12.01.2012 – Stephen F Szabo und Amerika Haus im Industrieclub Düsseldorf

 

Stephen F Szabo und Amerika Haus im Industrieclub Düsseldorf

Germany and America Partners in Leadership in a Post American World

tst-3    12.01.2012

Der Amerika Haus e.V. NRW lud in Kooperation mit dem Industrie-Club e.V. Düsseldorf ein, mit Stephen F. Szabo über den Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen vor dem Hintergrund des sich entfaltenden neuen globalen Kräftegewichts zu diskutieren (Amerika Haus, Walter Rudolph, Karin Schedler). Die derzeitige Herausforderung für diese Partnerschaft liegt vor allem darin, mit dem Aufstieg nicht-westlicher Mächte in einer von manchen bereits als „post-amerikanisch“ bezeichneten Welt umzugehen und gemeinsame Antworten auf neue globale Herausforderungen zu entwickeln.

Stephen F. Szabo lobte Deutschland ausdrücklich für seine Außenpolitik und seine Führungsrolle in Europa. Mit Blick auf die USA stellte er zunächst fest, dass sich ihre Machtstellung seit dem Ende des Kalten Krieges stark gewandelt habe. Nach der Implosion der Sowjetunion hätten die USA ohne vergleichbaren Rivalen an der Spitze einer unipolaren Weltordnung gestanden. Die gesamten 1990er Jahre seien durch die sowohl militärisch als auch wirtschaftlich unangefochtene Dominanz der USA geprägt gewesen, die sich schließlich in Madeleine Albrights Ausspruch der „unverzichtbaren Nation“ ausgedrückt habe. Militäreinsätze wie 1991 im Irak oder 1999 Kosovo seien im Vergleich zu Amerikas heutigen Einsätzen und dem Aufstieg neuer politischer Rivalen einfach gewesen. Szabo äußerte sein Erstaunen darüber, wie schnell sich diese Stellung der Dominanz seit den Anschlägen vom 11. September 2011 in weniger als einem Jahrzehnt verkehrt habe. Mittlerweile seien die USA in hohem Maße von China abhängig, sodass sich beide Länder in einem machtpolitischen Patt befänden. „Es ist ziemlich hart, zu seinem Banker ‚Nein‘ zu sagen“, zitierte Szabo Außenministerin Hillary Clinton und wies darauf hin, dass sich die gegenseitige Konkurrenz noch verstärken werde. Das amerikanische Militär spiele aber eine sehr viel geringere Rolle, als noch zu Zeiten des Kalten Krieges. Es müsse umorganisiert und das Verteidigungsbudget gekürzt werden. Durch die Kriege in Afghanistan und dem Irak seien die USA überlastet und derzeit gar nicht in der Lage, eine weitere, neu eintretende, Krise zu bewältigen.

Eine weitere Entwicklung sieht Szabo zudem in einer gesunkenen Furcht vor amerikanischer Macht, die sich am Aufstieg und der Politik neuer Mächte wie China und Indien zeige. Er hob hervor, dass die Dekolonisierung, die heute aufstrebenden „emerging markets“ ermöglicht und Armut erheblich verringert habe. Szabo stellte der Regierung von Präsident Barack Obama in der Außenpolitik ein sehr gutes Zeugnis aus, da sie es verstünde aus der Mitte heraus die Führung übernehmen. Im gleichen Maße, in dem Szabo Deutschlands Politik lobte, kritisierte er jedoch die interne Verfassung der USA. Der Abstieg Amerikas (cit. Amerika Haus) sei selbstverschuldet und nicht auf äußere Ereignisse zurückzuführen. Die deutsch-amerikanische Beziehung sei aber auch in neuen weltpolitischen Umständen eine tiefgehende, verlässliche und fruchtbare Partnerschaft geteilter Werte und Interessen.

Dr. Stephen F. Szabo ist Executive Director der Transatlantic Academy, Washington D.C. und forscht seit Jahrzehnten zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen und der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Szabo ist regelmäßiger Kommentator in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und für DIE ZEIT. Vor seiner Tätigkeit bei der Transatlanctic Academy war er u.a. Professor an der John Hopkins University sowie Dozent am Foreign Service Institute des amerikanischen Außenministeriums.

assets:

assets:
YT1     US 1     US 2     US 3     

0