Newsletter Quartal IV 2012 – AB+

 

Newsletter Quartal IV 2012 – AB+

Herta Müller – Andrej Mogutschi – Julia Stoschek – Hannelore Kraft

tst-3    07.01.2013

Nicht nur die Tage und Wochen sind seit dem letzten Newsletter turbulent vergangen. Es draengt sich der Eindruck auf, als sei es mittlerweile “Stand der Dinge” auch den Alt-Tag turbulent zu gestalten – in dieser event-orientierten Phase unserer Dekade. Event-Driven – und es bleibt einem die Luft weg: Herta Mueller , Andrej Mogutschi, Julia Stoschek, Hannelore Kraft, Hartmut Miksch, Maximillian Eicke, Klaus Biesenbach, Heiner Goebbels, Thomas Schütte, Kanjo Také, Harry K. Voigtsberger, Heinrich Grosse-Brockhoff, Kevin Rittberger, Daniel Hug sind einige der Namen der Personen, mit denen wir uns in den letzten Wochen und Monaten auseinandergesetzt haben. Zu jeder Person ein enstprechender Event – oder auch: ein entsprechendes kulturelles Ereignis.
Diese letzte Phase war dem Teller-Rand gewidmet – “mal über den Tellerrand hinaussehen” war die Devise – die uns dann auch noch bis in die Hamptons brachte. Auch nach Koeln und Essen und Hamburg. Also ueber die Stadtgrenzen hinaus – um so spannender wird es die Vorgaenge in D. mit ueberregionalen und internationalen Vorgaengen zu assoziieren – und mal zu schauen, was denn hier in D. State of the Art ist. Dies auch frohen Mutes – betrachtet man doch die zahlreichen hier in dieser Stadt ansässiggen fleißigen Kunst- und Kulturkritiker, die durch ernsthaftes Bemuehen glaenzen, dem quasi kriterien-freien Raum der (insbesondere bildenden) Kunst doch noch greifbare Konturen zu verleihen.
Es gibt nicht nur viel zu berichten. Auch auf schon seit längerem platzierte Beitraege wird hingewiesen. Auch der Kulturkalender wirkt. Jedenfalls lassen sich die vielfaeltigen Events und Veranstaltungen leicht und ueberschaubar mit den Film-Beitraegen verknuepfen.

Herta Müller Literaturnobelpreisträgerin in Kunstsammlung NRW Heine-Hause Literatur Düsseldorf Kultur

Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin, las in der Kunstsammlung NRW aus ihrem neuen Buch ” Vater telefoniert mit den Fliegen “. Anschließend stellte sich Herta Müller in einem Kurzgespräch zu dem Poesietagen Motto ” Oh wie lang ist das Leben und wie stark ist die Hoffnung ” ( gewählt von Stephane Hessel ).In dem mit Karin Schedler (New York Times, ehem. WDR/SWF) geführten Ad-Hoc Gespräch beweist Herta Müller mal wieder ihr Einfühlungsvermögen als auch die gedankliche Klarheit, die den Literaturnobelpreis umfassend rechtfertigt. Ebenfalls erstaunlich, wie [ sich ] Herta Müller [ in ] das Heine Haus ver[w]irrt hat. Nach dem Erfolg des Poesiefest s im vergangenen Jahr widmete sich das Heine Haus in Düsseldorf auch in diesem Herbst zwei Tage lang – am 26. und 27. Oktober – ausschließlich der Poesie. Am ersten Tag des Poesiefestes las die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller in der Kunstsammlung NRW aus ihrem neuen Buch “Vater telefoniertmit den Fliegen” und zeigte Collagen. Die Collagen wurden an die Wand projiziert und von Herta Müller gelesen.
Das Grußwort sprach Oberbürgermeister Dirk Elbers Hierzu schreibt die RP (Zitat Lothar Schröder, 29.10.2012 – 02:30): Fest der Poesie mit Herta MüllerZum zweiten Mal feierte das Heine Haus ein Poesiefest. Im Mittelpunkt: der Auftritt von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, die in der Kunstsammlung unterhaltsam ihre Collagen-Lyrik vorstellte.Das Wort Pepita hat es in sich. Denn immer, wenn Herta Müller es in einer Zeitung oder einem Magazin entdeckt, muss sie ausschneiden. Doch dann passt es nirgendwohin, in keins ihrer Gedichte, die so wunderbare Collagen aus herbeigesuchten Worten sind echte Schnipsellyrik.Die hat Herta Müller zum Auftakt des zweiten, vom Heine Haus veranstalteten Poesiefests jetzt in der Kunstsammlung NRW vorgestellt, und es wurde ein Abend, wie man ihn sich bei Lyrik vergnügter kaum vorstellen kann: Die 59-jährige Literaturnobelpreisträgerin ist gut gelaunt, liest ihre Collagen von der großen Leinwand ab eine Lesung somit ganz ohne Buch; und im Gespräch mit Buchhändler Rudolf Müller ist sie derart aufgeräumt, dass für viele amüsante Erzählungen wenige Stichworte vom Moderator ausreichen.


Andrej Mogutschi Düsseldorfer Schauspielhaus Düsseldorf Der Prozess nach Franz Kafka


Andrej Mogutschi inszenierte am Düsseldorfer Schauspielhaus (Düsseldorf) das Fragment-Stück “Der Prozess” nach Franz Kafka.Zwei Tage nach der Premiere (15.09.2012) stellte sich Andrej Mogutschi in einem 30-minütigen Interview mit der Art-Journalistin Karin Schedler (New York Times & ehem. WDR/SWF). (Simultan übersetzt wurde das Gespräch von dem Dramaturgen Stefan Schmidtke).
Er bezog Stellung zu diversen schon in der Presse diskutierten Fragen und Kritik-Versuchen.
U.a. stellte Andrej Mogutschi einige kommentatorisch angeführte Kritikpunkte nicht nur klar (z.B. in der Lokal-Presse Bilder erdrücken Kafkas Text , “… viel zu lang an und lässt viel Literatur als Leerstelle. Das ist schade.”), sondern auch richtig: “Theater habe viel mehr Möglichkeiten auf Zuschauer zu wirken als nur der Text alleine – Theater sei ein Ort, an dem die Menschen das Kunstwerk mit vielen verschiedenen Sensoriken” wahrnähmen.
Er formuliert die eigentliche Zielsetzung und den inhaltlichen Fokus aus und was ihm persönlich an Kafka das Wichtigste sei: “Wir wollten uns auf den Menschen konzentrieren und auf die Probleme seiner inneren Welt – sein Leben, seine Liebe und den Tod . Er hätte “aus dem Stück auch eine regimekritische Parabel der jüngsten Skandale in Rußland machen können”. Abgehalten habe ihn davon das “grunsätzliche Fehlen von künstlerischem Interesse an politischer Inszenierung”.
Nach seiner Meinung lebten die Menschen in Rußland “in einem Land, dass für sich genommen schon grandioses politisches Theater” wäre.Was das Schauspielhaus Düsseldorf nd dessen Intendanten Holm angehe, entgegnete er, dass es ihm gefalle “an Projekten zu arbeiten, in denen es eine Passion gibt, eine Energie …” und dass er “eine Inszenierung für eine Stadt Düsseldorf) gemacht” habe und deshalb gäbe es “einen grossen Chor Düsseldorfer Volksavantgarde Chor und das wären Düsseldorfer …”. Das wäre ihre Inszenierung.


Julia Stoschek Collection Number 6 Flaming Creatures Monika Lahrkamp Kultur Düsseldorf Mike Kelley


Die Julia Stoschek Collection bietet nun Number 6 Flaming Creatures kuratiert von Julia Stoschek selber, u.a. mit Werken von Mike Kelley Paul McCarthy, John Bock, Lizzie Fitch, Birgit Hein, Bruce Nauman, Tony Oursler, Paper Rad, Peaches, Aura Rosenberg, Ed Ruscha, Jack Smith, Gwenn Thomas, Ryan Trecartin.
Als die Liebe zum Unnatürlichen, zum Trick, zur Übertreibung, so bezeichnet die Autorin Susan Sontag den Begriff des Camp. Dieser ist zentraler Leitgedanke in der Neupräsentation der JULIA STOSCHEK COLLECTION.
Camp ist eine überpointierte Art der Wahrnehmung, die sich im Zuge des Ästhetizismus und des Dandytums entwickelte. Den Anfang nahm Camp an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert und fand seinen Höhepunkt in den 1950er- und 1960er-Jahren. Eine zentrale und historisch wichtige Ausgangsposition der Ausstellung sind die Arbeiten des US-amerikanischen Künstlers, Performers und Underground-Filmemachers Jack Smith (Geboren 1932. Gestorben 1989), dessen skandalumwobener Film FLAMING CREATURES (1962-63) auch der Ausstellung den Titel gibt.
Jack Smiths Werk hat eine ganze Generation von Künstlern wie Andy Warhol, Robert Wilson, Cindy Sherman, John Waters und Mike Kelley entscheidend geprägt. Ohne ihn wären Camp, Punk oder die Pop-Postmoderne sowie das experimentelle Theater nicht zu denken.
FLAMING CREATURES erweist sich als Surrogat, das sich in den einzelnen Künstlerpositionen als extremes, überbordendes Element manifestiert und materialisiert. Dabei ist Jack Smith nicht als Ideengeber anzusehen, sondern ist Schlüsselfigur im Umgang mit Realität und Fiktion, Identität und Geschlecht.
Allen Positionen der Ausstellung ist die Aneignung oder Vereinnahmung von fiktiven Realitäten oder kreatürlichen Prozessen gemein. Künstlerische Positionen wie die von Aura Rosenberg, aber auch die von Tony Oursler, Bruce Nauman und Paul McCarthy richten den Fokus der Ausstellung auf die Selbsterforschung des Künstlers und seiner Entfremdung. Mittels Maskierung oder clownesker Überhöhung erschaffen sie eine neue Ebene, die sich nicht auf das Filmische beschränkt, sondern den Körper als Aktionsfläche miteinschließt. Der bewusste Umgang mit Pop- oder Trivialkultur ist darüber hinaus ein weiteres verbindendes Element. Insbesondere Ryan Trecartin, Ed Ruscha aber auch Paper Rad, Mike Kelley und John Bock ironisieren und adaptieren diese in ihren Arbeiten.

Hannelore Kraft Architektentag NRW 2012 Leo Flamm Hartmut Miksch Udo Brockmeier Klimaschutz braucht Baupolitik


In einem Podiumsgespräch diskutierten Leo Flamm und die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft über den Klimaschutz und den Stand der Dinge der Baupolitik in NRW / Bund. Leo Flamm konnte der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft so manches Statement entlocken. Sie hob die große Bedeutung eines vorausschauenden Städtebaus und einer umfassenden Baukultur hervor.
Die bauliche Sanierung des Gebäudebestandes und die Modernisierung auch öffentlicher Bauwerke sei ein unverzichtbarer Bestandteil der angestrebten Energiewende. “Architektinnen und Architekten müssen mit innovativen Ideen praxistaugliche Lösungen anbieten und umsetzen”, appellierte Hannelore Kraft an die Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner im Auditorium. “Unsere Gesellschaft benötigt Ihr Know-how und Ihre Erfahrung, sonst bleiben die Strategien und Konzepte der Politik Gedankenspiele.

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