17.02.2015 – Kreuzweg – Friedhelm Mennekes Johannes Stüttgen C.F. Schröer Bernd Jansen – Weltkunstzimmer

 

Kreuzweg – Friedhelm Mennekes Johannes Stüttgen C.F. Schröer Bernd Jansen – Weltkunstzimmer

Versuch eines chronologischen Protokolls

tst-3    17.02.2015

Die Kuratorin Dr. Sabine Maria Schmidt führt [im obigen Beitrag] in die Diskussion ein mit einem Hinweis auf den “Prozess des Sichtbarwerdens”

Friedhelm Mennekes greift den Term des “Sichtbarwerdens” auf und verweist auf das bewegte Kreuz, das in der Messe “vor ihm hergetragen” werde. Allerdings sollte man von der “Kreuzfixierung” weg und in eine “Bewegung” hinein kommen. Er erinnerte an die Geschichte – an die Auseinandersetzung zwischen den Päpsten und den [Franzosen] Franziskanern und Dominikanern.

Was diese Photo-Ausstellung anginge, wäre er “hin und weg” – dass hier “drei [Photo] Sequenzen [Arbeiten]” zusammenkämen. Denn Video würde ja nicht mehr rezipiert. Video erinnere ihn an Hochzeitsveranstaltungen. Das Photo [!] wäre das [eigentliche] “Heilmedium“.

Bezogen auf die [im Hintergrund des Podiums platzierten] von Bernd Jansen damalig aufgenommenen Photos zu der Beuys’schen Kreuz-Aktion – initiiert von dem Studenten Verhuven – assoziiert Carl Friedrich Schröer: es sei eine “Performance mit sich selbst” gewesen – “ohne Publikum”.

Bernd Jansen bestätigte dies und verwies darauf, dass es sich bei den Photos um die Dokumentation einer “nachgestellten Szene” handelte. Der Student Verhuven wollte bei seiner Kreuzbesteigung einen “Lehrer” dabei haben, der ihm nicht nur bei der Errichtung des [vorher am Boden liegenden] Kreuzes, sondern auch selber bei der Besteigung desselben helfen und ihn darüberhinaus im Zweifelsfalle “auffangen” sollte.Nach Jansen handelte es sich also nicht [!] um eine “Originalgeschichte” – zumal das Kreuz am Boden lag und erst errichtet werden musste.

Den Aspekt der Beuys’schen Aktionskunst aufgreifend, vermerkt Johannes Stüttgen, dass bei der Aktionskunst “etwas an einem selber vorgenommen werde” und an denen “die dabei sind”.Und – nach Einwurf von Carl Friedrich Schröer – über das “Abendmahl” müsste man “sowieso” reden, wenn man über Beuys rede. Beuys habe kein Theater oder Schauspiel gemacht. Er beschäftigte sich mit Plastik und Skulptur. Und wenn man den [Beuys’schen] Begriff der Plastik verstehen wolle, könne man dies nicht auf dem Hintergrund der “herkömmlichen Definition” [von Plastik].Sondern man müsse sich fragen “wie ist es [die Plastik] entstanden” – man müsse den “Ursprungspunkt” berücksichtigen [bei Beuys die Wärme] – wie es entstanden sei – wie es “zu einem Ergebnis” komme – wobei das Ergebnis nicht der “fixe Endpunkt” wäre. Dies wäre das Wesen der [Beuys’schen] Aktionskunst – das hieße aus den “fixierten Endstadien wieder in die Bewegung” – “in den Prozess” – zu kommen.Aus einem “extremen Todespunkt” wieder zurück ins Leben.

Das Kreuz stünde nicht für “das Ende” – sondern es stünde für die Halbzeit – denn danach käme ja “die Auferstehung” – der “Todesdurchgang” und wäre die “Pforte, der Weg, in eine neue Wirklichkeit“, und diese nenne man “das Leben”. Die Aktionskunst wäre also der Versuch, “aus der statischen Idee der Plastik – also aus einem statischen Punkt heraus – in die Bewegung zu gelangen”.

Für Friedhelm Mennekes hieße dies “unterwegs zu sein” – auch wenn man die “Bilder [Beuysen’s] durcheinander brächte”, wäre man immer noch “auf dem Weg“.

Nach Johannes Stüttgen wäre im Zweiten [Zweifels] Fall das Ziel nicht offen. Im Zweiten [Zweifels] Fall “weiß ich, wohin ich will”. Die Frage wäre nur “wie komme ich dahin ?”. Und “ob nicht Hindernisse den Weg versperren und es zu einer umfassendern komplexen Sache” würde und käme – aber das wäre eine andere Frage [hier verweist er implizit/im Kontext auf/zu seine(n) Aktivitäten [Omnibus] bzgl. der Umsetzung des Ansatzes des von ihm u.a. angestoßenen Prozesses der “direkten Demokratie“]. Zum Beispiel frage er sich immer danach “warum sitze ich hier ? – was soll ich hier ?”. Er wäre eingeladen, um an einem “Gespräch teilzunehmen”. Das Gespräch müsste einen “Sinn haben” – das hieße nicht, dass “er irgendwo angekommen wäre” – aber es müsse “doch eine Bestimmung haben [das Gespräch]” – und “die generelle Bestimmung” wäre doch, dass “man Mensch werden will“. Und “das wäre doch ein tolles Ziel – sich im Laufe seines Menchseins zu erfüllen – so dass man am Ende sagen könnte: Ja – das bin ich geworden”. Dieses Ziel “koennte man auch sehr leicht versäumen”. Darüber hinaus ließe sich “das Ziel aber nicht so konkret fixieren”.

Erläuternd zu seinen persönlichen Erfahrungen mit Joseph Beuys berichtete Friedhelm Mennekes hierzu, dass “Beuys u.a. zu ihm ins Zimmer kam und gleich sagte: Lass uns Spazieren gehen – denn wenn ich mit Dir laufe, bist Du auch gleich ganz anders – ganz offen”. Denn es gäbe auch “Weg-Gedanken” d.h. es wäre weder das Eine noch das Andere – und nicht das Ziel wäre entscheidend – sondern für die [den] Kunst[begriff] wäre die FRAGE [!] enscheidend – und für die Religion wäre die FRAGE [!] entscheidend – und nicht die ANTWORT – nicht das ZIEL – es ginge um die Dehnung [zwischen Weg und Ziel]. D.h. bei “Erreichung des Ziels müssten wieder andere Perspektiven hineingebracht werden – z.B. durch Inspiration – oder eben durch Bewegung”. Gerade mit solchen Ausstellungen [wie diese] würde die Situation gerettet. Das Zeichen des Kreuzes gäbe eine Struktur vor – und dies im Gegensatz zur der Haltung von Johannes Stüttgen – sie [Mennekes und Stüttgen] lägen in diesem Punkte auseinander.

Nach Johannes Stüttgen spräche Friedhelm Mennekes zu oft von “Dogma” – Kunst wäre nicht dogmatisch – sie ließe sich nicht in einem zu eng gefassten Definitionsraum erklären – sondern es stelle sich die Frage in/nach einer “größeren Dimension” – sondern das “Kunstfeld ist die Eröffnung in eine neue Wirklichkeit [Möglichkeit], die wir noch nicht begriffen” hätten – insofern wäre “der Kunstbegrif der Begriff, der noch nicht begriffen wurde” – der “noch nicht begriffene Begriff” – das wäre sein persönliches Erlebnis [Erleben] – und das wäre auch seine ganz große Liebe zur Kunst – und “dass sich hier ihm [et]was eröffne, was er vorher noch nicht wusste”. Aber er wüsste genau “da wäre ein WEG”.

Diesbezüglich fügte fragend Carl Friedrich Schröer hinzu: “Die Diskussion der beiden über Ziel und Weg hätte nun eine gewisse Unschärfe-Relation erfahren”. Und entsprechend ginge es hier um “die asiatische Formulierung [Deutung] von Weg und Ziel. Im Weiteren [akustisch undeutlich] könnte dies dem “Unsinn Tuer und Tor öffnen”.

Erklärend hierzu Johannes Stüttgen: “es wäre doch immer so, dass man am Anfang nicht alles begreife” – man mache sich ja auf den “Weg, um etwas zu begreifen” – “aber man koenne es noch nicht begreifen”.

Wiederum fragend Carl Friedrich Schröer: “wie will oder soll ich denn [et]was begreifen, was ich nicht begreifen kann [damit ich es begreifen kann]”.Erklärend wiederum Johannes Stüttgen: “gerade das wäre das Geheimnis [der Kunst, des Kunstbegriffes]”.

Abschließend – nicht mehr fragend – Carl Friedrich Schröer hierzu: “Insofern wäre das [!] noch Scharlatanerie” – es ginge nicht um das “Geheimnis” – dafür hätten wir heute [akustisch undeutlich] die “Unschärfe”.Einwerfend und zitierend aus dem Publikum: “Augustinus sagte ja schon: Der Weg ist gesprächiger als das Ziel”.

Dr. Sabine Maria Schmidt verweist noch mal auf das kuratorische Konzept der Austellung – “es wären hier Werke dargestellt mit unterschiedlichen Parametern – Aufnahmen aus Ateliers [Beuys, Wölfl] und Aufnahmen aus der “Street” [Zownir]” – und seien “ganz gegensätzlich” gegenübergestellt.

Die ausgestellten Photos reflektierend bemerkt Johannes Stüttgen, dass man den Photos noch “das Gerippe” ansähe – und das wäre gut so – “sonst könnte er ja gar nicht stehen”. Man befände sich auf dem “Kreuzweg – der Weg zu einem Tod hin” – und am Ende des Weges könnte er [man] sagen: “Es ist vollbracht”.Demgegenüber meldet sich [akustisch undeutlich] VA Wölfl zu Wort und unterstellt: man koenne das Kreuz auch als “Pluszeichen” deuten – und das wäre wieder ein Zeichen der Wärme und nicht der Kälte [des Todes]. Bernd Jansen erläuterte dies an Hand seines Werkes der subjektiven Photographie, dessen “Wesen sich alles unterordne” und Scharz-Weiß wäre [ohnehin] eine Reduzierung auf das Wesentliche – “in seiner Arbeit macht er keine Photos, sondern Photographie”.

Den Beitrag beendend und abschließend konstatiert Johannes Stüttgen: “Das Kreuz ist eine ganz präzise Beschreibung [Repräsentation] unserer jetzigen gegenwärtigen [gesellschaftlichen] Lage, wo offenbar [all] die alten Lösungen nicht mehr funktionieren – wo man offenbar noch mal ganz runter muss – um an einem [neuen] Nullpunkt zu versuchen, eine neue Bestimmung und neue Begriffe zu entwickeln”. Und das wäre nach seiner Meinung das Bild [der Sinn] des Kreuzes [in der Gegenwart].

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