiges Schaffen als Kreativdirektor von Häusern wie Chanel und Fendi, als Fotograf und Sammler gewährt. Vielleicht vermag der glamouröse Weltstar die trübe Stimmung im Chipperfield-Bau ein wenig zu heben.

Als der Steidl Verlag dem Museum eine Ausstellung über Lagerfeld anbot, griff Tobia Bezzola zu. Der zugkräftige Name verspricht viel Aufmerksamkeit, und er könnte ein neues Publikum ansprechen. Warum auch nicht? Dazu ist man mit den Buchmachern aus Göttingen seit Längerem geschäftlich verbandelt. In der Edition Folkwang erscheinen fast alle Kataloge des Hauses. Bei Steidl führt Karl Lagerfeld ebenfalls zwei Imprints.

Man kennt sich also bestens. In Absprache mit dem Modemacher holte Verleger Gerhard Steidl als zweiten Kurator Eric Pfrunder ins Boot, den Bildchef des Modehauses Chanel. So lässt sich ein durch öffentliche Gelder finanziertes Haus das Steuer aus der Hand nehmen.

Vom Museum Folkwang wurde lediglich ein Mitarbeiter als Projektleiter abgestellt. Ihm obliegen die Koordination und Organisation der Ausstellung vor Ort. Über den Inhalt bestimmt indes das Trio. Sie sind es, die den Zugang zu den Exponaten haben. Und sie sind es, die aus langjähriger Erfahrung wissen, wie die Modeikone Lagerfeld im besten Licht zu inszenieren ist.

Aber ein städtisches Kunstmuseum ist keine Bühne für die Selbstvermarktung von Privatfirmen. Auch dann nicht, wenn die Unternehmen Kulturgüter produzieren und sich finanziell beteiligen. Solange kommerzielle Eigeninteressen im Spiel sind, ist ein selbstkritischer und distanzierter Blick nicht möglich. Die wissenschaftliche Aufbereitung ist Aufgabe eines Museums. Derweil gerät das Folkwang zum zweifachen Showroom. Denn in der Ausstellung ist ein Shop eingerichtet, in dem Publikationen von Lagerfeld verkauft werden. Ganz wie in einem Firmenmuseum.

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