China 8 Wang Gongxin Lin Tianmiao – Song Dong Yin Xiuzhen Künstlerduo s – Mehr als Ai Weiwei

China 8: Wang Gongxin Lin Tianmiao Song Dong Yin Xiuzhen | Künstlerduo`s – Mehr als Ai Weiwei –
(Osthaus Museum Hagen, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, Folkwang Museum, NRW-Forum)

Mehr als Ai Weiwei – Stars zeitgenössischer chinesischer Kunst
Künstlerduos bei China 8: Wang Gongxin und Lin Tianmiao – Song Dong und Yin Xiuzhen
by Vera Kriebel

Lin Tianmiao lässt keinen gruselig-provokativen Kitsch aus. Bei Yin Xiuzhen wird es weich und warm und bunt und irgendwie wohnlich. Wang Gongxin schafft ebenso meisterliche Stillleben der Videokunst wie auch aggressive Installationen hektischer Filmschnitte.

Und Song Dong ist wie die anderen drei ein Star der chinesischen Kunstszene. Im Duisburger DKM ist seine Installation “Write Your Message With Water”, bei der man (flüchtige) Nachrichten mit Wasser auf einen Stein pinselt. Bei China8 bleibt Song Dong eher blass: In Mülheim steht derzeit der altertümliche Schrank eines Telefon-Vermittlers, im Inneren zu einer engen Wohnstatt für Wanderarbeiter ausgebaut; in Hagen ein überdimensionales Essstäbchen; in Marl dokumentiert er eine Radfahrt durch Peking.
Farben des Lichts: Yin Xiuzhens Hagener Zimmer
Yin Xuizhen ist keineswegs die kleine Chinesin an Songs Seite. 2012 widmete ihr die Kunsthalle Düsseldorf eine Soloausstellung (November 2015 wird ihr Song folgen), und nach dem, was man gerade bei China8 sieht, ist sie ein Song (mindestens) ebenbürtiger Künstler. (Und anderes als er spricht sie Englisch, was einem kleinen globalen Kommunikationswunder gleicht.)
Yin Xiuzhen hat in Hagen einen eigenen Raum, in dem zwei aufgeklappte Koffer mit zwei tragbaren Städtchen liegen, einmal Shenzhen, einmal Hangzhou, mit ihren markanten Bauwerken aus Textilresten und gebrauchter Kleidung. Ein ähnlicher Koffer, diesmal mit der Düsseldorf-Miniatur, steht seit 2012 im Kunstpalast. Hübsch bunt und niedlich. Ein Stück Heimat für die Fremde? In Hagen ziehen sich oben durch den Raum Fäden zu den Wandpunkten, die für die Städte stehen, die Yin bereits zu tragbaren Versionen verarbeitet hat, und bilden die Anfänge eines globalen Netzes. Daneben drei Bücherregale, vollgestopft, und ebenfalls farblich fein abgestimmt. Wie Suhrkamp-Serien stehen die Bücher dicht gedrängt in regenbogenfarbenen Umhüllungen, die sich auf der Rückseite der Regale als Kleidungsstücke herausstellen.
Zugleich schaffen gemeinsame Werke. In Hagen liegen zwei “Essstäbchen” ihrer Chopstick-Serie, die aber hier etwas farblos bleibt. Zwei überdimensionale Essstäbchen, die eher aussehen wie Torpedos, das eine aus Stahl (mit Ornamenten oder Schriftzeichen ? jedenfalls wirkt es nicht so, als ob es etwas verberge unter oder auf seiner dunkelgrauen Oberfläche), das andere (von Yin) überzogen mit lehmbraunen Lumpen, besetzt mit der Miniatur einer asiatischen Tempelanlage.
citation: (http://www.philartalliance.org/exhibi…)
Yin/Song sind mit den aus alltäglichen Utensilien verfertigten oder durch sie angeregten Werken ein Beispiel für ein oft bei aktuellen chinesischen Künstlern anzutreffendes Motiv: Der nostalgische und melancholische Blick zurück in die Kindheit, in die kleine Welt der Familie, des trauten Heims, ins traditionelle China – das sind häufige Inspirationsquellen.

Ganz anders? Lin Tianmiao
Lin Tianmiao arbeitet ebenfalls mit Textilien und Alltagsgegenständen und ist die zweite Entdeckung in Hagen: “Statue” ist keine Statue, sondern eine Sammlung Schädel auf Podesten in einer Reihe, “wie Hühner auf der Stange”, angetan mit absurden Requisiten. Schaurig-schöne Torsi, dicht umwickelt mit silbernen und goldenen Fäden. Witzig verspielt? Es sind Totenschädel, fleischlos, statt Nasen Höhlen, statt Augen Löcher. Meist deformiert, gequetscht wie nach einem Verbrechen oder durch Verschüttung, gelängt wie bei exotischen Schönheitsidealen. Und immer verletzt. Einem ist eine Schaufel ins Gebiss gerammt, einer hat sich an einer Kokosnuss (?) verschluckt, auf einen zielt seitlich eine Bohrmaschine, als wäre diese eine Pistole – und hat sich schon tief in den Knochen gebohrt, einen ziert die eigene, säuberlich als Halbkugel ausgeschnittene Schädeldecke wie ein Heiligenschein oder Schirm, ein Kopf ist von einer Trompete durchstochen.
Lin Tianmiao bildet mit Wang Gongxin, den in Marl mit meisterhaften Stillleben vertretenen chinesischen Videokünstler (https://www.youtube.com/watch?v=3f2fd…) wie Yin/Song ein international überaus erfolgreiches Künstlerpaar. Die beiden sehen eher aus wie zwei Grundschullehrer (https://www.youtube.com/watch?v=YCBib…), na, jedenfalls eher bieder, und eigentlich würden zu ihnen sehr gut die mehr nach innen und rückwärts gerichteten Werke des Duos Yin/Song passen. Die wiederum ziemlich trendig und aufmüpfig auftreten, also so, als hätten sie die provozierenden und mehr aktuell, zeitgemäß wirkenden des Lin/Wang-Paars geschaffen

Wang Gongxin | China 8 | Ai Weiwei | Lin Tianmiao Künstlerduo

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