Markus Lüpertz Museum Küppersmühle Götz Adriani Georg Hornemann Kunst die im Wege steht

Markus Lüpertz, Götz Adriani, Walter Smerling bestritten im Museum Küppersmühle die Pressekonferenz zur aktuellen Einzelausstellung des Groß-Meisters mit dem Titel “Kunst, die im Wege steht”.
Meister Lüpertz war nicht nur in bester Laune, sondern brachte eine performative Glanzleistung – kraftvoll, charmant, wie immer redegewandt und überzeugend in der Darstellung seiner Vorstellungen von bildender Kunst und von sich selbst. Es funkelte und zischte als er mit sprühendem Elan zum Einen die von dem schmallippigen und 79 Jahre alten Götz Adriani kuratierte ( Lüpertz-) Show inhaltlich ausornamentierte und zum Anderen die nicht immer glücklich gestellten Fragen ausparierte. Er wirkte zurecht beseelt von sich und seinem hier anteilig gezeigten Werk. Gezeigt werden die “Schlüsselwerke” der Sammlung Ströher. [ Unerwähnt blieb in der Pressekonferenz, dass die bestehende Sammlung aus einer Zusammenführung der ehemaligen Sammlung von Hans Grothe ( Schwerpunkt Malerei 70er – 90er Jahre ) und der Sammlung von Sylvia und Ulrich Ströher (Schwerpunkt informelle Malerei ) entstanden ist ].

Auch in der Sachdiskussion konnte Markus Lüpertz dank seiner nord-böhmischen Retorik, seines Durchhalte- und Durchsetzungswillens und seiner charmanten Gewandtheit glänzen – in der Form brillierte er in maßgeschneiderter Nadelstreifenhose und ebensolcher Krawatte – zusätzlich ausgestattet mit goldenem Schmuck und Accessoires des Düsseldorfer Juweliers und Goldschmieds Georg Hornemann. Auch wenn es nicht ( jedem ) auffiel, dass er sich gerne in der permutativ und assoziativ vollzogenen Verknüpfung von Tautologien und inherenten Paradoxien verlor, spiegelt und / oder gründet sich der Lüpertz”sche Genius in einem spielerisch gelebten Eklektizismus, der bezeichnend ist / war für die aufkommenden und eifrigen Künstler der 70er und 80er. Er ist – unter einigen wenigen – wohl der letzte “große” und prägnanteste Künstler, der die “im Geiste” freien Jahrzehnte 70 und 80 repräsentiert. Und hier ging ja das Eklektische, das sich gegenseitig Befruchtende und das aus dem Kalkül heraus vollzogene Entlehen nicht-eigener Ideen ineinander über. Es ist anzunehmen, dass Markus Lüpertz wohl ein Produkt dieser Jahrzehnte ist – und nicht der 60er.

Wie dem auch sei – ein guter, großer Künstler hat nicht ausschließlich die Aufgabe mit profil-genauer analytischen Schärfe das ( gesellschaftliche ) Geschehen abzubilden – gute Künstler bereichern ( ! ) durch ihr Dasein das Geschehen – so wie Markus Lüpertz als Bereicherung des kulturellen Gefüges wirkt und wohl schon immer gewirkt hat – insbesondere in seiner Funktion als Rektor der Kunstakademie Düsseldorf. Insofern scheint es nicht erheblich, dass er mit der Überbewertung der “bildenden Kunst” hinsichtlich ihrer gesellschaftspolitischen Wirksamkeit wohl objektiv falsch liegt. Ist es doch gerade z.T. das Fehlen bzw. Manko an klaren, eindeutigen Leistungskriterien im Bereich der bildenden Kunst, das es solchen Persöhnlichkeiten die Möglichkeit bietet, zu brillieren, zu glänzen, zu unterhalten, zu blühen und zu strömen.
Markus Lüpertz bereichert die Welt – er ist der Prototyp des “Bereicherers”. Und somit rechtfertigt sich auch die der Lüpertz”schen Argumentation innewohnenden “Schelmigkeit” – die ohne Frage “böhmsche” Anteile trägt.

Demgegenüber wirkte – wie schon angemerkt – der Kurator der Ausstellung, Götz Adriani (79), etwas blass. Setzt man ihn relativ, so machte er den Eindruck eines “wankenden Leichtmatrosen” auf dünnem Eis – d.h. in der interaktiv vollzogenen Argumentation dünn – als befände er sich auf der Flucht.

Walter Smerling hingegen glänzte durchaus solide – er trug seinen Text blackoutfrei vor – so wie es sich für einen Museumsleiter gehört – souverän, nüchtern, sachlich – aus der inhaltlichen und fomellen Mitte heraus. Gemessen an einigen in “beseelter” Hausfrauenmanier geführten Museen und Kunstsammlungen in NRW gewinnt Walter Smerling durchaus an Farbe und Profil.

Pressespiegel:
Markus Lüpertz stellt in Duisburg aus: Rache am Banalen
Duisburg. Der große Auftritt ist ihm zu eigen. Neulich, so erzählte Markus Lüpertz gestern im Duisburger Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM), sei er Erster Klasse geflogen. Da habe eine Stewardess zu ihm gesagt, dass sie in ihren 20 Dienstjahren noch niemals zuvor einen so elegant gekleideten Herrn im Flugzeug, wohlgemerkt in der Ersten Klasse, gesehen habe. Da habe er sich umgeschaut und gedacht: “Sie hat wohl recht!” Es ist unterhaltsam, Markus Lüpertz zuzuhören. Da mischt sich Banales mit Philosophischem, da folgt auf den ironischen Plauderton der eine oder andere kunsthistorische Exkurs. Lüpertz ist ein Original und ein Repräsentant der deutschen Gegenwartskunst.

Markus Lüpertz | Götz Adriani | Walter Smerling in Küppersmühle

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