24.04.2012 – Schauspielhaus Düsseldorf mit Kevin Rittberger

 

Schauspielhaus Düsseldorf mit Kevin Rittberger

Erstaufführung seines Stückes Puppen

tst-3    24.04.2012

Zu einem Gesprächsinterview im Schauspielhaus Düsseldorf erklärte sich Kevin Rittberger anläßlich der Erstaufführung seines Stückes ‘Puppen‘ als auch der derzeit laufenden CutUp Reihe ‘Enthusiasm‘ bereit. Er sprach nicht nur zu ‘Puppen’ und der CutUp Reihe ‘Enthusiasm’, sondern darüberhinaus bezog er auch gesellschaftspolitisch Position.

Uraufführung von Kevin Rittbergers Puppen in Düsseldorf (Carlheinz Caspari)
Kevin Rittberger inszeniert am Düsseldorfer Schauspielhaus sein eigenes Stück Puppen.
Rittberger macht Autorentheater, mit Phase auf Theater. Der 33-Jährige schreibt auch noch Dramen, berücksichtigt aber die Regeln der Postdramatik, d.h., dass fixe Regeln von gestern seien, insbesondere diejenigen, die versuchen, hierarchische Verhältnisse zwischen Stück und Inszenierung zu erstellen.

Puppen als Uraufführung ist gleichermaßen Theaterstück wie auch Musik (der Pianist Hauschka ist im Zentrum) beziehungsweise Bildende Kunst (vertreten durch den Künstler Stefan Schneider). Angekündigt wurde der Event als musiktheatralische Installation, das Schauspielhaus spricht von einer Verbindung aus Musiktheater, poetischem Labyrinth und Fotografie.

Citation:

Puppen – Düsseldorfer Schauspielhaus

Puppen: Irritierend, verstörend, anregend – von Michel Winde
Puppen von Kevin Rittberger löst gemischte Gefühle aus: Es ist Musik, Bild und Schauspiel in einem mit Carlheinz Caspari
Düsseldorf. Engagiert, fast schon leidenschaftlich steht er hinter der Theke. Er führt Verkaufsgespräche, berät und fachsimpelt. Allein: Der Fleischer aus Kevin Rittbergers neuem Werk Puppen hat keine Ware zum Verkauf, er ist „der Fleischer, der hinter der Auslage steht auch ohne Fleisch. Am Donnerstag kam die musiktheatralische Installation, die in einer Zusammenarbeit von Rittberger, Hauschka und Stefan Schneider entstand, im Kleinen Haus des Schauspielhauses zu seiner ersten Aufführung.
Irritierend, fast schon verstörend wirkt Puppen auf den Zuschauer. Es bleibt Fragment, Stückwerk. Anstelle einer Handlung stehen neun Szenen, in denen die Figuren, der Klandestino (Ingo Tomi), der Fleischer, der hinter der Auslage steht auch ohne Fleisch (Rainer Galke), die Frisörin (Elena Schmidt), die Frau, die vom Schwindel überfallen wird (Karin Pfammater) und der Chor, der die Arbeit abschafft (Markus Danzeisen), in verschiedenen Konstellationen miteinander interagieren. Meist beschränkt sich diese Interaktion auf den Dialog.
Bevor der erste Schauspieler die Bühne betritt, wird Puppen durch eine 20-minütige Ouvertüre, eine Hauschka-Komposition, eröffnet. Zehn Musiker an Celli, Violinen, Posaunen, Klavier und Percussion führen auf der kahlen Bühne in das Stück ein. Jedes Instrument bricht von Zeit zu Zeit aus der stoischen Monotonie der Töne aus. Eine bedrückende, bedrohliche Atmosphäre, die hier inszeniert wird.
Klar, der Fleischer, der die Bühne später betritt, ist eine Chiffre. Er folgt den Mechanismen des Kapitalismus ohne Sinn und Verstand. Und ohne Fleisch. Doch was bleibt vom Kapitalismus ohne Ware? Seine Fleischerei zumindest wird im Laufe des Stücks geschlossen.
Der Applaus ist ausdauernd, von Euphorie jedoch weit entfernt
http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/kultur/puppen-irritierend-verstoerend-anregend-1.849068

Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung
Von Kevin Rittberger
Regie: Felicitas Brucker
Mit: Vincent Glander, Veronika Glatzner, Steffen Höld, Katja Jung, Bettina Kerl, Nicola Kirsch, Max Mayer
Uraufführung am 1. April 2010 im Wiener Schauspielhaus
Warum ist «Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung» nach Mülheim eingeladen?
«In der Orestieist Kassandra eine trojanische Seherin, die das Unheil prophezeit, ohne gehört zu werden. Bei Kevin Rittberger bezeichnet Kassandra keine bestimmte Figur, sondern ein Dilemma: Es gibt Situationen, in denen Aufklärung zwecklos ist, wenn nicht sogar kontraproduktiv.

Der erstmals für Mülheim nominierte Rittberger (geb. 1977) bringt in Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung ein ebenso brisantes wie komplexes Thema auf die Bühne. Der Tragödie afrikanischer Boat People, die unter Lebensgefahr die Flucht nach Europa wagen, stellt Rittberger das Dilemma westlicher Gutmenschen gegenüber, die helfen wollen.

Das Stück, das auf Interviews des Autors basiert, ist eine eigenwillige Mischung aus dokumentarischem Theater und gesellschaftskritischer Satire. Im ersten Teil wird in Form eines Lehrstücks die Geschichte einer Afrikanerin erzählt, die es nach jahrelanger Odyssee endlich ins Boot nach Spanien schafft und bei der Überfahrt samt ihren Kindern ums Leben kommt. Im zweiten Teil wechselt Rittberger die Perspektive: Jetzt treten Europäer auf den Plan, deren Engagement fatale Konsequenzen hat. Eine Dolmetscherin etwa zeigt Missstände in einem griechischen Asylheim auf und macht dadurch alles nur noch schlimmer.
http://www.kultiversum.de/Schauspiel-Muelheimer-Theatertage/Kevin-Rittberger-Kassandra.html

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